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Im Einsatz für Tier und Mensch: Unterwegs mit dem umstrittenen Appenzeller Kantonstierarzt

Das Veterinäramt beider Appenzell hat heikle Aufgaben wahrzunehmen und erntet dafür manchmal Kritik. Eine Reportage gibt Einblick in dessen Arbeit.
Karin Erni
Tobias Obwegeser kontrolliert, ob die Ziegen korrekt markiert sind und einen Schattenplatz haben. (Bilder: Karin Erni)

Tobias Obwegeser kontrolliert, ob die Ziegen korrekt markiert sind und einen Schattenplatz haben. (Bilder: Karin Erni)

Der amtliche Tierarzt Tobias Obwegeser wirft einen Blick in die mit Weizenkleie gefüllte Holzbox in der Scheune. «Haben Sie keine Probleme mit Nagern?», fragt er Jakob Dietrich. Dieser verneint: «Wir haben neun Katzen und die sind sehr aktiv.» Auf dem Hof des Herisauer Landwirts findet eine so genannte Kontrolle der Primärproduktion statt. Diese obliegt dem Veterinäramt beider Appenzell.

Bei diesen alle vier Jahre stattfindenden Kontrollen liege der Fokus weniger bei der Tierhaltung, als vielmehr bei der Lebensmittelsicherheit, sagt Kantonstierarzt Sascha Quaile. «Bei einer solchen Kontrolle wird unter anderem die Hygiene und die Einhaltung der Tiergesundheit überprüft. Wenn wir jedoch bei der Hofbegehung auf Verstösse gegen das Tierschutzgesetz stossen, müssen wir natürlich auch handeln.»

Denn immer wieder kommt es vor, dass Kälber angebunden sind, die Ställe hoffnungslos verdreckt oder Hofhunde an Ketten gehalten werden. Die rund 1200 Landwirtschaftsbetriebe im Appenzellerland müssen sich regelmässigen Kontrollen unterziehen. Sascha Quaile sagt:

«Um Direktzahlungen des Bundes zu erhalten, hat alle vier Jahre eine Tierschutzkontrolle durch den landwirtschaftlichen Inspektionsdienst Appenzell oder einen anderen Kontrolldienst zu erfolgen.»

«Diese Überprüfungen müssen gemäss Gesetz in mindestens zehn Prozent der Fälle unangemeldet stattfinden. In der Praxis sind es aber wesentlich mehr, da nur mit unangemeldeten Kontrollen allfällige Missstände entdeckt werden können.» Die Kontrollen der Primärproduktion finden ebenfalls alle vier Jahre, alternierend zu denjenigen des Inspektionsdienstes, statt.

Elektronik hilft 
bei der Kontrolle

Tobias Obwegeser ist einer von vier amtlichen Tierärzten, die diese Kontrollen durchführen. Im Vorfeld des Besuchs hat er bereits alle relevanten Daten des Hofs Dietrich aus verschiedenen Datenbanken abgefragt und studiert. Dabei hat sich nur wenig Auffälliges ergeben. Eine wichtige Funktion in der Gesundheitskontrolle hat die Überprüfung des Tierverkehrs.

Jeder Zu- und Abgang von Tieren auf dem Hof muss gemeldet werden. Vor Ort vergleicht der Kontrolleur die Tiernummern aus der Tierverkehrsdatenbank mit den tatsächlich vorhanden Tieren. Weil diese gerade auf verschiedenen Weiden grasen, muss dazu einiger Weg zurückgelegt werden. Doch alle Angaben stimmen und die Ohrmarken sind vorhanden. Bei dieser Gelegenheit prüft der Tierarzt auch, ob die Tiere über genügend Wasser und Schattenplätze verfügen.

Dann geht es zurück zum Hof. Auch die Haltung der Schweine, Hühner und Ziegen wird überprüft, obwohl diese nur für den Eigenbedarf gehalten werden. «Alles bestens, die Tiere sind gesund, werden tierschutzgerecht gehalten und haben genügend Beschäftigungsmöglichkeiten», sagt Tobias Obwegeser.

Diese Schweinehaltung ist vorbildlich.

Diese Schweinehaltung ist vorbildlich.

Im Stall wird die Melkanlage angeschaut und kontrolliert, ob die vorgeschriebenen Servicearbeiten durchgeführt worden sind. Auch die Hygiene im Milchraum wird begutachtet. «Hier sollten Sie künftig statt des Handtuchs beim Waschbecken Einwegpapier verwenden», erklärt Obwegeser.

Antibiotikaeinsatz verringern

Als nächstes werden die vorhandenen Medikamente auf dem Hof geprüft. Der Bund fordert eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung. Darum wird diesbezüglich besonders genau hingeschaut. Die Behandlungsjournale werden überprüft. Bei Dietrichs liegen zwei Tierarztverträge vor. «Das ist nicht erlaubt, es muss immer ein Tierarzt die Übersicht über die gesamten Behandlungen auf einem einzelnen Betrieb pro Tierart haben», erklärt Obwegeser. Dietrichs versichern, dass der zweite Vertrag ihre Tierhaltung auf der Alp Göbsi betrifft. «Dann ist es gut, aber Sie müssen vom Tierarzt verlangen, dass er den Vertrag entsprechend umschreibt.»

Tobias Obwegeser prüft, ob die Medikamente richtig eingesetzt werden.

Tobias Obwegeser prüft, ob die Medikamente richtig eingesetzt werden.

Sie hielten grundsätzlich keine Medikamente auf Vorrat, sondern riefen den Tierarzt falls nötig, sagt Ursula Dietrich. «Vieles lässt sich auch mit natürlichen Methoden behandeln.» Tatsächlich liegt nur gerade ein Medikament für ein Kalb mit akutem Durchfall bereit. Das Behandlungsjournal zeigt wenig Auffälliges. «Die letzte Entwurmung ist nicht eingetragen worden», stellt der amtliche Tierarzt fest und mahnt, dies immer sofort zu erledigen, damit es nicht vergessen geht. Bei der Schlussbesprechung werden noch einmal alle Punkte durchgegangen und die anzugehenden Verbesserungsmassnahmen besprochen.

Tierwohl steht
 im Vordergrund

Nebst den Routinekontrollen rücken die amtlichen Tierärzte auch aus, wenn Hinweise aus der Bevölkerung vorliegen. Fast täglich gingen im Veterinäramt Meldungen zu Tierhaltungen ein, sagt Sascha Quaile. «Nicht immer handelt es sich dabei um Verstösse gegen das Tierschutzgesetz. Viele Leute haben eine unrealistische Idealvorstellung von Tierschutz. Wir können nur eingreifen, wenn das Gesetz nicht eingehalten wird.»

Zu Strafverfahren kommt es relativ selten, im Jahr 2017 waren es fünf in Ausserrhoden und drei in Innerrhoden. Unterschieden wird zwischen verwaltungsrechtlichen und strafrechtlichen Massnahmen. Im Fokus des Handelns stünden dabei immer primär die Sicherstellung des Wohlergehens der Tiere, sagt Quaile.

«Wir versuchen mit möglichst milden Massnahmen zu erreichen, dass die fehlbaren Tierhalter die Haltung der Tiere verbessern.»

Ein Tierhalteverbot ist die letzte Sanktion und wird erst ausgesprochen, wenn alles andere nicht gegriffen hat. Wenn es in einem Betrieb immer wieder zu Beanstandungen komme, könne auch eine Überforderung des Landwirts die Ursache sein, sagt Quaile. «In solchen Fällen versuchen wir aufzuzeigen, wo sich der Betroffene Hilfe holen kann. Er muss diese Hilfe indes auch annehmen wollen, was aber selten der Fall ist.»

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