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Im Dienste hilfsbedürftiger Menschen

Bei angenehmen Sommertemperaturen fahre ich an diesem Morgen nach Hemberg. Was mich dort genau erwartet, entzieht sich zu diesem Zeitpunkt noch meinen Kenntnissen. Es geht grob darum, einen Lastwagen mit gesammelten Gütern für ein humanitäres Projekt zu beladen.
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Bei angenehmen Sommertemperaturen fahre ich an diesem Morgen nach Hemberg. Was mich dort genau erwartet, entzieht sich zu diesem Zeitpunkt noch meinen Kenntnissen. Es geht grob darum, einen Lastwagen mit gesammelten Gütern für ein humanitäres Projekt zu beladen. Da ich privat in einem Hilfsprojekt in Afrika mitarbeite, interessiert mich diese Aufgabe und deren Hintergründe. Am vereinbarten Treffpunkt, der lokalen Zivilschutzanlage, werde ich von Josef und Alice Wüllner begrüsst und den anderen Helfern vorgestellt.

Der bestellte Lkw hat den Weg ins idyllische Dorf noch nicht gefunden, so dass wir beginnen, die beladenen Bananenkisten aus dem Untergeschoss, über eine längere Treppe ins Freie zu tragen. Ein erster Blick in den Schutzraum dämpfte mein Anfangseuphorie: «Das sind ja ganz schön viele Kisten», ist mein erster Gedanke. Doch schliesslich beginnen wir mit viel Enthusiasmus mit unserer Arbeit Dabei erzählen mir die Initianten so nach und nach von ihrem humanitären Engagement. Sie hätten, erzählt mir Josef Wüllner, mehrmals osteuropäische Länder und Indien bereist. Dabei sei ihnen das Ausmass an Armut und Elend bewusst geworden. Der gebürtige Deutsche, von Beruf Bauingenieur, arbeitete für ein Hilfswerk. 2003 zog das Ehepaar nach Hemberg und gründete ein Jahr später den Verein «Für Menschen in Not», über den heute sämtliche ihrer humanitären Aktivitäten laufen. «Wir sammeln Kleider, Betten oder beispielsweise auch Velos», erklärt Alice Wüllner. Jedoch befänden sich unter dem Sammelgut auch Rollstühle und Gehhilfen. Gesammelt wird in zahlreichen Toggenburger Gemeinden und in Herisau. Vor Ort betreuen Freiwillige die Sammelstellen, dort können nicht mehr gebrauchte Gegenstände das ganze Jahr über abgegeben werden.

Hilfe für Osteuropa

Unterdessen ist der Lastwagen, welcher für «Licht im Osten», einem Projekt des Schweizerischen Missions- und Hilfswerks unterwegs ist, eingetroffen. Die Helfer beginnen, den 40-Tönner mit den draussen bereitgestellten Gütern zu beladen. Während ich Kiste um Kiste hochschleppe, lässt mich eine Frage nicht mehr los: Warum investieren Menschen Zeit, Geld, und Energie in ein humanitäres Vorhaben? Was treibt diese Idealisten an, welche tieferen Motive verbergen sich hinter ihrem Engagement? «Warum soll ich nicht helfen, wenn mich die Not ansieht», beantwortet Alice Wüllner meine Frage mit einer grossen Selbstverständlichkeit. Einen Satz, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde.

400 Schachteln Hilfsgüter

Der Transporter des Hilfswerks fährt jeweils nicht leer ins Toggenburg, sondern bringt über 300 leere Bananenschachteln für die nächste Sammelaktion mit. Unterdessen erfahre ich, dass im Schutzraum insgesamt 400 beladene Schachteln auf uns warteten, von denen ein Teil nun im Freien steht. Zwar sind die mit Kleider oder Wäsche beladenen Schachteln nicht sehr schwer. Jedoch geraten wir in Anbetracht der unterdessen warmen Temperaturen ins Schwitzen, so dass der von Alice Wüllner bereitgestellte Znüni hoch willkommen ist.

In der Runde erzählt Emil Aerni, ein Unternehmer im Ruhestand, der sich als Chauffeur engagiert, von den abenteuerlichen Fahrten in die Ukraine. «Mehrstündige Zollabfertigungen und eine wuchernde Bürokratie sind an der Tagesordnung.» Ich erfahre zudem weitere Hintergründe zur Sammelaktion. Sie und ihre Mitstreiter, sagt Alice Wüllner, sammeln die Kleider, können sie jedoch nicht selbst vor Ort verteilen. «Wir spenden die gesammelten Hilfsgüter an verschiedene Organisationen.» Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit mit dem Projekt «Licht im Osten», drei bis viermal im Jahr holt ein Lkw gesammelte Güter in Hemberg ab. Jeweils im September bereitet Alice Wüllner zusammen mit Helferinnen etwa 250 Geschenkpakete für Kinder vor. Rechtzeitig vor Weihnachten landen diese zusammen mit den Hilfsgütern im Lager in Frauenfeld. Anschliessend werden sie von dort aus an Hilfsbedürftige in Rumänien, der Ukraine, Moldawien oder Weissrussland verteilt oder verkauft. «Wir sind jedoch in der Lage, spontan zu entscheiden», ergänzt Josef Wüllner. So hätten sie auch bei der Kosovo-Hilfe mitgemacht. Ein Teil der Hilfsgüter bleibt zudem in der Region. «In unserer nächsten Umgebung gib es auch hilfsbedürftige Menschen», so Alice Wüllner. beispielsweise kinderreiche Familien.

Nach der Stärkung machen wir uns daran, die restlichen Kisten hochzutragen. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden ist der Lastwagen beladen und zur Abfahrt bereit. Ich verabschiede mich, beeindruckt vom Einsatz und Idealismus, mit dem Alice und Josef Wüllner hilfsbedürftige Menschen unterstützen.

Jesko Calderara

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