«Ihr habt es in der Hand»

Im Rahmen der Sonderwoche besuchten Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Wattwil den Vortrag «Unfallprävention im Strassenverkehr». Ziel davon ist, dass die Lernenden ihr Verhalten beim Autofahren reflektieren.

Raffaela Arnold
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Das ausgestellte Unfallauto gehörte einem unschuldigen Lenker.

Das ausgestellte Unfallauto gehörte einem unschuldigen Lenker.

WATTWIL. Knapp über 100 Schülerinnen und Schüler sitzen in der Aula des Berufs- und Weiterbildungszentrums Wattwil (BWZT) und folgen gespannt den Ausführungen der Referenten. Mit Bildern, Filmen und Statistiken machen Urs Bär von der Kantonspolizei St. Gallen und Armin Heller von der Stiftung Road Cross die Lernenden auf die Thematik von Verkehrsunfällen aufmerksam. Road Cross ist eine Stiftung, die sich für die Unfallprävention und -bewältigung einsetzt.

Eigenes Verhalten reflektieren

«Das Ziel des Vortrags ist nicht, euch die Freude am Autofahren zu nehmen», beginnt Armin Heller. Vor allem wolle man die Schüler sensibilisieren und sie sollen ihr eigenes Verhalten reflektieren. Besonders Neulenker, die ihre neugewonnene Freiheit auskosten wollen, seien von Unfällen betroffen. «Es ist beängstigend, wie viele SMS während des Fahrens geschrieben werden», sagt Norbert Steinhart, Lehrer der Allgemeinbildung am BWZT. Die Lernenden werden vor dem Vortrag darauf vorbereitet und besprechen die Eindrücke im Nachhinein. Die Zweitklässler beginnen zudem gerade das Thema Risiko und Verantwortung, weshalb der Vortrag als guter Einstieg dazu genutzt wird.

Verkehrsunfälle gelten als die Todesursache Nummer eins bei Jugendlichen. Überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol, Ablenkung durch das Handy und Müdigkeit sind nur einige Faktoren, die vor allem junge Erwachsene gefährden. Warum? «Oft fahren Jugendliche am Wochenende, nach langen Nächten und Discobesuchen müde nach Hause», sagt Armin Heller. Zudem sind mehr Männer als Frauen betroffen. «Männer wollen sich beweisen, sind risikoreicher und testen ihre Grenzen. Dies gehört zur Entwicklung dazu, die Frage ist jedoch, wo man das macht.» Allein 2014 gab es 78 000 Führerscheinentzüge in der Schweiz. 80 Prozent davon waren Männer. Und noch eine beeindruckende, wenn auch schockierende Zahl: Jeder zweite 16- bis 24-Jährige ist in einen Unfall verwickelt. Die Schüler sind merklich betroffen. Urs Bär macht jedoch auch darauf aufmerksam, dass die Zahl der Todesfälle in den letzten Jahren rückläufig ist: Dank Geschwindigkeitsbegrenzungen, Ausbauen von Strassen und der Präsenz der Polizei.

Realitätsnah vermittelt

Als Armin Heller fragt, wer sich vorne im Auto den Gurt nicht umlegt, hebt nicht einer den Arm. Als es jedoch darum geht, wer sich denn hinten nicht angurtet, sind plötzlich mehrere Hände in der Höhe. Die Kraft, mit welcher die hintere Person bei einer Kollision auf den Beifahrer trifft, beträgt mehr als eine Tonne. «Wenn ein Mensch mit einem so schweren Hammer jemandem auf den Rücken schlagen würde, hätte das ein Nachspiel: Anzeige, wahrscheinlich Psychiatrie. Aber beim Autofahren lassen wir dies zu», wirft Armin Heller in die Runde. Statistisch gesehen, rettet der Gurt alle sieben Sekunden einem Menschen das Leben. Realitätsnah wird auf die Lernenden zugegangen: Beim Beispiel, dass lose Werkzeuge im Wagen bei einem Aufprall zum Geschoss werden können, können Handwerkerlernende einen persönlichen Bezug dazu herstellen. Anschaulich ist auch das Unfallauto, das auf dem Platz vor der Schule steht. Besonders eindrücklich: Der Wagen gehörte dem Lenker, der am Unfall selber keine Schuld trägt.

Keine Bevormundung

Zum Schluss gibt Armin Heller den Schülern noch einen Rat: «Wenn euch spät in der Nacht ein Freund noch nach Hause fahren muss, ist es doch nichts als fair und sicher, wenn ihr auf dem Beifahrersitz wach bleibt und helft, dass der Fahrer nicht einschläft.» Damit wolle man die Schüler nicht bevormunden, sondern schützen. «Das Positive daran ist, ihr habt es selber in der Hand.» Und auch Urs Bär rät: «Wenn ihr etwas richtig macht, dann nicht für die Polizei, sondern für euch selber.»

Armin Heller von der Stiftung Road Cross ermutigt die Lernenden, ihr Fahrverhalten zu reflektieren und die Verkehrsregeln zu respektieren. (Bilder: Raffaela Arnold)

Armin Heller von der Stiftung Road Cross ermutigt die Lernenden, ihr Fahrverhalten zu reflektieren und die Verkehrsregeln zu respektieren. (Bilder: Raffaela Arnold)