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«Ich war keine Minute ohne Pferde»

BÜTSCHWIL. Urs Stillhart von der Feldgarage in Bütschwil hat sein ganzes Leben Pferde um sich gehabt. Im Militär war er bis zu deren Abschaffung in der Kavallerie eingeteilt. Noch heute ist er ein leidenschaftlicher Sportreiter und engagiert sich im Verband der Senioren-Concoursreiter im Vorstand.
Katharina Rutz
Der ehemalige Dragoner Urs Stillhart aus Bütschwil auf Pferd Wisper beim diesjährigen Jagdritt der ehemaligen Kavallerie in Diepoldsau. (Bild: Katharina Rutz)

Der ehemalige Dragoner Urs Stillhart aus Bütschwil auf Pferd Wisper beim diesjährigen Jagdritt der ehemaligen Kavallerie in Diepoldsau. (Bild: Katharina Rutz)

80 Kilometer-Ritte, zum Beispiel von Uzwil nach Diepoldsau, in der Nacht waren für die Schweizer Kavallerie keine Seltenheit. Im Toggenburg gibt es noch zehn Dragoner, so nennen sich die ehemaligen Berittenen der Schweizer Armee. Einer von ihnen ist Urs Stillhart von der Feldgarage in Bütschwil. Die Kavallerie wurde im Jahr 1972 abgeschafft. Danach war Urs Stillhart aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit als Chauffeur zu den Motorfahrern umgeteilt worden. Doch an seine Zeit bei der Kavallerie erinnert der 63-Jährige sich noch gerne zurück.

«Alles kann ich aber nicht erzählen», schmunzelt er. Rasch wird klar, bei der Kavallerie erlebte man nicht nur schöne, sondern auch harte Tage. Urs Stillhart berichtet von nächtlichen Ritten bis nach Schaffhausen oder ins Rheintal. «Unsere <Eidgenossen>, so hiessen unsere Pferde, mussten sehr viel leisten», sagt er.

Mit Pferden aufgewachsen

1967, mit 20 Jahren, hat Urs Stillhart die Rekrutenschule absolviert. «Mein Vater hatte einen Bauernhof mit Fuhrhalterei. Ich bin mit Pferden aufgewachsen und wollte schon immer zur Kavallerie», sagt er. Sie hatte damals einen sehr ehrenvollen Ruf und war bei den leicht motorisierten Truppen eingeteilt. Doch da für das Eintreten in die Kavallerie zuerst der väterliche Betrieb von einem Kommandanten genau unter die Lupe genommen wurde, machte Urs Stillhart auch die Prüfung für die Motorfahrer.

Der Kommandant beurteilte, ob der Betrieb nicht zu hart für das Halbblutpferd der Armee war, da dieses ausser in den drei Wochen WK auf dem elterlichen Hof eingesetzt wurde. Urs Stillhart hatte Glück und durfte sich an der Versteigerung seinen «Eidgenoss» ersteigern. So einfach war das allerdings nicht. «Ich bewarb mich um fünf Pferde und zog jedes Mal den Kürzeren», erzählt er. Die jungen Pferde hatten eine unterschiedliche Qualität und die besten waren begehrt.

Losglück entscheidend

Steigerten mehrere Soldaten für dasselbe Pferd, entschied am Schluss das Los. So musste sich Urs Stillhart gedulden, bis er für 1700 Franken sein Pferd in Empfang nehmen konnte. Die Hälfte des Kaufpreises übernahm damals die Armee. Urs Stillharts erstes Pferd erwies sich allerdings als nicht immer sehr einsatzfreudig vor dem Wagen. Dies ging in der Fuhrhalterei natürlich nicht. Also stellte Urs Stillhart ein Gesuch in Bern und erhielt ein neues Tier.

Zu Hause zogen die «Eidgenossen» von Stillharts – auch Urs Stillharts Bruder war in der Kavallerie – dann den Kehrichtwagen oder wurden zum Holzrücken eingesetzt. «Einzig das Führen einer Lohnkutschnerei mit den Armeepferden war untersagt», so der ehemalige Dragoner. Dennoch musste Urs Stillhart dafür besorgt sein, dass sein «Eidgenosse» auch genügend Kondition in den WK mitbrachte. «Auf den langen Ritten in Vollpackung mussten die Pferde einiges aushalten», erinnert er sich.

Ersatzhufeisen gehörten beispielsweise zur Ausrüstung. Doch auch die Dragoner selber sahen manchmal tagelang kein Bett. In den Manövern bekämpfte man häufig Radfahrer. Die kleinste Einheit einer Dragoner Schwadron bestand aus einem Gruppenführer und fünf Soldaten. Bei der Kampfübung sass man ab, ein Soldat hielt die Pferde und der Rest griff mit den Sturmgewehren 57 vom Boden aus an. «Vom Pferd kämpften wir nicht», sagt Urs Stillhart. Eine Schwadron bestand aus rund 130 Dragonern.

Die Toggenburger waren mehrheitlich in der Schwadron 20 eingeteilt.

Abschaffung hart getroffen

Die Abschaffung der Kavallerie von 1972 ging für Urs Stillhart höchst unglücklich vonstatten. Er spricht von Offizieren, die sich nicht immer zum Wohle der Kavallerie eingesetzt hätten. Schliesslich entschied die Bundesversammlung gegen die Kavallerie. «Bei der Umschulung zu Panzergrenadieren haben die Dragoner regelrecht rebelliert».

Genützt hat es ihnen wenig. «Die Abschaffung der Kavallerie hat uns Dragoner hart getroffen», sagt Urs Stillhart. Ihre Pferde konnten sie zwar behalten, doch Anlässe wie Dragoner-Springen verschwanden allmählich. Man befürchtete sogar ein Verschwinden der Sportreiterei, da viele Offiziere auch Reitlehrer waren. Doch der Ostschweizer Kavallerieverband füllte die Lücke und bildete Reitlehrer aus. Heute ist Reiten ein häufiges Hobby.

Urs Stillhart hat sich 14 Jahre als Präsident im Reitverein Alttoggenburg engagiert und auch viele Springkonkurrenzen organisiert. Noch heute ist er im Vorstand der Seniorenvereinigung der Schweizer Concoursreiter. Die alte Tradition der Dragoner pflegt er ebenfalls noch gerne. So auch letzten Samstag am Dragoner-Jagdritt in Diepoldsau.

Pferde im Blut

Sein eigenes Pferd Laptop bewegt er jeden Tag. «Mir gefällt, wie ich zum Tier eine Beziehung aufbauen kann und merke, dass es auch etwas zurückgibt. Ich habe keine Minute ohne Pferde gelebt und habe sie einfach im Blut», sagt Urs Stillhart. Wenn er einmal nicht mehr aufsteigen könne, kaufe er sich vielleicht einen Freiberger. «Dann fahre ich halt wieder Kutsche», lacht er.

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