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«Ich war einfach der Mann mit der Kamera»

Der Toggenburger Fotokünstler Hannes Schmid hat den Cowboy der Zigarettenmarke Marlboro geprägt. Davor hat er mit Grössen der Rockmusik gearbeitet und diese immer wieder ins Toggenburg geführt. Heute wird er 70 Jahre alt.
Ruben Schönenberger
Gemalt statt fotografiert. Hannes Schmid entwickelt seine Fotosujets von früher auf der Leinwand weiter. (Bild: Ralph Ribi)

Gemalt statt fotografiert. Hannes Schmid entwickelt seine Fotosujets von früher auf der Leinwand weiter. (Bild: Ralph Ribi)

«Alle wollten eigentlich immer nur zu meiner Mutter, um ihre Hacktätschli mit Kartoffelstock zu essen.» Wenn der Fotokünstler Hannes Schmid davon spricht, wie beliebt das von seiner Mutter zubereitete Essen war, spricht er nicht einfach von Bekannten und Freunden. Er spricht von den Grössen der Rockmusik in den 70er- und 80er-Jahren. Während fast eines Jahrzehnts hat der in Zürich geborene und im Toggenburg aufgewachsene Schmid über 250 Rockbands begleitet. Ob Abba, Queen, Uriah Heep oder Pink Floyd – Schmid hatte sie alle vor der Linse.

Was im Leben vieler anderer als Highlight schlechthin gelten würde, ist bei Schmid nur eine Episode unter vielen. Der Künstler hat ab den 70ern die Welt bereist und Geschichten erlebt, die für mehrere Leben reichen würden. Seine eigene Geschichte beginnt dabei eigentlich in Zürich. «Wir waren so etwas wie die frühen Wirtschaftsflüchtlinge», sagt Schmid. Sein Vater war Bäcker, seine Mutter Marktfahrerin. Sie emigrierten vom Toggenburg nach Zürich, aus finanziellen Gründen. Trotzdem verbindet Schmid viel mit dem Toggenburg, nicht nur, weil er Neckertaler Bürger ist. «Ich habe sehr starke Wurzeln im Toggenburg. Einen Grossteil meiner Kindheit habe ich dort verbracht.»

Auch die erste bedeutende Wendung nahm sein Leben am Rande des Thur- und Neckertals. Auf einer Säntisabfahrt wurde ihm bewusst, dass er weg wollte. Nicht um auszuwandern. Aber um die Welt zu entdecken. Eine Schweizer Firma schickte ihn, den gelernten Elektriker, für den Aufbau einer Radar- und Funkstation nach Südafrika. Mit seinem ersten Lohn kaufte er sich eine Kamera. Die Geschichte des Fotokünstlers Schmid begann. Allerdings sieht er die ersten vier Jahre kein einziges seiner Fotos. So lange bleibt er in Afrika und schickt die Filme unentwickelt in die Schweiz zurück. Wichtiger war ihm der Weg zum Bild. «Die Kamera war ein Schlüssel, um die Aufmerksamkeit der Leute zu erlangen», sagt Schmid. Mit einer Kamera sei er nicht mehr der Schweizer, nicht mehr der Elektriker, nicht mehr Hannes Schmid gewesen. «Ich war einfach der Mann mit der Kamera.»

Mit Orang-Utans und Kannibalen gelebt

Nach vier Jahren Afrika reiste Schmid nach Asien. Er lebte mit Orang-Utans in Borneo, bevor er sich der Geschichte des Anthropologen Michael Rockefeller annahm. Dieser war bei der Untersuchung eines Kannibalenstamms in Papua-Neuguinea verschwunden. Schmids Neugier war geweckt. Er schloss sich dem Stamm an, auch wenn dieser wenig für den seltsamen Schweizer übrig hatte. «Ich wurde geschlagen, hatte Pfeile in der Schulter stecken, musste mit den Schweinen leben.» Angst hatte er dennoch nicht. «Der Stamm praktizierte einen rituellen Kannibalismus, mit dem er sich die Eigenschaften des besiegten Gegners einverleiben wollte. Ich war zu feige, als dass ich eine gute Beute abgegeben hätte.» Schmid spricht gelassen über diese Erfahrung. Auch über seine Flucht: «Ich bin dann einfach gegangen.» Nicht in die Schweiz, sondern auf die Malediven.

Über Status Quo in die Welt des Rocks

Dort übernahm er eine Tauchschule und lernte einen Musikmanager kennen. Dieser nahm ihn – zurück in der Schweiz – zu einem Konzert der Gruppe Status Quo mit. Die Band liess sich, beeindruckt von Schmids Lebenslauf, fotografieren. Damit öffnete sich für Schmid die Welt zu den grössten Bands der Zeit. Immer wieder nahm er Topstars mit ins Toggenburg. Die Musiker waren begeistert von der sonst so raren Anonymität. «Im Toggenburg wusste niemand, wer das war. Die Musiker konnten sich frei bewegen.» Einige blieben gleich für eine längere Zeit. Der berühmte Hit «Da da da» der Band Trio wurde gar im Keller von Schmids Elternhaus aufgenommen.

Irgendwann hatte Schmid aber keine Lust mehr auf Rockbands. Und aus dem Koffer zu leben sei auf Dauer auch zu anstrengend. Schmid hörte auf, Bands zu fotografieren, ohne zu wissen, wo die Reise hingehen sollte. Ein Anruf der deutschen «Vogue» führte ihn in die Welt der Modefotografie. Mit aussergewöhnlichen Ideen schaffte er es, auch dort Fuss zu fassen. Über die Modefotografie wurde die Werbeindustrie auf ihn aufmerksam. Schmid sattelte erneut um, dieses Mal im doppelten Sinne. Ab den 90er-Jahren prägte der Fotograf den Cowboy der Zigarettenmarke Marlboro wie kein anderer. Und damit prägte er auch das Bild des Cowboys an sich. Obwohl er schon lange keine Cowboys mehr fotografiert, spielt die Figur in Schmids künstlerischem Schaffen weiterhin eine wichtige Rolle. Seit einiger Zeit bringt er seine Fotografien gemalt auf Leinwände. Sein grösstes Projekt ist zurzeit aber sein Hilfswerk Smiling Gecko, mit dem er der kambodschanischen Bevölkerung unter die Arme greifen will (siehe Box).

Schmid ist weit gereist. Auch heute fliegt er noch oft um die Welt. Trotzdem fühlt er sich im Toggenburg immer sehr wohl. «Ich bin zwar Weltbürger, aber das Toggenburg ist meine Heimat», sagt der Künstler. Er weiss um die Probleme des Tals, um die schwierige Situation des Tourismus, um das Nein zum Klanghaus. Gerade deswegen wünscht er der Region mehr visionäre Ideen. «Früher gab es mehr Pioniere. Die erste Skifabrik stand im Toggenburg, die Iltios-Bahn war eine Meisterleistung.»

In jungen Jahren stand Schmid oft auf dem Selun und fragte sich, was wohl hinter den Bergen, hinter dem Horizont alles zu entdecken wäre. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag und kann von sich behaupten, viel von diesem Unbekannten entdeckt zu haben.

In Hannes Schmids Atelier stapeln sich unzählige Kartons, in denen Fotos weltbekannter Künstler zu finden sind. (Bild: Ralph Ribi)

In Hannes Schmids Atelier stapeln sich unzählige Kartons, in denen Fotos weltbekannter Künstler zu finden sind. (Bild: Ralph Ribi)

Dank Hannes Schmid fanden Weltstars wie Ken Hensley (Uriah Heep) den Weg auf die Toggenburger Skipisten. (Bild: PD)

Dank Hannes Schmid fanden Weltstars wie Ken Hensley (Uriah Heep) den Weg auf die Toggenburger Skipisten. (Bild: PD)

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