Ich schreibe nichts darüber

Ich habe es meinen Kollegen hoch und heilig versprochen. Ich werde nicht über unsere Velowoche schreiben.

Bruno Eisenhut
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Appenzeller Verlag (Bild: Bruno Eisenhut)

Appenzeller Verlag (Bild: Bruno Eisenhut)

Ich habe es meinen Kollegen hoch und heilig versprochen. Ich werde nicht über unsere Velowoche schreiben. Ich werde in keiner «Brosmete» schriftlich erzählen, dass wir anfangs mit Schnee zu kämpfen hatten, schliesslich aber doch noch braune Wädli und Ärmli vorweisen konnten. Die Daheimgebliebenen sollen nicht wissen, dass unsere Augen bei der Zielankunft der Tour of Croatia in Split mehr auf die PR-Damen gerichtet waren, denn auf die Veloprofis. Und schon gar nicht soll bekanntwerden, dass in einem Restaurant irgendwo im Landesinnern der kläffende Hund des Beizers nach Bestellen der Hackfleischsauce plötzlich verstummte… Wen interessiert's schon, dass ich meine täglichen Tourbegleiter mehr von hinten als von vorne gesehen habe? Und schliesslich hat es für die Daheimgebliebenen wenig Relevanz, dass im Ballenberg'schen Dalmatierdorf der Hotelanlage Sänger in einheimischer Tracht den asiatischen Touristen italienische Lieder in die Ohren trällerten. Und diese dabei als eigenes, dalmatisches Kulturgut verkauften. Niemand, aber auch gar niemand wird erfahren wollen, dass wir während einer ganzen Woche Rädli an Rädli durch Kroatien gedonnert sind und am letzten Tag – kurz vor Zielankunft – unsanft mit dem Asphalt intensive Bekanntschaft gemacht haben. Ich werde nicht darüber schreiben, dass ich keinen einzigen Dalmatinerhund gesehen habe, obwohl wir in Dalmatien waren. Aber zum Glück haben die Dalmatinerhunde nichts mit dieser Gegend zu tun, sonst würde ich (Hackfleischsauce lässt grüssen…) anderes vermuten.

Nein, ich schreibe nicht darüber: Das habe ich meinen Velokollegen versprochen und das bin ich ihnen schuldig. Schliesslich haben sie mich als tapfere Windbrecher und emsige Tempomacher in ihrem Windschatten während einer ganzen Woche durch Dalmatien geschränzt. Von Šibenik nach Split, von den Plitvicer Seen nach Šibenik. So, dass ich jeden Abend genüsslich im warmen Pool des Hotels sitzen konnte, um meine strammen Wädli zu lockern.

Eines schreibe ich trotzdem: Ich bin nächstes Jahr wieder dabei – ganz bestimmt.

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