«Ich sage nicht: <Hallo, ich bin eine Christin!>»

Seit elf Jahren ist Sibylle Künzle im Cevi Herisau aktiv. Auch ihre restliche Freizeit wird stark von ihrem Glauben geprägt, was unter Schulkameraden ein Thema werden kann. Eine Begegnung.

Johannes Wey
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herisau. Mit zunehmendem Alter verlieren Jugendliche oftmals das Interesse an der Arbeit in Vereinen oder sehen sich durch das Berufsleben gezwungen, ihre Prioritäten anderswo zu setzen. Sibylle Künzle, oder «Gaia», findet oder nimmt sich diese Zeit nach wie vor.

Lebt von Schülern

Die 18-Jährige ist eine von drei Abteilungsleitern bei der Jungschar des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM oder Cevi) in Herisau, der kirchlich unabhängig ist. «Die Jungschar lebt ein Stück weit von Schülern und Studenten – sie können am ehesten die Zeit und die Energie dafür aufbringen», sagt die Maturandin. Werktätige Alterskollegen würden vom Berufsleben oft so stark beansprucht, dass ein zeitaufwendiger Posten als Leiter in einer Jugendorganisation gerne einmal aufgegeben wird. Auch Künzles Freizeit wird zu einem grossen Teil von der Jungschar geprägt: «Es nimmt mich ganz schön in Anspruch», gesteht sie. Aber die Arbeit mit den Kindern, die, wenn sie der Jungschar beitreten, oft zum erstenmal einen Wald von innen sehen, lohne diesen Aufwand. Künzle selbst ist bereits seit elf Jahren in der Jungschar aktiv.

Von anderen Jugendorganisationen wie beispielsweise der Pfadfinderbewegung unterscheidet sich die Jungschar durch ihre christliche Prägung. «Im Cevi vermitteln wir auch einen christlichen Hintergrund», erklärt Künzle. So drehen sich die Jungschar-Programme, die in der Regel an jedem zweiten Samstag durchgeführt werden, häufig um eine biblische Geschichte. «Das ist mir schon ein Anliegen» – obwohl natürlich nicht jeder in der Jungschar gläubig sein müsse.

Gläubig, nicht religiös

Ein Anliegen ist Künzle der Glauben im allgemeinen, obwohl sie sich nicht als religiös bezeichnen würde. «Mit diesem Begriff wird man eher abgestempelt. Aber ich glaube an Gott und daran, dass es nach dem Tod weitergeht.» Aus dieser Motivation heraus engagiert sie sich auch in der evangelischen Landeskirche, wo auch ihre Eltern als Mesmer angestellt sind. Sie leitet die Band der Jugendgruppe Nexus, deren Sängerin sie ist. Und sie übernimmt am Sonntagmorgen oftmals den Kinderhütedienst. «Ich finde es wichtig, sich in der Kirche zu engagieren – auch für Nicht-Gläubige», sagt Sibylle Künzle. Schliesslich sei man ja mindestens dreimal im Leben auf die Kirche angewiesen: Bei der Taufe, bei der Hochzeit und bei der Beerdigung.

Nicht missionieren

Wenn eine Jugendliche ihren Glauben mit so viel Überzeugung lebt, ist dieser natürlich auch ein Thema in der Schule. Künzle verfasste ihre Maturaarbeit zum Thema Bestattungswesen. «Wenn man den Tod thematisiert, kommt man fast unweigerlich auch auf den Glauben zu sprechen», so Künzle. Mühe bereitet ihr das aber nicht. «Wenn ich jemanden antreffe, sage ich natürlich nicht gleich: <Hallo, ich bin eine Christin!>» Sie wolle auf keinen Fall Menschen zum Glauben zwingen. «Aber verleugnen will ich mich nicht.»

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