«Ich muss mit Menschen zu tun haben»

Im letzten Jahr ist der Entlastungs- und Hospizdienst Speicher-Trogen-Wald gegründet worden. Seit einiger Zeit verfügt er nun mit Karin Bruderer aus Trogen über eine Einsatzleiterin. Die Tätigkeit im Dienste der Mitmenschen gefällt ihr.

Martin Hüsler
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Karin Bruderer – mit Katze Sira – findet viel Befriedigung in ihrer Tätigkeit als Einsatzleiterin des Entlastungs- und Hospizdienstes. (Bild: hü)

Karin Bruderer – mit Katze Sira – findet viel Befriedigung in ihrer Tätigkeit als Einsatzleiterin des Entlastungs- und Hospizdienstes. (Bild: hü)

SPEICHER. Sie spricht von einer sehr bereichernden Tätigkeit und findet grosse Befriedigung darin, im Dienst «einer ganz sinnvollen Sache» wirken zu können: Karin Bruderer, in der Trogner Neuschwende wohnhaft, hat als Einsatzleiterin des Entlastungs- und Hospizdienstes Speicher-Trogen-Wald mit viel Enthusiasmus in ihre Aufgabe hineingefunden. Und aufgrund der bisherigen Nachfrage erweist es sich, dass die neue Institution, die gemäss Vereinszweck «der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen und der Unterstützung ihrer Angehörigen dient», einem Bedürfnis entspricht.

Erfolgreiche Bewerbung

Das Stelleninserat, über das der von der Speicherer Pfarrerin Sigrun Holz präsidierte Entlastungs- und Hospizdienst eine Einsatzleitung suchte, ist Karin Bruderer sofort ins Auge gestochen. «Das Anforderungsprofil hat mich angesprochen, weil es die Möglichkeit eröffnete, eine sehr sinnvolle Tätigkeit im Dienste der Mitmenschen ausüben zu können. So bewarb ich mich und führte Gespräche mit Vorstandsmitgliedern», erzählt sie.

Tätig sein im Dienst der Mitmenschen – dazu kommt sie ab dem 1. Juli erst recht. Dann nämlich tritt Karin Bruderer nebst ihrer nebenamtlichen Tätigkeit als Einsatzleiterin zusätzlich eine Stelle bei der Pro Senectute Ausserrhoden in Herisau an. «Für mich schliesst sich so der Kreis auf perfekte Weise.»

Elf Freiwillige

Im vergangenen Winter war man intensiv mit dem Aufbau der Einsatzleitung für den Entlastungs- und Hospizdienst und mit der Auswahl der Freiwilligen beschäftigt. Zunächst galt es die nötige Anzahl Freiwilliger zu rekrutieren. «Wer sich für einen Einsatz interessierte, erhielt einen Fragebogen, worauf dann unter Teilnahme eines Vorstandsmitglieds in Sechsaugengesprächen die Eignung der Bewerberinnen und Bewerber ergründet wurde. Schliesslich fanden sich elf Freiwillige, zehn Frauen und ein Mann, die ich nun dorthin vermitteln kann, wo Hilfe in Anspruch genommen werden möchte», erklärt Karin Bruderer den Findungsprozess. «Wichtig scheint mir, dass Menschen, die zu Hause ihre kranken Angehörigen pflegen, erkennen und sich eingestehen können, auch einmal eine Auszeit zu benötigen. Sich diesen Freiraum zum Regenerieren und zum Auftanken von Kräften zu nehmen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, kommt schliesslich auch den Patientinnen und Patienten zugute», ist Karin Bruderer überzeugt.

Anfragen um Entlastung

Die bisherigen Anfragen richteten sich vor allem auf das Entlasten von Angehörigen kranker Menschen oder von deren Pflegepersonal, derweil die eigentliche Sterbebegleitung noch kaum in Anspruch genommen wurde. «Die Erkenntnisse aus den Gesprächen mit den Freiwilligen versetzen mich in die Lage, aufgrund der unterschiedlichen Charaktere behutsam abwägen zu können, wen ich wo einsetze», sagt Karin Bruderer. Sie ist sich bewusst, dass die Freiwilligen mitunter schwierige Situationen antreffen können. «Deshalb ist es ausserordentlich wichtig, dass sie in sich gefestigt sind und sich abgrenzen können. Wichtig ist eine Grundeinstellung, in der Mitmenschlichkeit Vorrang haben muss. Lernen kann man das nicht, es muss einem gegeben sein.»

Einen Lohn erhalten die Freiwilligen keinen, wohl aber eine Spesenentschädigung. Bezahlt werden auch der zu absolvierende Grundkurs beim Schweizerischen Roten Kreuz und die geforderten Weiterbildungen. Karin Bruderer pflegt regelmässige Zusammenkünfte mit den Freiwilligen. «Da tauschen wir Erfahrungen aus und sprechen vorhandene Probleme an. Für mich gilt der Grundsatz: Es muss <meinen> Freiwilligen bei ihrer Tätigkeit selber gut gehen, damit sie Gutes an die Mitmenschen weitergeben können.»