«Ich inspiriere mich oft bei Filmen»

UNTERWASSER. Der aus Unterwasser stammende Regisseur Daniel Koller erklärt, weshalb er für die erste Eigenproduktion im Zeltainer in Unterwasser eine inhaltlich und für die Bühne adaptierte Version der «Schweizermacher» gewählt hat. Er findet, dass der Film immer noch topaktuell ist.

Martin Knoepfel
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Die Schauspieler probten am Dienstagabend im Zeltainer unter anderem Szenen aus der Schlusschoreographie der «Schweizermacher». (Bilder: Martin Knoepfel)

Die Schauspieler probten am Dienstagabend im Zeltainer unter anderem Szenen aus der Schlusschoreographie der «Schweizermacher». (Bilder: Martin Knoepfel)

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die «Schweizermacher» als Theaterstück aufzuführen?

Dani Koller: Martin Sailer fragte mich für die erste Eigenproduktion des Zeltainers an. Es sollte eine Komödie sein. Natürlich sagte ich ihm zu und wollte ein Stück eines Schweizer Autors auf die Bühne bringen. Zuerst suchte ich bei Dürrenmatt und erwog den «Besuch der alten Dame».

Wie kamen Sie denn auf die «Schweizermacher»? Oder hat Martin Sailer ausgewählt?

Koller: Die Idee, die «Schweizermacher» zu inszenieren, ist von mir. Martin Sailer war begeistert von der Idee. Wir wollten ein Stück, mit dem sich die Menschen hier im Toggenburg identifizieren können. Die «Schweizermacher» stecken voller Ironie, enthalten aber auch viel Wahrheit. Ich denke, die Toggenburger werden es mögen.

Welche Reaktionen des Publikums erwarten Sie?

Koller: Ich bin sehr gespannt, wie die Menschen hier das Stück aufnehmen, auch im Hinblick auf die Aktualität des Inhalts. Ich hoffe, dass wir die Leute zum Lachen bringen und zum Nachdenken anregen. Als gebürtiger Unterwässler lebe ich jetzt in Zürich. Die Jahre an der Schauspielschule und dem urbanen Umfeld haben bei mir einige Sichtweisen verändert.

Weshalb wählten Sie gerade die Dramatisierung eines Films?

Koller: Ich inspiriere mich oft bei Filmen. Auf der Bühne kennt man die «Schweizermacher» fast nicht. Nach Rolf Lyssys Rückmeldung wurden sie nur einmal in der Innerschweiz als Theaterstück gegeben.

Haben Sie denn einen Bezug zur Ausländerpolitik?

Koller: Ja, ich arbeite im Maxim-Theater in Zürich mit Migranten, die in einem Kurs durch das Theaterspielen Deutsch lernen. Das hat mich für das Thema sensibilisiert. Das Stück könnte zudem nicht aktueller sein. Die Ecopop-Initiative ist eigentlich eine Neuauflage der Schwarzenbach-Initiative, die 1970 knapp abgelehnt worden ist.

War das Interesse der Menschen im Toggenburg gross, an den «Schweizermachern» mitzuwirken?

Koller: Ja, wir sind jetzt zehn Schauspielerinnen und Schauspieler. Zu Beginn gab es etwa 30 Interessenten, für die Platzverhältnisse im Zeltainer also viel zu viele. Ein Teil von ihnen musste wieder absagen, da wir sehr intensiv in den Ferien proben und sie keine Zeit fanden.

Wo liegt die Herausforderung, wenn sie mit Laien ein Stück inszenieren statt mit Profis?

Koller: Die grösste Herausforderung besteht darin, bei jedem Mitwirkenden die Eigenheiten der Person herauszufinden und für die Inszenierung zu nutzen. Es geht darum, ihre Schwächen auf der Bühne in Stärken umzumünzen und die Menschen nicht blosszustellen. Wichtig ist das gegenseitige Vertrauen. Ich kenne diese Herausforderung, da ich schon mehrmals mit Laien Stücke einstudiert habe.

Wo liegen die praktischen Probleme einer Inszenierung mit Laien?

Koller: Alle proben gratis und «opfern» viel Freizeit. Das erfordert viel Energie, die auch für die Proben gebraucht wird. Sie müssen arbeiten oder haben sonst noch Termine, wenn sie gerade Ferien haben. Und man braucht Geduld. Ich kann nicht erwarten, dass sie meine szenischen Anweisungen immer sofort verstehen und umsetzen. Aber sie schlagen sich super, auch angesichts der Sommerhitze im Zelt.

Haben die Mitwirkenden ihre Rollen selber ausgewählt, oder haben Sie die Rollen zugeteilt?

Koller: Ich habe gefragt, in welche Richtung jemand gehen möchte. Die Auswahl, wer welche Rolle spielt, habe dann ich getroffen. Bei der Zuteilung sind auch zwischenmenschliche Aspekte zu berücksichtigen. Ich glaube, sie sind mit den Entscheidungen zufrieden.

Sie haben die «Schweizermacher» modifiziert. Haben Sie dafür den Segen von Rolf Lyssy erhalten?

Koller: Ich hatte in Zürich ein spannendes Gespräch mit Rolf Lyssy. Er war sehr offen und interessiert. Ich habe den Text und die Figuren dann an die heutigen Verhältnisse und an die Bühne im Zeltainer angepasst und ihm das Manuskript geschickt. Bei gewissen Szenen haben wir uns über mögliche Umsetzungen ausgetauscht. Einen Film auf die Bühne zu bringen, verlangt eine ganz neue Struktur, darüber waren wir uns schnell einig. Vielleicht stattet uns Rolf Lyssy sogar einen Besuch ab.

Verursachte die Bühne des Zeltainers Probleme für die Inszenierung?

Koller: Wir benutzen die Bühne in alle Richtungen, inklusive Bar, Künstlergarderobe und Zuschauerraum. Das ermöglicht vielseitige Spielvarianten, ist aber auch eine Herausforderung. Wir haben deshalb ein minimalistisches Bühnenbild geschaffen, um der Phantasie der Zuschauer Raum zu lassen.

Werden Sie weitere Stücke im Zeltainer inszenieren?

Koller: Ich habe mit Martin Sailer darüber noch nicht gesprochen. Warten wir ab, wie die «Schweizermacher» laufen. Ich fände es natürlich sehr schön, wenn es in den nächsten Jahren eine Fortsetzung der Zeltainer-Eigenproduktionen gäbe.

Die Schauspieler probten am Dienstagabend im Zeltainer unter anderem Szenen aus der Schlusschoreographie der «Schweizermacher». (Bilder: Martin Knoepfel)

Die Schauspieler probten am Dienstagabend im Zeltainer unter anderem Szenen aus der Schlusschoreographie der «Schweizermacher». (Bilder: Martin Knoepfel)