Ich heisse wirklich so

Brosmete

Arcangelo Balsamo
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Bei der Begrüssung vor einer Veranstaltung ist vielfach Händeschütteln angesagt. Gleichzeitig nennt man dem Gegenüber seinen Vornamen. «Hoi, i bi dä Peter», heisst es dann oder: «Sali, min Name isch Vreni», um zwei Beispiele zu nennen. Ich entgegne dann jeweils «Ciao, i heisse Arcangelo» und steche dadurch bei jedem Event im Appenzellerland – aber nicht nur – heraus. Häufig bekomme ich als Antwort: «Hoi Angelo, freut mi sehr.» Je nachdem, wie motiviert ich bin, korrigiere ich die «Angelo-Sager», doch manchmal lasse ich es auch einfach sein. Über die Jahre gewöhnt man sich daran.

Viele, die den Namen nicht gleich verstehen, fragen nach: «Arc, wieviel?» – «Arcangelo», wiederhole ich dann etwas langsamer und deutlicher und provoziere so fast immer eine weitere Frage: «Hat das irgendeine Bedeutung?» – «Ja, das heisst übersetzt Erzengel», erkläre ich dann. «Das ist aber ein schöner Name», oder «diesen Namen habe ich ja noch nie gehört», sind die Klassiker, die folgen. Wenn ich dann noch meinen Nachnamen preisgebe, kommt es durchaus vor, dass die Leute regelrecht ins Schwärmen kommen. Man hat mich ausserdem auch schon gefragt, ob es sich um einen Künstlernamen handle. «Nein, ich heisse wirklich so», sage ich dann und kann ein Grinsen meist nicht verkneifen.

Doch nicht nur der Appenzeller hat mit meinem Namen zu kämpfen, beziehungsweise findet ihn speziell. Selbst einige meiner ehemaligen italienischen Kommilitonen fragten mich zu meiner Studienzeit, ob der Name mein Ernst sei. Ja, auch meinen Pass musste ich bereits vorweisen, weil mir Leute nicht geglaubt haben, dass man so heissen kann. Dabei bin ich nicht der Einzige. Auch mein Grossvater heisst so. Das ist in meiner Familie Tradition. Deshalb mag ich meinen Namen auch und würde ihn gegen keinen anderen auf der Welt tauschen wollen, auch wenn bei jeder Vorstellungsrunde dieselben Fragen gestellt werden.

Arcangelo Balsamo