Säckelmeister Eberle blickt auf intensive Anfangsphase zurück

Einiges, das Ruedi Eberle als StwK-Präsident einst kritisierte, erscheint ihm als Mitglied der Regierung in einem anderen Licht. Beispielsweise sieht er nun ein, dass es da und dort Personalaufstockungen braucht.

Roger Fuchs
Drucken
Teilen
Ruedi Eberle aus Gonten erstellt als Säckelmeister für 2019 zum ersten Mal das Kantonsbudget. (Bild: Roger Fuchs)

Ruedi Eberle aus Gonten erstellt als Säckelmeister für 2019 zum ersten Mal das Kantonsbudget. (Bild: Roger Fuchs)

In den Jahren als Grossrat wurde Ruedi Eberle manchmal nachgesagt, ein Polteri zu sein. Seit seiner Wahl zum Innerrhoder Säckelmeister Ende April wirkt er in seinem Ausdruck zahmer. Und er streitet diese Feststellung auch nicht ab. Als jüngstes Mitglied der Standeskommission wolle er sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ausserdem habe er sich zu integrieren und an das Kollegialitätsprinzip zu halten. Die erwähnte Integration ins Regierungsratsgremium verlief seinen Ausführungen zu Folge problemlos – auch als erster Innerrhoder SVP-Regierungsmann. «Wir politisieren nicht parteipolitisch», gibt er die Innerrhoder Grundhaltung zu bedenken.

Drei Anläufe hat Ruedi Eberle genommen, um in die Innerrhoder Standeskommission gewählt zu werden. Einen Effort, wie man ihn nur für einen Traumjob leistet. Ob das Amt als Säckelmeister ein solcher ist? Eberle relativiert, dass er bei der jüngsten Kandidatur länger überlegt habe als früher. «Ich war gerne Hauptmann von Gonten, aber das neue Amt übe ich genauso gerne aus», sagt der 51-Jährige. Die Arbeit in einer Exekutive sei einfach anders als im Parlament. Da sei man am Drücker und könne Entscheide fällen. Von daher: «Ich habe bekommen, was ich wollte.»

Eineinhalb Stunden dauerte die Amtsübergabe. Vom Angebot, seinen Vorgänger Thomas Rechsteiner anrufen zu können, hat Ruedi Eberle bislang dreimal Gebrauch gemacht. Die aktiven Amtsleiter würden ihn zünftig fordern – so stark, dass der Regierungsrat in der Anfangsphase nahezu 80 Prozent für das Halbamt aufgewendet hatte.

Kritik als Teil des politischen Prozesses

Eine weitere Probe wartet spätestens mit dem Budgetprozess 2019 auf Ruedi Eberle. Die erste Lesung in der Standeskommission sei durch. Doch budgetiert der neue Mann nun anders als sein Vorgänger, schliesslich hat Eberle als ehemaliger Präsident der Staatswirtschaftlichen Kommission (StwK) jeweils Kritik an dem im Vergleich zur Rechnung pessimistischen Voranschlag geübt. «Nein, es wird beim Budget keine gröberen Abweichungen geben», so der neue Säckelmeister. Die Kritik der StwK gehöre ein Stück weit zum politischen Prozess. Kritisch hinterfragt hatte die StwK auch Personalaufstockungen. «Jetzt sehe ich selbst, dass man in einigen Bereichen nicht um eine Aufstockung herumkommt.» Konkret nennt Ruedi Eberle in seinem Departement das Schatzungsamt und das Personalamt, welche mehr Ressourcen brauchen würden.

Als absehbare finanzielle Herausforderung nennt der Säckelmeister den Nationalen Finanzausgleich, aus dessen Topf Appenzell Innerrhoden weniger bekommen wird. Und auch die Investitionen in die Hochbauprojekte haben es in sich. Mit dem Spital und Hallenbad sind 61 Millionen Franken an Investitionen bereits beschlossene Sache. Nächste Priorität haben neue Einrichtungen für Polizei und Gerichte. «Eine Steuererhöhung bleibt auch für mich das letzte Mittel», sagt Ruedi Eberle. Die heutige Stellung im Vergleich zu den umliegenden Kantonen gelte es zu wahren. Einer der Unterschiede zwischen dem Hauptmannamt und jenem des Säckelmeisters ist gemäss Eberle die Tatsache, dass man als Hauptmann Ansprechpartner für alle Probleme im Bezirk ist. Als Säckelmeister sei es eher möglich, auf das eigene Thema zu fokussieren. Keinesfalls habe er die Standeskommission bisher als Ja-Sager-Gremium empfunden, das nur der Meinung des Landammanns folge. «Wenn es einen Entscheid des Gesamtgremiums braucht, schont niemand den anderen», sagt Eberle. Gegen aussen hin würde man dann aber die beschlossene Linie vertreten.