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«Ich habe viele Nächte geweint»: Der «Bären» in Speicherschwendi schliesst und wird abgerissen

Das Gasthaus Bären in Speicherschwendi schliesst seine Türen. Eine Rettung durch den Freizeitverein scheiterte.
Astrid Zysset
Das Gasthaus Bären hat noch bis Mitte Juni 2020 geöffnet. Bild: Astrid Zysset

Das Gasthaus Bären hat noch bis Mitte Juni 2020 geöffnet. Bild: Astrid Zysset

Leicht ist ihr der Entscheid nicht gefallen. «Ich habe viele Nächte geweint. Aber wir sehen uns zu diesem Schritt einfach gezwungen», sagt Bettina Zöllig. Zusammen mit ihrem Mann Peter betreibt sie seit 35 Jahren das Gasthaus Bären in Speicherschwendi – 19 Jahre als Pächter, anschliessend übernahmen die beiden das Gebäude. Doch nun ist das Ende in Sicht. Der Betrieb schliesst auf Mitte Juni 2020 seine Tore. «Der Kaufvertrag ist unterzeichnet», so Bettina Zöllig weiter. Ein Zurück gibt es nicht. Das Gebäude wurde an die Generalunternehmung Zuhause AG aus Bronschhofen verkauft. Diese plant die Erstellung einer Wohnüberbauung mit 16 Einheiten. Bereits im Sommer 2020 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Doch warum geben die Zölligs den «Bären» überhaupt auf? Altershalber, heisst es. Der Betrieb eines Gasthauses ist kräftezehrend, körperliche Beschwerden bei den Besitzern nehmen zu. «Wir sind langsam müde geworden», so Bettina Zöllig. «Es ist schade, da wir uns wirklich sehr wohl fühlen im Dorf und den Kontakt zu unseren Gästen schätzen. Aber irgendwann geht es einfach nicht mehr.» Darüber hinaus habe sich das Konsumverhalten verändert und die Zeiten seien generell schwieriger geworden.

Viele Reparaturen stehen an

Zudem stehen grössere Investitionen in das um 1850 erbaute Gebäude an. Fenster und Kühlanlagen müssten erneuert, das Dach repariert und eine neue Lüftung in der Küche eingesetzt werden. Von einem Investitionsstau will Bettina Zöllig aber nicht sprechen. Man habe in den vergangenen Jahren stets Arbeiten am Haus vornehmen lassen. Doch derzeit stehen ausserordentlich viele Reparaturen an. Darum habe man sich auch dagegen entschieden, den Betrieb weiter zu verpachten. «Diese Investitionen können und wollen wir nicht mehr durchführen.» Das Ehepaar Zöllig zieht sich kommenden Sommer aus dem Gastgewerbe zurück und will seinen Ruhestand geniessen – in einer der 16 Wohnungen, die anstelle des «Bären» entstehen werden.

Die Restaurants verschwinden

Für die Rettung des Gasthauses hatte sich in den vergangenen Monaten der Einwohner- und Freizeitverein Speicherschwendi eingesetzt. Dessen Plan: die Gründung einer Genossenschaft. Diese sollte fortan die Räumlichkeiten mitsamt dem Saal vermieten, um zumindest die Möglichkeit eines Treffpunkts für private Anlässe aufrechterhalten zu können. Einen solchen kommt Speicherschwendi langsam abhanden. Das Restaurant Sonne hat nur sporadisch geöffnet, und die «Achmühle» ist zum Verkauf ausgeschrieben. Weitere Restaurants in und um Speicherschwendi gibt es nicht.

An einer ausserordentlichen Generalversammlung des Vereins hätte über die Gründung der Genossenschaft befunden werden sollen. Wie viel Geld diese anschliessend hätte auftreiben müssen, ist unklar. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. Doch der Vereinsvorstand hätte es sich zugetraut, die geforderte Summe auftreiben zu können, wie er auf Anfrage hin bekannt gibt. Zusammen mit den Ablösesummen und Entschädigungen wäre es dann aber doch zu viel geworden. Erste Vorgespräche innerhalb des Vereinsvorstandes hatten stattgefunden. Und auch mit der Gemeinde als mögliche Kapitalgeberin wurde verhandelt. Ein Grobkonzept zur Rettung des «Bären» lag vor. Trotzdem hat der Einwohner- und Freizeitverein die Idee zum Erhalt des Gasthauses vor ein paar Tagen nun verworfen. Die Herausforderung schien doch zu gross – und ohne Aussicht auf Erfolg. Den Kaufvertrag haben die Zölligs schliesslich bereits unterschrieben. Das Paar freut sich auf das neue Zuhause in der Wohnüberbauung Bären.

Die Gemeinde wollte zu den Verhandlungen mit dem Verein wie auch zum Ende des «Bären» aktuell keine Stellung beziehen.

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