«Ich habe mich gefragt, was die Mauer möchte»

Der St. Galler Künstler Jan Kaeser wird im Herbst und Winter 2015/16 die Mauer des Klosters Wattwil mit einer Installation mit weissen Fahnen bespielen. Seit dem Frühling schmückt ein rotes Haus von Jan Kaeser das Feuerwehr-Ausbildungszentrum in Feldkirch.

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Der St. Galler Künstler Jan Kaeser wird im Herbst und Winter 2015/16 die Mauer des Klosters Wattwil mit einer Installation mit weissen Fahnen bespielen. Seit dem Frühling schmückt ein rotes Haus von Jan Kaeser das Feuerwehr-Ausbildungszentrum in Feldkirch. Seit 2014 steht ein Werk Jan Kaesers beim neuen Gemeinschaftsurnengrab auf dem Rorschacher Zentralfriedhof. 2007 verfremdete er für die Ausstellung der Kunsthalle Toggenburg auf der Wattwiler Iburg eine Schweizer Fahne. Seit 1992 ist er als freiberuflicher Künstler in St. Gallen tätig.

Was möchten Sie mit Ihren Kunstwerken aussagen und bewirken?

Ich weiss es manchmal selber nicht (lacht). Meine Kunst ist etwas anderes als meine Projekte vor Ort. Meine Kunst ist freier und unabhängiger als Projekte, die sich mit einem Ort auseinandersetzen. Was Kunst können soll, ist eine interessante Frage. Eine mögliche Antwort lautet: Kunst soll die Wahrnehmung schärfen und Fragen aufwerfen, die sonst nicht gestellt worden wären.

Weshalb haben Sie für die Installation an der weissen Mauer des Klosters Wattwil gerade weisse Fahnen gewählt?

Ich habe versucht, mich in die Mauer hineinzudenken, und mich gefragt, was die Mauer möchte. Rasch kommt dann die Frage auf, was eine Mauer ist. Einerseits verspricht sie Schutz und Abgrenzung, andererseits bedeutet eine Mauer für mich auch immer Durchlässigkeit. Die Mauer des Klosters Wattwil zu bespielen, ist eine heikle Aufgabe: Das Kloster ist ein Bau mit einer Geschichte, mit der man behutsam umgehen muss. Zugleich steht es an einem Ort, den man von weitem einsehen kann. Diese Lage bildet eine Herausforderung.

Welche Beziehung haben Sie zum Toggenburg?

Ich kenne viele Menschen im Toggenburg. Das neue Projekt ist das dritte für die Kunsthalle Toggenburg. Ich wohne im Kanton St. Gallen. Das Toggenburg ist Teil meiner Heimat. Ich gehe oft im Toggenburg wandern.

Was sind Ihre nächsten Projekte, abgesehen von dem in Wattwil?

Ich arbeite zurzeit an drei Wettbewerbsprojekten für Kunst am Bau. Darüber bin ich sehr glücklich, ich darf aber noch nichts zu diesen Projekten sagen. Projekte für Kunst am Bau werden meist über Wettbewerbe vergeben, zu denen ich ab und zu eingeladen werde. Daneben entwickle ich eigene freie Projekte für Ausstellungen in Museen oder Galerien. Das dauert bei mir immer ziemlich lang. Im Moment läuft eine Ausstellung im Kunstraum Nextex in St. Gallen, in der ich eine Videoarbeit einer Performance zeige. Meine bisher letzte grosse Videoarbeit entstand vor 15 Jahren.

Weshalb die lange Pause?

Ich wurde für diese Ausstellung angefragt. Sonst dokumentiere ich Aktionen meistens nicht. Ich finde, der Film ist ein neues Medium, welches das, was passiert, verfälscht. Hier war es faszinierend, wie man eine Aktion, bei der der Moment im Vordergrund steht, in ein neues Medium transformieren kann, so dass daraus ein neues Werk entsteht. (mkn)