Ich gehöre zu einer privilegierten Gruppe

Es war vor etwa einer Woche, am Abend. Das Telefon klingelt. Ich nehme ab. Eine Mann mit tiefer Stimme fragt: «Bin ich hier richtig bei der Frau Thür?» Schon ziemlich genervt über diese saudumme Frage entgegne ich: «Wohl kaum, oder klinge ich derart weiblich?»

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Es war vor etwa einer Woche, am Abend. Das Telefon klingelt. Ich nehme ab. Eine Mann mit tiefer Stimme fragt: «Bin ich hier richtig bei der Frau Thür?» Schon ziemlich genervt über diese saudumme Frage entgegne ich: «Wohl kaum, oder klinge ich derart weiblich?»

Der Mann lässt sich davon nicht beeindrucken. «Ich rufe Sie an, weil ich für Sie ein unschlagbares Krankenkassen-Angebot habe.» Ich unterbreche ihn mit dem Einwand, dass wir bereits eine Krankenkasse hätten. Das interessiert ihn aber überhaupt nicht.

«Hören Sie, ich rufe von keiner Krankenkasse aus an, sondern von der Firma XY, die sie als privilegierte Person ausgesucht hat, diese Dienstleitung in Anspruch nehmen zu dürfen», tönt es aus dem Hörer. Im Hintergrund höre ich noch weitere gestresste Berater, die auf ihre störrischen und nicht einsichtigen, dummen, privilegierten Kunden einreden.

Was für ein Quatsch, denke ich, und nun kommt der Journalist zum Vorschein. «Jetzt hören Sie mir mal gut zu», sage ich genervt. «Erst wollten Sie das Angebot nur meiner Frau machen, jetzt gehöre ich auch schon zum Kreise dieser Erlauchten. Wissen Sie was? Ich rufe Sie morgen von der Redaktion aus an. Dann führe ich mit Ihnen ein Interview und wir lassen die ganze Welt teilhaben an diesem ach so seriösen und von keiner Krankenkasse initiierten Idee.»

Die Antwort kam prompt und war ehrlich gesagt, auch nicht anders zu erwarten: «Tuut, tuut, tuut.»

Daniel Thür

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