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Renzo Andreanis Zeit als Gemeindepräsident von Herisau endet: «Ich gehe erhobenen Hauptes»

Am 31. Mai endet für Renzo Andreani seine Amtszeit als Gemeindepräsident von Herisau. Noch immer sucht er nach den Gründen für seine Abwahl. Trotzdem blickt der 61-Jährige positiv in die Zukunft.
Alessia Pagani
Renzo Andreani vor einem Modell von Herisau. (Bild: Alessia Pagani)

Renzo Andreani vor einem Modell von Herisau. (Bild: Alessia Pagani)

Renzo Andreani wirkt gefasst. «Ich habe schwierige Wochen hinter mir, aber nun schaue ich wieder positiv in die Zukunft. Das ist wichtig», sagt der 61-Jährige während er in seinem Büro im ersten Stock des Herisauer Gemeindehauses sitzt. Jenes Büro, das er Ende Monat räumen muss. Andreani musste sich bei der Gemeindepräsidentenwahl am 18. März überraschend seinem Herausforderer Kurt Geser geschlagen geben. Damit endet am 31.  Mai seine Amtszeit. Die Enttäuschung über die verlorene Wahl hat er überwunden. Trotzdem sagt Andreani:

«Es ist auch heute noch schwierig, die Gründe für meine Abwahl zu eruieren. Zumal nie Kritik an mich herangetragen wurde.»

Überraschend war die Abwahl nicht nur für den Betroffenen selber. Der Familienvater war im Wahlkampf von allen Parteien unterstützt worden. Zudem haben über 100 E-Mail-Schreiber und 96 Briefabsender nach der Abwahl ihr Bedauern an Andreani herangetragen.

«Ich war sehr überrascht über die Anteilnahme. Diese Wertschätzung hat gut getan.»

Letztere bekam Andreani auch am Mittwoch vergangener Woche, als er zum letzten Mal als Gemeindepräsident einer Einwohnerratssitzung beiwohnte. Die Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte gaben Standing Ovations, Einwohnerratspräsident Thomas Forster dankte Andreani für die gemeinsame Zeit. Auch wenn man mal anderer Meinung gewesen sei, sei der gegenseitige Respekt immer vorhanden gewesen. «Dies nicht zuletzt wegen deiner kommunikativen Art und deiner Offenheit», so Forster. «Du hinterlässt einen aufgeräumten Schreibtisch.»

«Manchmal scheint alles andere positiver»

Während rund fünf Jahren amtete Renzo Andreani als Gemeindepräsident in Herisau. Kurz nach seinem Amtsantritt im Februar 2014 hatte der Familienvater im Rahmen der Zukunftswerkstatt das Konzept der Zentrumsentwicklung vorangetrieben. 2016 wurde dieses vom Gemeinderat verabschiedet. Dass die Umsetzung länger dauern würde als gedacht, liege in der Natur der Sache, so Andreani. Rückschläge gäbe es immer, dies sei kein Problem. Andreani:

«Wichtig ist aber immer, Visionen zu haben, Lösungen zu finden und diese als Gesamtgemeinderat zu tragen. Am schlimmsten ist für mich, wenn jemand sagt: ‹Das geht nicht›. Denn gemeinsam findet man immer eine Lösung.»

Der gebürtige Basler ist ein ruhiger Gesprächspartner, ein besonnener Mensch, eine unaufgeregte Person. Dies mag vielleicht auch der Grund sein, dass seitens einiger Bürger immer wieder die Kritik aufkam, dass Andreani nichts erreicht habe, dass er die Gemeinde nicht vorwärtsgebracht habe. Allerdings hat Andreani der Reformstau in der Gemeinde gelöst: Er setzte sich dafür ein, dass der Bahnhof Herisau entgegen der ersten Ankündigung des Bundes die A-Priorität erhielt – eine Grundlage zur Überbauung und Umgestaltung des Bahnhofareals – Andreani kämpfte dafür, dass die Migros im Dorfzentrum bleibt, unter seiner Ägide wurde ein Bebauungskonzept für das Sandbüel erstellt, und das Gebiet Nordhalde der Gewerbezone zugeführt, um die Neuansiedlung von heimischem Gewerbe zu ermöglichen. Projekte, um die sie andere Gemeinden beneiden würden, einige Bürgerinnen und Bürger allerdings nicht wertschätzten, sagt Andreani.

«Manchmal scheint es, als sei alles andere positiver als das eigene.»

Andreani bedauert diese negative Haltung, kann dies allerdings richtig einordnen: «Zum Glück ist und war das nie die Grundstimmung in Herisau.»

Lange Zeit ist dem Gemeindepräsidenten Wohlwollen entgegengebracht worden. Dann, irgendwann ist die Stimmung gekippt. «Vielleicht waren das neue Parkierungskonzept und die Thematik ‹30 Minuten Gratisparkieren› schuld daran», mutmasst Renzo Andreani. Dabei würden viele Bürgerinnen und Bürger nicht erkennen, dass dies nicht seine Geschäfte gewesen seien, sondern jene der zuständigen Gemeinderätinnen und des ganzen Gemeinderates.

«Als Gemeindepräsident trägt man in den Augen der Bevölkerung halt immer die Verantwortung.»

«Wir müssen als Galionsfiguren immer zuerst den Kopf hinhalten.» Wer nun meint, Andreani sage dies im Frust, irrt: «Dies ist ganz normal und hat nicht zuletzt mit Unwissen zu tun.»

Aus dem Positiven Kraft schöpfen

Renzo Andreani ist ein positiv denkender Mensch, der zuversichtlich in die Zukunft schaut – und zufrieden in die Vergangenheit blickt: Sandbüel, Migros, Bahnhof, Nordhalde – vieles sei gut gelaufen in seiner Amtszeit, so Andreani.

«Wenn ich gehe, ist einiges im Lot.»

Für die Herisauerinnen und Herisauer hat der scheidende Gemeindepräsident noch einen Wunsch: «Sieht das Glas nicht als halb leer an, sondern als halb voll. Wenn man sich nur auf das halb leere Glas fokussiert, verliert man die Freude am halb vollen.» So wünscht er sich, dass die Bürger aus dem halb vollen – dem Positiven – Kraft schöpfen und Ideen, aber auch Probleme mit Geduld, Ruhe und Gelassenheit angehen.

Seit 28 Jahren lebt Renzo Andreani nun in Herisau, fühlt sich hier wohl. In der Gemeinde wird er nicht zuletzt auch wegen seiner Tätigkeit als Kantonsrat verbleiben. Was er ab Juni machen wird, weiss Andreani noch nicht. Die Abwahl sei schliesslich erst zweieinhalb Monate her. Eines aber ist für ihn sicher: «Ich gehe erhobenen Hauptes.»

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