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«Ich fühle mich hier zu Hause»

LICHTENSTEIG. Zora Debrunner, wohnhaft in Lichtensteig, gehört zu den bekanntesten Bloggerinnen der Schweiz. In Kürze wird einer ihrer Blogs auch in Buchform erscheinen. In diesem setzt sie sich mit der Demenzerkrankung ihrer Grossmutter auseinander.
Nadine Rydzyk
Die Autorin Zora Debrunner ist ihren Wurzeln nach Lichtensteig gefolgt und fühlt sich hier zu Hause. (Bild: Thomas Geissler)

Die Autorin Zora Debrunner ist ihren Wurzeln nach Lichtensteig gefolgt und fühlt sich hier zu Hause. (Bild: Thomas Geissler)

Die Gemeinde Lichtensteig ist um einen kreativen Geist reicher: Seit zwei Monaten wohnt und schreibt die Bloggerin und Buchautorin Zora Debrunner in Lichtensteig. Sie gehört mit mehreren Tausend Leserinnen und Lesern in der Internetgemeinde zu den bekanntesten und beliebtesten Bloggerinnen des Landes, wurde im vergangenen Jahr für den Grimme Online Award in der Sparte «Kultur und Bildung» nominiert, ist als Korrespondentin auf thurgaukultur.ch aktiv und mit alle zwei Wochen erscheinenden Beiträgen rund um das Thema Angehörigenpflege auf dem Pflegeblog der Helsana vertreten.

Trotz anfänglicher Bedenken, ihrer bisherigen Heimat, dem Thurgau, den Rücken zu kehren, fühlt sie sich wohl im Toggenburg. «Ich habe das Gefühl, hier voll zu Hause zu sein», kann sie berichten. «Ich habe schon früher viel Zeit hier verbracht», erklärt sie weiter, kommt ihre Familie doch ursprünglich auch aus Lichtensteig. Nun bewohnt sie das Haus ihrer Grosseltern und ist damit örtlich zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Dass sie ein heimatverbundener und auch familienbezogener Mensch ist, kommt auch in ihren Texten zum Ausdruck. So wird auch ihr neues Buch «Demenz für Anfänger» «eine Toggenburger Geschichte werden», wie sie erklärt. Nach ihrem Roman «Lavinia Morgan» ist dies ihre zweite Buchveröffentlichung, die ab 10. Juli im Handel sein wird.

Charakter wird deutlicher

In «Demenz für Anfänger» fasst Zora Debrunner die überarbeiteten Beiträge ihres seit 2012 erscheinenden Internetblogs über die Erkrankung ihrer Grossmutter in Buchform zusammen. Dabei ist es ihr ein Anliegen, zu zeigen, «dass nicht alles nur schlimm ist, wenn man an Demenz erkrankt». Dies bezieht sich sowohl auf den Betroffenen als auch auf die Angehörigen. «Bei einer an Demenz erkrankten Person handelt es sich nicht einfach um jemanden, der wirr ist. Ich habe immer das Gefühl, dass ganz viel Grundsätzliches des Lebens durch die Demenz hervorkommt. Trotz des Verlustes an Selbständigkeit wird die Essenz eines menschlichen Charakters nur umso deutlicher», kann sie aus den Erfahrungen mit ihrer Grossmutter berichten. Und auch wenn es für die Angehörigen schwierig ist, mit dieser Veränderung umzugehen, berichtet Zora Debrunner auch von vielen schönen und auch lebensbejahenden Momenten im Zusammensein.

Genau diese Erfahrungen sind es dann auch, die ihren Blog für andere so wichtig und interessant machen. «Ich bekomme viele persönliche Rückmeldungen und Vertrauensbeweise von Menschen, die eine Situation ähnlich empfunden haben und dies nicht so ausdrücken konnten», erzählt die Autorin. So profitieren beide Seiten vom Austausch, der durch den Blog entsteht. Neben den zusätzlichen technischen Möglichkeiten, wie das Plazieren von zum Text passenden Bildern, war dies auch einer der Gründe, wieso Zora Debrunner sich dem Format des Internetblogs zuwandte.

Bereits 2006 hatte sie mit der Veröffentlichung von Beiträgen im Internet begonnen. Während sich ihr nach wie vor bestehender erster Blog «tvreal.ch» um Fernsehsendungen dreht und ihr ein «schreiberisches Abreagieren» zum Gesehenen ermöglichte, schrieb und schreibt sie auch zu zahlreichen anderen Themen. «Ich hatte auch einen Blog über Feminismus, in dem ich <Wut-Texte> veröffentlichte, die ich heute nicht mehr so schreiben würde», blickt sie zurück.

Ein neuer Lebensabschnitt

Ihr Pseudonym Zora Debrunner ist für sie mehr als ein Deckname im Internet, hinter dem man sich verstecken kann. So wollte sie zunächst das Schreiben von ihrem Beruf trennen, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdient. Denn als gelernte Fachfrau Betreuung arbeitet sie nach wie vor mit Freude in der Behindertenbetreuung. Nach dem Tod ihrer Mutter markierte der neue Name, der mittlerweile auch mehrheitliche Verwendung in ihrem Privatleben findet, einen neuen Lebensabschnitt. «Das Kind von früher gibt es so nicht mehr», fasst sie zusammen.

Kreative Energien

Das Schreiben selbst ist für sie eine innere Leidenschaft. Das Finden von Ideen und die Fähigkeit des Formulierens scheinen ihr in die Wiege gelegt. «Vielleicht kommt diese kreative Seite auch von meinen Lichtensteiger Zweig der Familie, der in der Webereibranche tätig war», erzählt sie. So näht sie nicht nur gerne und schneidert einen Teil ihrer Garderobe selbst, sondern drückt sich eben auch textlich aus. «Ich überlege nicht lange, ich schreibe einfach», erzählt sie. Da dies neben dem Beruf auch viel Energie in Anspruch nimmt, liebt sie es sonst auch durchaus gemütlich. «Eigentlich bin ich ein Langschläfer, wenn ich nicht arbeiten muss. Ein perfekter Tag würde bei mir mit ausschlafen, einem Kaffee im Bett mit etwas zum Lesen beginnen und dann vielleicht nach einem Ausflug über Land gemütlich enden. So kann ich wieder Kraft tanken. Ich könnte aber durchaus auch 24 Stunden lang Dokumentarfilme schauen.» Einen Teil der so geschöpften Energie steckt sie derzeit auch in ein weiteres Herzensprojekt. So darf sie zum Anlass «Grenzdenken 2015» vom 24. und 25. April ein Referat zum Thema «Wie man sich dem Vergessen stellt» halten.

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