Interview

«Ich bin leidenschaftlicher Berggänger»: Hackbrett-Star Nicolas Senn über seine Liebe zum Alpstein

Durch sein präzises Spiel auf dem 125-saitigen Hackbrett erlangte Nicolas Senn Berühmtheit. Doch der in Gais wohnhafte Musiker ist bescheiden geblieben. Er geht gerne in den Alpstein wandern und mag am liebsten Sauerrahmglace.

Christian Ruh
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Nicolas Senn in seiner roten Tracht. (Bild: Mareycke Frehner)

Nicolas Senn in seiner roten Tracht. (Bild: Mareycke Frehner)

Was hat Sie in letzter Zeit besonders beschäftigt?

Nicolas Senn: Die Vorbereitungen für das Konzert und die CD-Taufe «Hackbrett Meets Boogie-Woogie» mit meinem Musikerkollegen Elias Bernet. Der Anlass fand am 29. Mai in Teufen statt. Nach vielen Auftritten veröffentlichten wir endlich ein gemeinsames Album. Viele Fans haben uns zur CD-Produktion ermuntert.

Warum wohnen Sie in Gais?

Ich fühle mich in Gais am Fuss des Gäbris sehr wohl. Ausserdem geniesse ich die Abgeschiedenheit und die Nachbarschaft zu Kühen, Schafen und Ziegen.

Wenn Sie Gais verlassen müssten, wohin würden Sie ziehen?

Einmal einige Monate mitten in einer Stadt wie Berlin zu leben, wäre bestimmt spannend.

Haben Sie einen Lieblingsort im Thurgau?

Ich geniesse die geselligen Momente im Kreis meiner Familie. Deshalb bin ich immer mal wieder in Romanshorn.

Meine Eltern und meine drei Brüder leben dort. Was lieben Sie am Frühling?

Das Aufwachen der Natur, die ersten Blumen in der Wiese, die Vögel, die wieder zwitschern, und vor allem auch die länger werdenden Tage.

Wie halten Sie sich gesund?

Ich bin ein leidenschaftlicher Berggänger und bin im Sommer viel im Alpstein unterwegs. Zudem ist mir genügend Schlaf wichtig. Allerdings gelingt mir die Umsetzung dieses Ziels nicht immer so gut.

Haben Sie ein Morgenritual?

Oft checke ich auf meinem Smartphone verschiedene Newsportale und die eingegangenen E-Mails und Nachrichten, bevor ich überhaupt das Bett verlasse.

Können Sie kochen?

Ich bin kein Meisterkoch. Wenn ich aber koche, bin ich Feuer und Flamme.

Was ist Ihr aufwendigstes Gericht, das Sie zubereiten können?

Ein niedergegartes Stück Angus-Beef erfreut jeweils meine Gäste. Mein Nachbar ist Bauer und hält eine Herde Angus-Mutterkühe. Da ich ihm immer wieder mal helfe, gibt es dafür ab und an ein feines Stück Fleisch.

Welches ist Ihre liebste Glace-Sorte?

Nach einem heiteren Tag und der Olma ist eine Kugel Sauerrahmglace ein einmaliger Genuss. Sowieso bin ich ein riesen Glace-Fan und starte oft schon mit einem Eis zum Zmorge.

Bratwurst mit oder ohne Senf?

Natürlich ohne. Ich will ja nicht aus der Ostschweiz verbannt werden. Dafür esse ich zwischendurch gerne mal eine Bratwurst mit Zwiebelsauce.

Was haben Sie als Kind am liebsten gegessen?

Meine Vorlieben haben sich nicht verändert. Bei einem feinen Stück Fleisch, einem Wildteller mit hausgemachten Chässpätzli und Rotkraut werde ich schwach.

Was haben Sie zuletzt in Konstanz eingekauft?

Ein mehrstöckiges Cornet vom Glacestand im Lago.

Was für Musik hören Sie im Auto?

Oftmals die neusten CDs verschiedener Lieblingsformationen und befreundeter Musikkollegen. Manchmal höre ich aber auch Westschweizer Radio, um zwischendurch meine Französischkenntnisse aufzubessern.

Die beste App auf Ihrem Handy?

Cleartune. Damit stimme ich vor jedem Auftritt die 125 Saiten meines Hackbretts.

Was ist Ihr gefühltes Alter?

Das kommt ganz auf den Augenblick an. Manchmal kann ich mich wie ein Kind freuen und manchmal wie ein älterer Herr am Stammtisch sitzen. Ich fühle mich aber in meinem tatsächlichen Lebensabschnitt sehr wohl.

Haben Sie ein Lieblingstier und was bewundern Sie daran?

In der Primarschule durfte ich einmal einen Vortrag über den Luchs machen. Dieses geheimnisvolle und wunderschöne Tier fasziniert mich bis heute.

Was nehmen Sie immer mit, wenn Sie aus dem Haus gehen?

Ich bemühe mich, dass ich möglichst immer meine Spiegelreflexkamera in der Nähe habe. Oft zeigen sich die tollen Sujets genau dann, wenn die Kamera zu Hause liegt.

Worauf freuen Sie sich an einem freien Wochenende?

Auf gesellige Abende mit meinen Kollegen, eine gemütliche Jassrunde, ein tolles Konzert oder ein feines Nachtessen. Als Musiker sind die Wochenenden für mich jedoch die wichtigsten Tage für meine Auftritte.

Worüber kann man mit Ihnen nicht reden?

Über das Fernsehprogramm. Wenn ich nicht gerade eine Potzmusig-Sendung moderiere, geniesse ich den Alltag fernab der Mattscheibe.

Lügen Sie manchmal?

Ich werde schon rot, wenn ich die Wahrheit sage. Deshalb bin ich ein so schlechter Lügner, dass ich es damit gleich bleiben lasse.

Wonach schmeckt Glück?

Nach frisch geschnittenem Heu, das über Nacht auf der Weide liegt. Aber auch nach meinem Lieblingsessen, nach meinem Zuhause und nach frischem Holz.

Was liegt auf Ihrem Nachtisch?

Ein Ricola-Dösli.

Mit welchem Menschen würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?

Ein Tag mit dem Gehör und den Fähigkeiten eines super Musikers wäre bestimmt spannend, möglicherweise aber auch anstrengend.

Ihr erster Traumberuf war?

Fussballstadion-Architekt.

Warum ist daraus nichts geworden?

Da ich bereits zu Kantonsschulzeiten schon sehr intensiv Musik machte, habe ich mich gegen ein Architektur- und für ein etwas flexibler gestaltbares Wirtschaftsstudium entschieden.

Haben Sie ein Vorbild?

Meine Eltern, meine Mitmusiker und meine Musiklehrer sind alles Vorbilder für mich. Sie alle haben ihre Stärken und Talente.

Mit wem würden Sie gerne einmal eine Flasche Wein trinken?

Mit Bernhard Russi. Ich durfte ihn bei einem Interview kennen lernen und würde das spannende Gespräch gerne fortsetzen.

In welchem Job wären Sie eine Fehlbesetzung?

Als Töfflimech. Ich gehe mit meinen Kollegen zwar jedes Jahr voller Leidenschaft auf Töfflitour. Bei Reparaturen und Pannen bin ich alleine aber völlig aufgeschmissen.

Was möchten Sie unter allen Umständen in diesem Leben noch machen?

Das Leben weiterhin so geniessen, wie bis jetzt. Und meine Gesangs- und Tanzkünste etwas verbessern.

Wann haben Sie zuletzt ein Open-Air-Konzert besucht?

Zählt der Berggottesdienst mit meinen Hackbrettklängen auf der Meglisalp auch dazu?

Was finden Sie an sich gut?

Dass ich mich für vieles begeistern kann und immer versuche, das Gute aus einer Situation zu machen.

Zur Person

Nicolas Senn ist im Thurgau aufgewachsen. Bereits mit vier Jahren begeisterte er sich für das 125-saitige Hackbrett und lernte das Spielen früh. Noch in jungen Jahren durfte Senn an diversen Anlässen auftreten und erlangte immer mehr Bekanntheit. Zu grosser Popularität haben ihm seine Auftritte und Aufnahmen mit dem Rapper Bligg verholfen. Heute moderiert der Musiker die SRF-Sendung «Potzmusig». Am 29. Mai veröffentlichte er ausserdem mit Pianist Elias Bernet das gemeinsame Album «Hackbrett meets Boogie-Woogie». (red)

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