«Ich bin gerne Bäuerin»

Ihre Familie, die Arbeit auf dem Hof, aber auch die Vorstands- und Vereinstätigkeiten sind der Hemberger Bäuerin Erika Schlegel wichtig. Ihr Beruf bringt viele Vorteile, aber die zunehmende Bürokratie wird als belastend empfunden.

Adi Lippuner
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Der Vorstand des St. Galler Bäuerinnenverbands – ganz links Erika Schlegel. (Bilder: Adi Lippuner)

Der Vorstand des St. Galler Bäuerinnenverbands – ganz links Erika Schlegel. (Bilder: Adi Lippuner)

HEMBERG. Idyllischer als an der Dietschwilerstrasse in Hemberg kann eine Familie kaum wohnen. «Ab vom Schuss» und doch nur rund einen halben Kilometer von der Postautohaltestelle weg, eingebettet in die Toggenburger Hügellandschaft und mit freiem Blick Richtung Hofstetten und zu den markanten Bergen. Die unvergleichliche Wohnlage hat aber ihren Preis, wie Erika Schlegel, die von sich sagt, «Ich bin gerne Bäuerin», bei einem Besuch betont. «Wir dürfen mit unseren Tieren und oft draussen in der Natur arbeiten, können die Zeit selbst einteilen und sind auch nicht von der Familie getrennt. Aber die Arbeitswoche hat sieben Tage, und je nach Jahreszeit sind die Arbeitstage ziemlich lange.»

Nur wer seinen Bauernberuf mit Freude und Leidenschaft ausführe, sei in der heutigen Zeit bereit, sich jahrein, jahraus täglich für seinen Hof zu engagieren. «Die Zusammenarbeit mit meinem Mann Ruedi und den drei Söhnen klappt bestens, und deshalb bin ich mit diesen Aufgaben am richtigen Platz. Und zu den nötigen Erholungspausen ist zu erfahren: «Täglich eine kleine Auszeit muss sein – und wenn es nur am Vormittag eine Kaffeepause und die Zeitungslektüre ist.»

Arbeit mit den Tieren

Ständig neue Gesetze und Verordnungen und damit verbunden auch immer mehr Büroarbeit sind Faktoren, welche der Bäuerin weniger Freude bereiten. «Aber mit der Zeit geht die Büroarbeit leichter von der Hand, auch wenn ich lieber etwas anderes erledigen würde.» Am liebsten sind Erika Schlegel die Aufgaben mit den Tieren, sei dies mit den Milchkühen, den Kälbchen, den Hühnern oder den Geissen und Kaninchen, welche ihrem jüngsten Sohn Werner gehören. Ob später einmal einer der drei Söhne – Beni, Jahrgang 1999, lernt Landmaschinenmechaniker, Sämi (2000), besucht die Kantonsschule, und Werner (2002), ist in der sechsten Klasse – den Hof übernehmen will, ist heute völlig offen. «Selbstverständlich würden wir Eltern uns freuen, wenn sich die junge Generation für diese Aufgabe interessiert. Aber wir werden ganz bestimmt keinen zwingen. Sie haben das Recht auf ihr eigenes Leben, und wie das ausschauen wird, überlassen wir der Zukunft.»

Engagement ausser Haus

Als junge Bäuerin und dreifache Mutter wurde Erika Schlegel vor neun Jahren angefragt, ob sie bereit wäre, für einen Sitz im Vorstand des St. Galler Bäuerinnenverbandes zu kandidieren. Sie habe zugesagt und sei auch gewählt worden. An der letzten Delegiertenversammlung hat die Bäuerin mit eidgenössischem Fachausweis nun ihr Amt zur Verfügung gestellt. «Ich erhielt während der vergangenen Jahre die Möglichkeit zum Mitgestalten, konnte mich aber auch persönlich weiterbilden», blickt sie auf diese Zeit zurück.

Ihre Vorstandstätigkeit beim Toggenburger Bauernverein sowie beim St. Galler Bauernverband führt sie weiterhin aus. «Inzwischen bin ich gut vernetzt und finde es spannend, auch ausserhalb des Hofes Verantwortung zu übernehmen.» Zudem haben die Hemberger Bäuerinnen und Landfrauen Erika Schlegel zu ihrer neuen Präsidentin gewählt. «Eine Aufgabe, die ich dank eines initiativen Vorstands neben den Aufgaben als Bäuerin und Familienfrau übernehmen konnte.»

Auf die Frage, ob sie sich einen Einstieg in die Politik vorstellen könnte, zögert Erika Schlegel. «Ich bin politisch interessiert, aber ob ich in einem politischen Amt am richtigen Platz wäre, muss ich offen lassen.» Dann wird betont: «Als Bäuerin ist es wichtig, dass ich nicht zu viele Aufgaben ausser Haus annehme, denn im Sommer, wenn die Heuernte ansteht und die Alp zu betreuen ist, fällt daheim viel Arbeit an.»

Bauerntochter aus Ebersol

Aufgewachsen ist Erika Schlegel-Stauffacher in Ebersol, und zwar auf einem Bauernhof unterhalb der Alp Wimpfel. So ist sie seit Kindsbeinen mit den anfallenden Aufgaben auf einem Hof vertraut, hat das bäuerliche Hauhaltslehrjahr absolviert und die Bäuerinnenausbildung gemacht. «Ein Leben ohne Landwirtschaft kann ich mir nicht vorstellen.»

Dass sich der Hemberger Bauernsohn Ruedi Schlegel und die Ebersoler Bauerntochter 1995 an einer Viehschau begegnet sind, darf rückblickend als glückliche Fügung bezeichnet werden. 1997 wurde geheiratet und seither lebt die Familie auf dem elterlichen Hof von Ruedi Schlegel.

In der knappen Freizeit stehen Ausflüge, Bergwanderungen oder ganz einfach gemütliches Beisammensein auf dem Programm. «Mein Mann singt im Jodelchörli Hüsliberg, und die Söhne sind alle im Schwingsport aktiv. Diese Aktivitäten geben uns immer wieder die Möglichkeit zu interessanten Ausflügen.»

Erika Schlegel Präsidentin der Bäuerinnen und Landfrauen Hemberg

Erika Schlegel Präsidentin der Bäuerinnen und Landfrauen Hemberg