«Ich bin ein Skandalmaler»

STEIN. Willy Künzler hat ein Bild zum Spitalverbund Ausserrhoden gemalt. Das Bild ist entstanden, um den Frust über den Skandal abzubauen. Seine Bilder dienen dazu, Geschichten für die Nachwelt zu erhalten.

Ruth Frischknecht
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Das Werk zum Skandal rund um den Spitalverbund Ausserrhoden.

Das Werk zum Skandal rund um den Spitalverbund Ausserrhoden.

Der Steiner Maler Willy Künzler verarbeitet in seinen Bildern Themen, die ihn beschäftigen. Sein jüngstes Werk stellt den Skandal rund um den Spitalverbund Ausserrhoden dar: Oben im Bild steht ein Mondkalb, das der Welt und dem Regierungsgebäude das Hinterteil entgegenstreckt. In der Mitte vier Personen, drei Männer und eine Frau. Goldene Punkte, als Symbol für Geld, ziehen sich durchs Bild und führen in die Taschen der Obrigkeiten. Das Scheinwerferlicht zeigt, dass die vier Personen erwischt wurden. Links und rechts von ihnen sind Gräben, die ihnen die Flucht nicht zulassen. Das Gemälde über den Spitalverbund hat der 85jährige Künstler mit zwei Fingern und gewöhnlicher Strassenkreide gemalt.

Ungewollt im Scheinwerferlicht

Willy Künzler kommentiert sein Werk mit folgenden Worten: «Wenn die Selbstbereicherer aus dem Spitalverbund ungewollt im Scheinwerferlicht stehen. Wie schade für die Bürger.»

Die etwas gar grosszügigen Entschädigungen, die der Spitalverbund Ausserrhoden seinen Verwaltungsräten bezahlt hat, lassen den Künstler nicht mehr los. Aus Sicht von Willy Künzler haben die beteiligten Regierungsräte nicht im Sinne der Bürger gehandelt. Die Mitglieder des Verwaltungsrates hätten sich selbst bereichert, obschon sie das Geld nicht benötigten. Das Werk über den Spitalverbund sei entstanden, um den Frust darüber abzubauen.

Geschichten für die Nachwelt

Zur Malerei gebracht hat den ehemaligen Möbelschreiner der Niedergang der Ausserrhoder Kantonalbank. Seine Enttäuschung darüber hat er in mehreren Bildern verarbeitet. Seither greift er das Zeitgeschehen auf und stellt es in seinen Malereien kritisch dar. Er bezeichnet die Bilder als «lebende Dokumente» und als «bare Wirklichkeit». Ziel der Bilder sei es, die Geschichten für die Nachwelt am Leben zu erhalten.

«Ich bin ein bisschen ein Skandalmaler», charakterisiert er sich selbst. Ob er das nun ist, weil er Skandale malt oder weil seine Malerei schon den einen oder anderen Skandal ausgelöst hat, lässt er offen. Dass er mit seinen Bildern manchmal aneckt, ist ihm durchaus bewusst.

Zersiedlung und Landwirtschaft

Es gibt Themen, die sich wie ein roter Faden durch Willy Künzlers Werk ziehen. Nebst dem Verhalten von Obrigkeiten, wozu auch das Gemälde zum Spitalverbund passt, ist es die Landwirtschaft und die Rolle der Bauern.

Der Künstler beschäftigt sich zudem mit der Zersiedelung, dem Bauboom und dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Tiere liegen Willy Künzler besonders am Herzen. Eine seiner bekanntesten Figuren ist der Kuh-Engel, der für die Dankbarkeit gegenüber Kühen und Tieren im Allgemeinen steht.

Willy Künzler in seinem Atelier beim Türmlibeck in Stein. (Bilder: Ruth Frischknecht)

Willy Künzler in seinem Atelier beim Türmlibeck in Stein. (Bilder: Ruth Frischknecht)

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