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«Ich bin ein Oberegger, wie er im Buche steht»: Erol Ademi ist der einzige Innerrhoder Grossrat mit mazedonischen Wurzeln

In der aktuellen Besetzung des Innerrhoder Grossen Rates ist Erol Ademi der einzige mit mazedonischen Wurzeln. Er findet, dass es zwischen der orientalischen Kultur und der Appenzeller Kultur viele Parallelen gibt.
Claudio Weder
Oberegger durch und durch: Erol Ademi. (Bild: Claudio Weder)

Oberegger durch und durch: Erol Ademi. (Bild: Claudio Weder)

«Aha, en Oberegger.» Ein Satz, den der frischgebackene Innerrhoder Grossrat Erol Ademi immer wieder zu hören bekommt. Ein Satz mit unverkennbarem Unterton, der aber eigentlich nicht böse gemeint ist. «Ja, wir Oberegger ticken ein bisschen anders», gibt Ademi zu und lacht. Dies habe wohl mit der geografischen Situation zu tun. «Als eine von Ausserrhoder Gebiet umgebene Exklave liegt Oberegg nicht nur weit vom politischen Zentrum Innerrhodens entfernt, sondern ist aufgrund der exponierten Lage auch den Einflüssen von aussen stärker ausgesetzt.»

Ademi, spricht im breitesten Oberegger Dialekt. «Das mag für viele verwirrend sein, weil ich vielleicht nicht aussehe wie ein typischer Appenzeller», sagt der 40-Jährige. Ademi, der im Mai 2019 in das Innerrhoder Kantonsparlament gewählt wurde, ist nicht der erste Grossrat mit Migrationshintergrund. Trotzdem mutet der Name Ademi in der aktuellen Besetzung des Gremiums – neben den Fässlers, Mansers und Inauens – schon beinahe exotisch an.

In Mazedonien geboren

Sich selber bezeichnet Ademi, der nicht mit seinem Namensvetter, dem Fussballer Kemal Ademi, verwandt ist, schalkhaft als «Gewächs, das verpflanzt wurde». Geboren in der nordmazedonischen Stadt Kumanovo, siedelte er im Jahr 1982 – als Dreijähriger – gemeinsam mit seiner Mutter in die Schweiz über, wo sein Vater, von Beruf Maschinenbauingenieur, bereits seit einigen Jahren als Gastarbeiter im Strassenbau arbeitete. «Mir ist es wichtig, meine ursprüngliche Heimat nicht zu verleugnen», sagt Ademi, betont aber, dass der Unterschied zwischen Mazedoniern und Appenzellern letztlich weniger gross sei, als man annehmen könnte. Ademi sagt:

«Zwischen der orientalischen Kultur und der Appenzeller Kultur gibt es viele Parallelen.»

Beide seien etwa sehr gastfreundlich; Werte wie Toleranz, Respekt und Gemeinschaftsdenken würden grossgeschrieben. Zudem teile die Schweiz mit der ex-jugoslawischen Republik, die ebenfalls als föderalistischer Staat organisiert war, auch eine politische Gemeinsamkeit.

Ademi wurde im Mai 2017 in den Bezirksrat Oberegg gewählt. Seit diesem Jahr sitzt er auch im Grossen Rat. Seine politische Tätigkeit sieht er als Berufung:

«Einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten, ist für mich etwas Selbstverständliches. Ich wurde so erzogen.»

Ademi wurde im Bezirk Oberegg von der Arbeitnehmervereinigung portiert sowie vom Gewerbeverband unterstützt. Im Vordergrund stehen für ihn aber nicht nur die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. «Bei meiner politischen Tätigkeit geht es mir in erster Linie um die Menschen der Region. Für sie will ich mich einsetzen und etwas Nachhaltiges auf die Beine stellen – sei es in umwelt- und energiepolitischen Angelegenheiten, im Bereich Tourismus oder im Bildungswesen.» Grundsätzlich hält er das Feld aber offen:

«Ich will mich dort einsetzen, wo es mich braucht.»

Mit Oberegg ist der 40-Jähirge mittlerweile fest verwachsen: «Ich bin ein Oberegger, wie er im Buche steht», sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau Karin, seiner Tochter und seinem Sohn wohnt Erol Ademi auch heute noch in jenem Haus, in dem er damals mit seinen Eltern eine Gastarbeiterwohnung bewohnte. Bevor er das Studium zum Diplomingenieur Systemtechnik begann, absolvierte er eine Lehre als Elektromonteur bei Elektro Bischofberger in Oberegg.

Auch neben seiner politischen Tätigkeit als Bezirks- und Grossrat setzte und setzt sich Ademi für das Dorf und die Region ein. Sei es als Korporal bei der Feuerwehr Oberegg-Reute, als Leiter Führungsunterstützung der Zivilschutzorganisation Oberegg-Reute oder als Präsident der Brunnenkorporation «Unterdorf». Ebenso ist er Mitglied des Fanclubs des Oberegger Freestyle-Skifahrers Marc Bischofberger.

Manch einem Oberegger wird der Familienvater auch als Marktverkäufer bekannt sein. Während 25 Jahren unterstützte er nämlich seinen Vater in der kalten Jahreszeit beim Verkauf von Marroni.

«Jedes Wochenende waren wir, wenn nicht in Oberegg, so an einer Viehschau oder einem Weihnachtsmarkt im Vorderland anzutreffen.»

Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters im Jahr 2017 musste Ademi diese Tätigkeit, die er stets mit viel Herzblut ausgeübt habe, aufgeben. «Den Aufwand konnte ich alleine nicht mehr stemmen.»

Ingenieur, Handballer und Jasser

Der heutige Tag ist ein spezieller. Nicht nur, weil Ademis Tochter Aisha ihren 13. Geburtstag feiert, sondern auch weil er heute seine neue Stelle als Leiter Qualitätsengineering bei der Firma Leica Geosystems AG in Heerbrugg antritt. «Diese Position bietet mir die Flexibilität, meinen Beruf sowie alle meine nebenberuflichen Ämter und Aktivitäten unter einen Hut zu bringen», so Ademi.

Den Arbeitgeber kennt er bereits: Bevor er als Leiter Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beim Automobilzulieferer Thyssen Krupp in Eschen (FL) arbeitete, war Ademi während sieben Jahren als Qualitätsingenieur sowie Umwelt- und Sicherheitsverantwortlicher bei Leica tätig.

«Dank der neuen Stelle habe ich letztlich auch wieder mehr Zeit für Sport», sagt Ademi, der lange aktiv Handball spielte. In dieser Sportart wieder Fuss zu fassen, sei im Alter von 40 Jahren aber schwierig. Deshalb stünden nun vor allem Biken und Wandern auf dem Programm. Zum Sport zählt Ademi aber auch das Jassen. «Da kommt man schliesslich auch hie und da ins Schwitzen.»

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