«Ich bin ein Musikfahrender»

Der Bluesmusiker Philipp Fankhauser ist seit Jahrzehnten ununterbrochen unterwegs. Egal ob Amerika oder Schweiz: Sein Zuhause ist die Bühne. Mit seinem aktuellen Album «Home» im Gepäck spielte er am Samstag im Casino in Herisau.

Stephanie Sonderegger
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Philipp Fankhauser, werden Sie nicht müde von den vielen Auftritten und dem vielen Umherfahren?

Philipp Fankhauser: Ich bin ein Musikfahrender. Es gibt eine Bevölkerungsgruppe in der Schweiz, die «die Fahrenden» heisst. Die übrigens – für alle, die das nicht wissen – auch Schweizer sind. Und ich bin ein Musikfahrender, obwohl ich von der Rasse her nicht zu den Fahrenden gehöre. Für mich ist es ein Drang und ein Reissen. Ich muss fahren und weg sein. Nach einer Woche zu Hause verwelke ich wie eine Blume. Für die Bühne lebe ich. Es wird weder langweilig noch lästig. Ich bin gerne unterwegs.

Hinterlässt das Älterwerden diesbezüglich Spuren?

Fankhauser: Im privaten Leben merke ich schon, dass das Alter kommt, und ich nicht mehr so viel Energie habe. Aber auf der Bühne ist meine Energie nach wie vor ungebrochen.

Wie kam es zum Titel Ihres aktuellen Albums «Home»?

Fankhauser: Es sind verschiedene Umstände, die dazu geführt haben. Ich war letztes Jahr für drei Monate in den Südstaaten der USA. Für mich ging es quasi nach Hause, weil ich lange in den USA gelebt und Musik gemacht habe. Die Südstaaten sind für mich das «Zuhause weg von zu Hause». Deshalb hatten wir eine Zeit lang Songs gespielt von dem «Home»-Album auf einer Tour mit dem Titel «Home Away From Home». Die Konsequenz, dass das Album «Home» heisst, ist daraus entstanden.

Wodurch unterscheidet sich «Home» von den bisherigen Alben?

Fankhauser: Ich glaube, die Unterschiede sind nicht stark, aber dennoch spürbar. Ich denke, es ist wieder mehr ein Blues-Album. In den letzten Alben – obwohl ich nie weit entfernt von dem war, was ich eigentlich mache – gab es gewisse Pop-Einflüsse. «Try My Love» hat gewisse Soul-Einflüsse. «Home» ist wieder viel näher an meinen Wurzeln, dem Blues.

Sie sind im Berner Oberland geboren, haben lange in Amerika gelebt. Nun wohnen Sie in Zürich. Wo ist für Sie «zu Hause»?

Fankhauser: Eigentlich überall, wo eine Bühne ist. In meinem Titelsong «Home» schreibe ich: «My home is where the blues are» – also: Mein Zuhause ist dort, wo die Blues sind. Und das stimmt. Mein Zuhause ist hier mit meiner Band. Heute abend ist mein Zuhause das Casino in Herisau.

Als Musiker haben Sie schon diverse Male im Appenzellerland gespielt. Was verbindet Sie mit dem Appenzellerland?

Fankhauser: Meine erste Berührung mit dem Appenzellerland hatte ich, als ich in der Rekrutenschule war mit 19 oder 20 Jahren. Eine der Leutnants war aus dem Appenzellerland. Ich hatte furchtbare Angst, wenn wir zum Schiessen mussten. Der Leutnant hat mich immer angeschrien. Ich vergesse nie mehr, wie er gesagt hat, ich müsse die Schüsse «döt höndere döndere».

Eine lustige Geschichte, die ich erlebt habe, war im Jahr1995. Da war ich unterwegs von Lichtenstein nach Herisau. Wir haben im Casino gespielt. Es begann fürchterlich zu schneien. Wir hatten einen amerikanischen Bus, einen Chevrolet-Van. In meinem Auto waren meine amerikanischen Musiker, die ich mitgebracht hatte – unter anderen die legendären «The Memphis Horns». Wir sind in St. Gallen raus gefahren, und irgendwo in Richtung Herisau ging es ziemlich steil den Hügel hoch. Es hatte so stark geschneit, dass ich stecken blieb und die Ketten montieren musste. «The Memphis Horns» hingegen hatten wohl noch nie richtigen Schnee gesehen. Als ich beim Kettenmontieren war, haben sie mich mit ihren Sonnenbrillen bekleidet mit Schneebällen beworfen. Das fand ich schon irgendwie legendär: Ich, Philipp Fankhauser, wechsle die Ketten, und «The Memphis Horns», die schon mit jedem gespielt haben, der berühmt war, bewerfen mich mit Schneebällen.

Was verbinden Sie mit den verschiedenen Spezialitäten aus dem Appenzellerland, wie dem Alpenbitter, dem Biber und dem Appenzeller Käse?

Fankhauser: Der Appenzeller Alpenbitter ist mir zu bitter. Das kann ich nicht trinken. Dafür musste ich als Nicht-Bier-Trinker, wenn ich bei Marco Fritsche war, ein «Quöllfrisch» trinken. Das mochte ich.

Die Appenzeller Biberli liebe ich. Aber ich muss immer schauen, dass ich noch in meine Konzertkleidung passe. Zurzeit versuche ich, Kohlenhydrate weitgehend zu vermeiden – deshalb gibt es leider keine Appenzeller Biberli.

Beim Käse habe ich immer wieder einen Kampf, wenn ich ins Appenzellerland komme, da ich standesgemäss ein Gruyère-Fan bin. Aber ich esse regelmässig und sehr gerne Appenzeller Käse. Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass es für mich keine schönere Werbung gibt in der Schweiz als die des Appenzeller Käses mit Uwe Ochsenknecht. Das schaue ich mir sogar manchmal auf YouTube an. Wer immer diese Idee hatte – man hätte auch mich fragen können, ich bin auch lustig – es ist wirklich genial.

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