«Ich bin bestens gerüstet»

Markus Bänziger will Ausserrhoder Nationalrat werden. Der FDP-Gemeinderat aus Teufen gilt gegenüber den Mitbewerbern als leicht favorisiert. Was Markus Bänziger tut, wie er lebt und denkt: Ein Porträt.

Monika Egli
Drucken
Teilen
Markus Bänziger im Garten seines Bauernhauses hoch über Teufen. Angestellt ist er als Finanzchef und Geschäftsleitungsmitglied bei der weltweit tätigen Forster-Rohner AG in St. Gallen. (Bild: Stephanie Sonderegger)

Markus Bänziger im Garten seines Bauernhauses hoch über Teufen. Angestellt ist er als Finanzchef und Geschäftsleitungsmitglied bei der weltweit tätigen Forster-Rohner AG in St. Gallen. (Bild: Stephanie Sonderegger)

TEUFEN. Der Grossvater webte noch in einem Keller in Reute, der Vater war Briefträger in Teufen: Markus Bänziger ist nicht mit dem silbernen Löffel im Mund geboren worden. Das prägt und zeigt sich heute zum Beispiel daran, dass er als Finanzchef der Gemeinde Teufen die Schulden innert drei Jahren von 27 auf 17 Millionen Franken reduziert hat. «Investieren ist gut und richtig, aber dann kommt eine Zeit, in der man die Schulden auch wieder abbauen muss», sagt er dazu. Was er heute ist, musste er sich selbst erarbeiten. Das fing bereits im jungen Alter an, als er nach der KV-Lehre ein Studium absolvieren, seinen Eltern aber nicht auf der Tasche liegen wollte. «Um Geld zu verdienen, habe ich deshalb noch einige Jahre im erlernten Beruf gearbeitet.» 23jährig hat er dann das Betriebsökonomie-Studium an der Fachhochschule aufgenommen.

Die praktische Seite

Wer Markus Bänziger schon bei offiziellen Anlässen gesehen hat, weiss, dass er sich auf dem gesellschaftlichen Parkett gewandt zu bewegen weiss. Ihn zeichne eine gewisse Noblesse aus, hiess es kürzlich in dieser Zeitung. Um das Bild abzurunden, muss dem allerdings eine weitere Seite beigefügt werden, die auch zu ihm gehört: Das Holz für den Kachelofen seines Bauernhauses hackt er selber und die mehrere hundert Meter lange Kieszufahrt unterhalten er, sein Onkel, der Pächter und ein Nachbar eigenhändig – sommers wie winters. Er mit seiner Familie, sein Bruder und der Onkel wohnen in drei benachbarten Häusern im Feld und in der Spiessenrüti. Diese drei Häuser gehörten der Familie mütterlicherseits; sie wurden alle landwirtschaftlich genutzt. «Mein Onkel war Bauer. Mein Bruder und ich mussten ihm oft helfen.» Auf diese Zeit schaue er aber gerne zurück. Hier oben, auf diesem idyllischen, aber abgelegenen Hügel mit der prächtigen Aussicht ist Markus Bänziger aufgewachsen. Heute lebt er mit seiner Frau Erika und den drei Kindern, einem Mädchen und zwei Buben im Alter von 11 bis 16 Jahren, im Haus, wo einst die Grossmutter seiner Grossmutter gelebt hatte. Es ist stilvoll umgebaut, Details wie die alte Fensterform samt Vorfenstern wurden belassen, die Einrichtung ist schnörkellos und die drei Kinder sind allem Anschein nach sehr ordentlich; nichts liegt herum.

Der Grossvater aus dem Vorderland, die Familie ansässig im Mittelland – gibt es auch Banden ins Hinterland? Tatsächlich: Die Grossmutter war eine Stricker, Bürgerin von Schwellbrunn.

Das zweitbeste Resultat

Seit 2012 ist Markus Bänziger Teufner Gemeinderat mit dem Ressort Finanzen. Genügt dieser politische Hintergrund für ein Nationalratsmandat? Ihm fehle die Parlamentserfahrung, heisst es aus den Kreisen seiner Mitbewerber. «Dafür muss ich mich nicht rechtfertigen», sagt er. Im Gemeinderat seien zwei währschafte Brocken auf dem Tisch gelegen, als er das Amt aufnahm. Schon in seiner ersten Sitzung war die Schiesssportanlage traktandiert: Markus Bänziger wird zugeschrieben, dass er es war, der hier aufgeräumt hat. Aber auch die Dorfdurchfahrt fiel in diese Zeit. Er hat sich im Vorfeld der Abstimmung exponiert und zusammen mit dem Gemeinderat die Tunnelvariante abgelehnt; das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme nicht. Mit 1565 zu 1058 Stimmen wurde der Tunnel im letzten Januar denn auch verworfen. Und obwohl er sich mit seiner Meinung gegen gut 1000 Einwohner gestellt hatte, machte er bei den Gesamterneuerungswahlen im Frühling das zweitbeste Resultat. Das freut ihn: «Es zeigt, dass meine Arbeit geschätzt wird.» Apropos Bestätigungswahlen: Wird Teufen bei seiner Wahl einen Nationalrat im Gemeinderat sitzen haben? «Ja», sagt Markus Bänziger. «Ich höre nicht ein Jahr nach der Wiederwahl auf, das wäre nicht anständig.» Ein Kantonsratsmandat, das auch schon thematisiert wurde, hat er nicht angestrebt. «Ich wollte explizit für das Dorf arbeiten.» In der Familie Bänziger engagiert sich aber auch die Ehefrau für die Teufner Gemeinschaft: Sie ist in der evangelischen Kirchenvorsteherschaft und in der Dorfbibliothek tätig.

«Die Urform der Demokratie»

Um auf die fehlende Parlamentserfahrung zurückzukommen: Markus Bänziger verweist auf die intensiven Gemeinderatsjahre, seine Auslanderfahrung, auf die langjährigen Vorstandstätigkeiten in der FDP, der Offiziersgesellschaft, der Kunst Halle St. Gallen, bei der WISG (Wirtschaft Region St. Gallen) und darauf, dass er ein Vereinsmensch sei («das ist die Ur-Form der Demokratie»). «Ich bin für das Amt bestens gerüstet, zudem frisch und unverbraucht.» Auch wie er im Falle seiner Wahl mit der Anstellung bei der weltweit tätigen Forster-Rohner AG umgehen wird, ist klar. Seit fünf Jahren arbeitet er dort als Finanzchef und Geschäftsleitungsmitglied. «Ich werde meine Finanzcheffunktion zurücklegen, mindestens um 50 Prozent reduzieren und andere Aufgaben wahrnehmen. Alles andere wäre gegenüber den Wählern und meinem Arbeitgeber nicht richtig.»

Die Jahre im EU-Land

Von 2005 bis 2010 lebten Bänzigers in Wien, wohin sie vom damaligen Arbeitgeber entsandt worden waren. «Wir mussten uns innert 14 Tagen zum Wegzug entscheiden und sagten zu, obwohl wir hier eben den Umbau abgeschlossen hatten.» Für Bänzigers war aber klar, dass dies ein befristeter Auslandaufenthalt werden würde, denn «unsere Kinder sollten einen Grossteil ihrer Schulzeit in der Schweiz absolvieren.» Die Zeit in der österreichischen Hauptstadt war «toll und lehrreich, aber zu Hause sind wir hier». Er habe, sagt Markus Bänziger, lange genug in einem EU-Staat gelebt, um die Schweiz und ihre Demokratie jetzt umso mehr zu schätzen. Es sei doch eine wunderbare Sache, dass beispielsweise jede Gemeinde ihre Finanzen selber verwalten und auch selber bestimme könne, wie viel Steuern sie erhebe. «Nein, ein EU-Beitritt ist für mich überhaupt kein Thema», beantwortet er eine entsprechende Frage.

Die Porträts zu den Nationalratskandidaten Jens Weber und David Zuberbühler erscheinen morgen und am Freitag.