Hungern fürs Handy

HERISAU. Mit dem Beginn der Fastenzeit starten die Landeskirchen ihre ökumenische Kampagne. Sie trägt den Titel «Des einen Schatz, des anderen Leid» und zeigt die Vernetzung der Weltwirtschaft auf.

Guido Berlinger-Bolt
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In jedem vierten Handy in der Schweiz steckt Kobalt oder Kupfer aus Kongo. Und irgendjemand holt die Metalle auf irgendeine Weise aus dem Boden. Afrikas Rohstoffe und unser Konsumhunger hängen eng zusammen. (Bild: pd)

In jedem vierten Handy in der Schweiz steckt Kobalt oder Kupfer aus Kongo. Und irgendjemand holt die Metalle auf irgendeine Weise aus dem Boden. Afrikas Rohstoffe und unser Konsumhunger hängen eng zusammen. (Bild: pd)

Was gehen uns die Arbeitsbedingungen in Kobalt- oder Kupferminen der Demokratischen Republik Kongo an? – Sehr viel! Das sagen die katholische und reformierte Kirche der Schweiz, die über ihre Hilfswerke «Fastenopfer» und «Brot für alle» zur Fastenzeit die ökumenische Kampagne «Des einen Schatz, des anderen Leid: Bodenschätze und Menschenrechte» lancieren.

An den Suppentagen sammeln die Kirchen nicht nur einfach Geld, sondern auch Unterschriften für eine Petition an den Bundesrat. Darin fordern die Hilfswerke mehr Transparenz in den Handelsbeziehungen und internationale Standards für Fair Trade bei den Rohstoffen.

So weit und doch so nah

Mit ihrer Kampagne wollen sie vor allem eines: ein Bewusstsein bilden dafür, dass die Arbeitsbedingungen im Süden uns im Norden sehr wohl etwas angehen. Denn: Handy, Laptop, PC gehören für die meisten Schweizerinnen und Schweizer zum normalen Alltag. Aber wie so oft, wenn wir unsere alltäglichen Produkte bis zu ihren Wurzeln, den Rohstoffen, zurückverfolgen, lesen wir unschöne Geschichten, sehen wir skandalöse Bilder. Umweltzerstörung, Ausbeutung von Arbeitskräften, Bedrohung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, miserable Arbeitsbedingungen, Korruption, Hunger.

Zwischen dieser Realität und jener in der Schweiz schlagen die beiden kirchlichen Hilfswerke nun einen Bogen. «Wir holen ganz nah heran, was vermeintlich ganz weit weg geschieht», sagt so der evangelische Herisauer Pfarrer Bernhard Frey. «Wir möchten zeigen, wofür Kobalt und Kupfer aus der Demokratischen Republik Kongo gebraucht werden; wir wollen zeigen, inwiefern wir Nutzniesser sind.» Mit dem Dokumentarfilm «Katanga – Krieg um Kupfer», mit einem Musikworkshop, mit Gottesdiensten, mit einem Rosenverkauf, mit der traditionellen Agenda und mit ebenfalls traditionellen Suppentagen verfolgen die beiden Kirchen in Herisau etwa dieses Ziel.

Vom Reichtum profitieren

Mit den Spenden und mit dem politischen Druck wollen die katholische und die evangelische Kirche erreichen, dass auch jene, die die Rohstoffe abbauen, vom Reichtum ihrer Heimat profitieren können. Denn noch immer gilt: Die Einnahmen aus dem Rohstoffexport kommen nicht der breiten Bevölkerung, nicht den Arbeiterinnen und Arbeitern zugute; vielmehr verstärkt der Rohstoffreichtum offensichtlich die Unterentwicklung eines Landes weiter, wie die beiden kirchlichen Hilfswerke in einer Dokumentation zur diesjährigen ökumenischen Kampagne schreiben.