Hunger, Bergsturz und Sedimente

Heimatkunde

Ernst Grob
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Bei der Talstation der Sesselbahn Atzmännig trafen sich vor rund vierzehn Tagen zwölf Mitglieder der Toggenburger Vereinigung für Heimatkunde zu einem einleitenden Vortrag des hier ansässigen Historikers, Alois Stadler. Er referierte über die grassierende Hungersnot vor 200 Jahren im Goldingertal. In Dokumenten gut belegt, liess er die traurigen Erinnerungen mahnend, angesichts unseres heutigen Überflusses, aufleben. Der 1815 erfolgte Ausbruch des Vulkans Tambora auf Indonesien verursachte mit seinen Aschewolken in der oberen Atmosphäre eine weltweite Abkühlung mit vermehrten Niederschlägen, die auch in unserer Gegend mit Missernten und damit zur bisher letzten grossen Hungersnot führte. Die starken Niederschläge liessen in der Morgenfrühe des 3. Juli 1816 wegen Durchnässung die oberen Nagelfluh-Felsschichten vom Grat der Schwammegg in einem gewaltigen Bergsturz abrutschen.

Vulkanische Ablagerungen untersucht

Auf der anschliessenden Wanderung durch das Sturzgebiet mit seinen immer noch sichtbaren, beeindruckenden Spuren und auf dem Grat Richtung Oberatzmännig, Schwammegg und Rotstein zum Tweralpspitz wurden die geologischen Umstände durch den uns begleitenden Studenten, Nico Schulthess aus Uznach, ausführlich besprochen. In seiner Maturaarbeit hat Nico vulkanische Ablagerungen auf dem begangenen Grat untersucht, die vor etwa 15 Millionen Jahren, vermutlich von Ausbrüchen damaliger Eruptionen des Massiv Central, entstanden. Seine Schürfstellen zur Probeentnahme bestimmten unsere Route und gaben uns mit seinen Erklärungen vertiefte Einblicke in die Erdgeschichte. Nach einem Umtrunk im Berggasthaus Chrützegg wurde nochmals auf die Zusammenarbeit mit dem Toggenburger Museum und dessen Sonderausstellung über die Hungersnot hingewiesen. Dann löste sich die Gruppe auf, um eigenständig Richtung Goldingen, zum Schwämmli nach Krinau oder durch das Steintal nach Wattwil den Heimweg anzutreten.

Ernst Grob