HUNDWIL/STEIN: Ein Ende dem Wasserverlust

Nach vierzehn Monaten Bauzeit konnte bei der Oertlismühle die Anlage zur Nutzung der Fitzisbach-Quellen in Betrieb genommen werden.

Rolf Rechsteiner
Drucken
Teilen
Mitglieder des Vereins vor ihrem neuen Flaggschiff, der A101. (Bild: Elias Eggenberger)

Mitglieder des Vereins vor ihrem neuen Flaggschiff, der A101. (Bild: Elias Eggenberger)

Rolf Rechsteiner

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Die Quellgebiete Fitzisbach-Vorderhaus, Fiebet und Schlatt am Fuss der Hundwiler Höhe wurden ein Jahrhundert lang von der Stadt St. Gallen genutzt. Ihr Wasser floss in den Riethüsliweiher und von dort in die Trinkwasserversorgung. Die entsprechenden Fassungen und Leitungsrohre wurden in den Jahren 1887–1890 erstellt. Als sie zunehmend sanierungsbedürftig wurden, legte die Stadt die Nutzung still. 760000 Kubik Quellwasser flossen zwischenzeitlich jedes Jahr ungenutzt der Urnäsch zu. Diesem Zustand machten die Gemeinden Hundwil und Stein ein Ende: Sie kauften die Quellrechte und sämtliche Anlagen zurück zu einem «Schnäppchenpreis», wie Fritz Leirer, Präsident der gemeinsamen Wasserversorgung, vor Gästen ausführte.

Ein ambitioniertes Projekt

Die 62 Quellen wieder nutzbar zu machen, erwies sich als Herkulesaufgabe. Sämtliche Fassungen, Brunnenstuben und Quellschächte wurden saniert, die ­Leitungen ersetzt. Brücken und Stege des «Siebebrüggliwegs» dienen zum Teil der Leitungsführung. Das Herzstück im System ist die Wasseraufbereitung, die bei der Oertlismühle neu gebaut wurde. Sie umfasst zwei Reinwasserspeicher von je 250 Kubik Fassungsvermögen. Genutzt wird vorerst das Wasser der Fitzisbach-Quellen, die eine Kapazität von 525000 Liter pro Tag haben. Das Rohwasser fliesst in ein Reservoir und gelangt von dort über einen Vorfilter in eine Mikrofiltrierung. Auf eine UV-Nachbehandlung konnte verzichtet werden, weil das Rohwasser fast aller Quellen nur mit Sedimenten, nicht aber mit Fäkalkeimen belastet ist. Trübungswächter sorgen an einigen Stellen für zusätzliche Sicherheit.

Elektronisch überwacht

Das ganze System wird elektronisch überwacht und kann per Fernwartung gesteuert werden. Die Wassermenge, die durch die Filtrierung geht, richtet sich nach dem tatsächlichen Bedarf. Sie wird auf niedrigem Niveau im Dauerbetrieb gehalten, so dass sich die Kammern kontinuierlich auffüllen.

Auch für die Zukunft ist gesorgt. Die Anlage kann in weiteren Schritten ausgebaut werden; Platzreserven für eine Verdoppelung der Filteranlage sind vorhanden wie auch die notwendigen Anschlüsse ans Leitungssystem, sollte sich die Nutzung der Quellgebiete Fiebet und Schlatt zu einem späteren Zeitpunkt aufdrängen.