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Hundwils langer Weg in die Bedeutungslosigkeit

Um ein Haar wäre Hundwil im Jahr 1597 der Hauptort von Ausserrhoden geworden. Doch in den folgenden Jahrhunderten verlor der Ort zunehmend an politischem und wirtschaftlichem Gewicht. Im Dorf selbst stört das indes kaum jemanden.
Karin Erni
Landwirtschaft und Durchgangsverkehr prägen das Dorfbild von Hundwil. (Bild: Karin Erni)

Landwirtschaft und Durchgangsverkehr prägen das Dorfbild von Hundwil. (Bild: Karin Erni)

Gemäss der jüngsten Bevölkerungsstatistik von Appenzell Ausserrhoden hat die Gemeinde Hundwil mit einem Minus von 5,2 Prozent in den vergangenen zehn Jahren den grössten Bevölkerungsrückgang hinnehmen müssen. Das gab Anlass für einen Augenschein im Dorf und einen Blick in die Geschichte.

Das Dorf Hundwil wirkt heute klein und der Landsgemeindeplatz lässt nicht mehr viel von seiner früheren Bedeutung erahnen. Doch das war nicht immer so, wie der ehemalige Ausserrhoder Kantonsarchivar Peter Witschi in seiner Schrift «Hundwil und die Landteilung» aufzeigt. Hundwil mit seinem grossen Alpbesitz hatte in früherer Zeit, als mit Viehwirtschaft und Milchprodukten noch viel Geld zu verdienen war, einen grossen Stellenwert im Kanton. Doch während die zunehmende Industrialisierung in Ausserrhoden andere Orte florieren liess, ging Hundwils Bedeutung zunehmend verloren.

Wie Herisau und Appenzell besass Hundwil bereits im Hochmittelalter eine eigene Kirche. Im Jahr 1367 hatten die Hundwiler mit «denen von Appenzell» einen Bund geschlossen und gehörten zu den treibenden Kräften der appenzellischen Freiheitsbewegung.

Auch im Zeitalter der Reformation war Hundwil unter der Leitung von Pfarrer Walter Klarer die erste appenzellische Kirchhöre, die den neuen Glauben annahm. Diese Vorreiterrolle dürfte später dazu beigetragen haben, dass Hundwil als Landsgemeindeort auserkoren wurde, schreibt Peter Witschi.

Im aus den Befreiungskriegen hervorgegangenen Land Appenzell bildeten die obere und untere Rhode von Hundwil zwei der zwölf Rhoden des Landes. In jener Zeit verfügte die Doppelrhode über 539 männliche Einwohner – weit mehr als etwa Urnäsch oder Trogen. Selbst mit Blick auf das Steueraufkommen schnitt Hundwil gut ab, denn etliche Hundwiler besassen Alpen oder Güter in anderen Rhoden.

Mit der Besiegelung des Landteilungsbriefs entstand das Land Appenzell Ausserrhoden. Neben Trogen und Herisau stand auch Hundwil als Tagungsort der Landsgemeinde zur Diskussion. Die Landsgemeinde von 1597 entschied sich indes mit 100 Stimmen Unterschied für Trogen. Hundwil konnte sich aber im Wechsel mit Trogen als Landsgemeindeort etablieren und war bis 1858 Tagungsort für den grossen und kleinen Rat hinter der Sitter.

Untere Rhode Stein trennt sich von Hundwil

Im neuen Kanton verloren die Rhoden an Bedeutung. Ins Zentrum rückten die Kirchhören. Von dieser Entwicklung war Hundwil besonders betroffen. Es hatte seit dem 14. Jahrhundert als Doppelrhode gezählt, machte indes nur eine einzige Pfarrei aus. Die Hundwiler Vertretung im grossen Rat schrumpfte in der Folge auf wenige Abgeordnete zusammen.

1748 trennte sich die untere Rhode als neue Gemeinde und Kirchhöre Stein von Hundwil ab. Dieses verlor dadurch auf einen Schlag 50 Prozent seiner Bevölkerung und es sei wohl nicht die ärmere Hälfte gewesen, schreibt Peter Witschi. Auch im Kreis der höchsten Landesbeamten war Hundwil lange schlecht vertreten. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurde nie ein Hundwiler zum Landammann gewählt.

Den unglücklichen Höhepunkt der Entwicklung markierte die Hungersnot von 1816/17. Der grosse Bevölkerungsverlust und die Verarmung breiter Teile der Einwohnerschaft schwächten die Gemeinde nachhaltig und liessen während Jahrzehnten keine neuen Perspektiven zu. Ein zeitgenössischer Bericht schildert die Situation drastisch: «Keinen Arzt, keinen Chirurgus, keinen Schneider, Schuster, Schlosser kaum irgend einen Handwerker hat Hundwil unter den Gemeindsgenossen.»

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