Hundwils finanzielle Gratwanderung: Ein Blick in die Finanzen der Hinterländer Gemeinde

Nur mit einer vorsichtigen Finanzplanung und der Etappierung der Sanierungen kommt Hundwil die nächsten Jahre über die Runden.

Astrid Zysset
Hören
Drucken
Teilen
Hundwils Ausgangslage ist aufgrund der Topografie schwieriger als in anderen Gemeinden.

Hundwils Ausgangslage ist aufgrund der Topografie schwieriger als in anderen Gemeinden.

Bild: Emanuel Per Freudiger

Die Jahresrechnung 2019 der Gemeinde Hundwil weist bei einem Aufwand von 7,91 und einem Ertrag von 7,99 Millionen Franken einen Ertragsüberschuss von rund 80000 Franken aus. Das entspricht einem Besserabschluss gegenüber dem Voranschlag von fast 240000 Franken. Und den wiederum hat die Hinterländer Gemeinde bitternötig. Die finanzielle Lage ist angespannt. So angespannt, dass ernste finanzielle Schwierigkeiten in den nächsten Jahren auftreten könnten.

Gemeindepräsidentin Margrit Müller offenbart, dass sie innerhalb des Gemeinderats oft eine Desillusion vernehme. «Es dreht sich viel ums Geld. Um jede grössere oder ausserordentliche Ausgabe gibt es langwierige Diskussionen», sagt sie. «Da nützen manchmal die besten Ideen und Strategien nichts – die Umsetzung scheitert, da die Finanzierung nicht gesichert ist.»

Schon länger schwierige finanzielle Verhältnisse

Hundwil ist finanziell schon länger nicht auf Rosen gebettet. Müller spricht von einem strukturellen Defizit, das die Gemeinde aufweist. Dieses sei unter anderem der Topografie geschuldet. Hundwil ist weitläufig, der Boden wird vor allem landwirtschaftlich genutzt. Verhältnismässig viele Strassen hat die Gemeinde zu unterhalten wie auch ein kilometerlanges Netz an Wasser- und Abwasserleitungen.

«Unsere Abwasserrechnung wird beispielsweise niemals selbsttragend sein, wie es in anderen Gemeinden der Fall ist»

, so Müller. Auch der Unterhalt der Säntisbergwege muss die öffentliche Hand, sprich die Gemeinde Hundwil aufwerfen. Alles in allem: hohe wiederkehrende Ausgaben. Die Einnahmeseite ist jedoch ausgeschöpft. 2,3 Millionen Franken Steuereinnahmen pro Jahr werden verzeichnet. Die Steuerkraft ist verhältnismässig gering, der Steuerfuss auf 4,7 Einheiten, was kantonal dem höchsten Wert entspricht. «Gebühren massiv zu erhöhen oder gar den Steuerfuss kommt nicht in Frage. Sonst würden wir entscheidend an Attraktivität einbüssen.»

Wenn Investitionen hinzukommen...

Wenn in dieser schwierigen Ausgangslage auch noch hohe Investitionen anstehen, steigt die Verschuldung gefährlich an. Ohne den Besserabschluss aus der Jahresrechnung 2019 würde der Nettoverschuldungsquotient bei rund 130 Prozent liegen. Nun ist er auf 76 Prozent gesunken. Aufatmen? Fehlanzeige.

Die zweite Etappe der Sanierung der Schulanlage Mitledi steht an. 45-jährig ist das Schulhaus, eine energetische Sanierung wie auch eine Aufstockung der Dachlast sind geplant. Ursprünglich war die Sanierung auf das Jahr 2020 vorgesehen gewesen. Arbeitsvergaben und Detailplanung zogen sich jedoch in die Länge, weshalb die 1,1 Millionen Franken teure Investition erst 2021 umgesetzt wird. Dann allerdings steht auch die Umsetzung des Anschlusses an die ARA Au St.Gallen an. Bis 2023 würden jährlich Ausgaben von rund 850000 Franken hierfür zu Buche schlagen. Die Verschuldung respektive der Nettoverschuldungsquotient würde ansteigen. Erreicht dieser 200 Prozent, geht die Finanzaufsicht an den Kanton über. Wie nahe kommt Hundwil an diese Grenze heran? «Detailliert haben wir den Finanzplan noch nicht aktualisieren können. Ich würde aber sagen, dass wir die 200 Prozent nicht gänzlich erreichen werden», so Müller.

Der Gemeinderat hat sich zu ausserordentlichen Strategiesitzungen getroffen, um Lösungen zu suchen, wie die Situation entschärft werden könnte. Gemäss der Gemeindepräsidentin sind die Vorarbeiten mittlerweile abgeschlossen, die einzelnen Ressorts sind nun angehalten, Sparmassnahmen auszuloten. Die Sanierung des Allwetterplatzes der Mitledi wurde bereits auf unbestimmte Zeit verschoben, genauso wie eine Dachsanierung des Schulhauses Lehnen im inneren Bezirk. «Aufgeschoben ist nicht aufgehoben», beschwichtigt Müller. «Das Hinauszögern von Investitionen ist das Einzige, was bleibt, um die Schwelle zu 200 Prozent nicht zu übersteigen.» Auch in punkto Unterhalt wurden Anpassungen vorgenommen. So wurde die Erneuerung der Schulzimmer etappiert. Weitere Einsparungsmöglichkeiten sind derzeit nicht vorgesehen.

Hoffen auf eine Entlastung nach 2023

Nach dem ausgabenstarken Jahr 2023 hofft die Gemeindepräsidentin auf zwei Jahre, in welchen die Investitionen auf ein Minimum zurückgehen. 2015, als die Turnhalle saniert wurde, fuhr Hundwil ebenfalls diese Strategie. Investitionen wurden in den Folgejahren zurückgefahren. Erst 2019 standen wieder Strassensanierungen an.

«Geht die Planung wie vorgesehen auf, können wir das Jahr 2023 ohne weitreichende Konsequenzen wie etwa der Aufsicht durch den Kanton überstehen», so Müller. Aber unvorhergesehene Ausgaben könnten immer kommen. Und dann würde Hundwil ins Straucheln geraten. Ein Blick in die Zehn-Jahres-Planung respektive den Aufgaben- und Finanzplan (AFP) der Gemeinde zeigt, dass die Sanierung der Pfandstrasse zirka 2023 ansteht. Die letzte Etappe der Schulhaussanierung fehlt noch. Und auch eine Alternative zur ARA Bömmeli steht auf der Investitionsliste. Anschlüsse Richtung Appenzell und Urnäsch müssen ebenfalls realisiert werden.

Wie lässt sich die finanzielle Situation Hundwil also langfristig verbessern? Müller hofft auf die Revision des Finanzausgleichsgesetzes. Dieses würde die Topografie der einzelnen Gemeinden berücksichtigen. «Irgendwo muss die Landwirtschaft ja angesiedelt werden, irgendwo muss man aussen im Grünen wohnen können; das ist Hundwil. An unserer Grundstruktur können wir nichts ändern.» Wird die Gesetzesrevision nicht durchgewunken, bleibt Hundwil nichts anderes übrig, als weiterzukämpfen, wie Müller sagt. Will heissen: Die Gemeinde muss eine umsichtige Finanzplanung vornehmen. Und ab und an auf einen Besserabschluss hoffen. Der könnte sogar tatsächlich in den kommenden Jahren wieder eintreffen. 350000 Franken des unvorhergesehenen Plus’ aus dem Rechnungsabschluss 2019 stammen aus dem Finanzausgleich wie auch aus einer Zunahme bei den ordentlichen Steuern der natürlichen und juristischen Personen. Müller hofft auch auf einen positiven Effekt, der sich durch die Aufhebung der Blockade bei den Auszonungen einstellen könnte. Würde wieder mehr gebaut werden, könnte die Bewohnerzahl steigen, was sich wiederum in den Steuereinnahmen niederschlägt. Bis Mitte Jahr sollte der Baustopp aufgehoben werden.