Hundwil meidet Unterstützung

HUNDWIL. Via Regierungsprogramm stellt Ausserrhoden den Gemeinden Unterstützung für deren Entwicklung in Aussicht. Als einzige Gemeinde nutzt Hundwil dieses Angebot nicht – obwohl der fehlenden Perspektiven wegen Einwohner wegziehen.

Bruno Eisenhut
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Zaghafte Entwicklung: Sehr viel Bodenfläche dient in Hundwil der landwirtschaftlichen Nutzung. Dies erschwert eine Arealentwicklung merklich. (Bild: Martina Basista)

Zaghafte Entwicklung: Sehr viel Bodenfläche dient in Hundwil der landwirtschaftlichen Nutzung. Dies erschwert eine Arealentwicklung merklich. (Bild: Martina Basista)

Oberstes Ziel des Ausserrhoder Regierungsprogramms 2012 bis 2015 ist die Zunahme der Wohnbevölkerung im Kanton. Um dieses Vorhaben zu erreichen, konzentriert sich die Regierung innerhalb des Regierungsprogramms auf die zwei Projekte «Arealentwicklung» sowie «Bauen & Wohnen». Damit die kantonale Strategie zur Erfolgsgeschichte wird, sollten Kanton und Gemeinden das Programm gemeinsam erarbeiten und umsetzen (siehe Kasten). Sollten, denn nicht jede Gemeinde beteiligt sich gleichermassen am Regierungsprogramm.

Hundwil bisher ohne Reaktion

Die projektverantwortlichen Personen (Bruno Bottlang und Dölf Biasotto) gelangten auf schriftlichem Weg an die Gemeindebehörden. Sie luden diese ein, kostenlose Unterstützung zu fordern. Diese könne in Form von «Manpower» oder «Moneypower» ausfallen, hiess es im offiziellen Schreiben. Beispielsweise zur Unterstützung von festgefahrenen Situationen oder als Know-how bei Planungs- und Bauverfahren. Als einzige Gemeinde reagierte Hundwil nicht auf die Einladung aus dem Regierungsprogramm und verzichtet somit auf sämtliche Unterstützung durch das Regierungsprogramm. Hinzu kommt ein brisantes Detail: Hundwils Gemeindepräsidentin Margrit Müller-Schoch ist Mitglied im Lenkungsausschuss des Regierungsprogramms und vertritt darin die Interessen der Gemeinden.

Landwirte wollen nicht

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Margrit Müller-Schoch: «Leider verfügen wir nicht über die nötigen Landflächen.» Mit gut 2400 Hektaren ist Hundwil flächenmässig zwar die drittgrösste Gemeinde, aber: «Der Anteil des landwirtschaftlich genutzten Bodens ist sehr gross», so Müller. Und hier liegt das Problem. Schon mehrfach hätten Gespräche mit einheimischen Landwirten stattgefunden, sagt die Gemeindepräsidentin. Die Besitzer der Bodenflächen horten das Land für Eigennutzen oder fordern Realersatz. Zudem verhindert ein Erbstreit ein konkretes Projekt im Dorfzentrum. «Trotz wiederholten Versuchen kommen wir einfach nicht vom Fleck», so Margrit Müller konsterniert. Als möglichen Lichtblick erwähnt die Gemeindepräsidentin eine Erschliessungsstudie beim zentrumsnahen Gebiet «Äckerli». Dort bahnt sich die Einzonung von wenigen Bauparzellen an. Aber: «Hätten einige Landwirte mitgemacht, wäre diese Fläche wesentlich grösser ausgefallen.»

Unterstützung nötig

Unter dem Begriff «Manpower» bieten die Projektverantwortlichen Dölf Biasotto und Bruno Bottlang den Gemeinden Unterstützung in der «Entwicklung von festgefahrenen Situationen an». «Diese Unterstützung werden wir wohl nächstens anfordern», zeigt sich die Gemeindepräsidentin überzeugt. Schliesslich verzeichnet Hundwil den zweithöchsten Rückgang an Einwohnern seit dem Jahr 2000. Margrit Müller-Schoch möchte die örtlichen Landwirte jedoch nicht als Sündenböcke für die ausbleibende Entwicklung hinstellen. «Die Bauern gehören zu unserem Dorf und benötigen die landwirtschaftlichen Flächen.» Dennoch finde sie es äusserst schade, wenn sich junge, einheimische Familien in Nachbargemeinden niederlassen, nur weil die Gemeinde Hundwil keine Perspektiven bieten könne.