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HUNDWIL: Ein Leben auf dem Gipfel

Marlies Schoch führte auf der Hundwiler Höhi seit 1971 keine gewöhnliche Beiz. Hier empfing sie Ausflügler, half Menschen in Lebenskrisen und beriet künftige Regierungsräte. Nun ist die Wirtin im Alter von 75 Jahren gestorben.
Michael Genova
«Appenzeller Landesmutter»: Viele Besucher baten Wirtin Marlies Schoch um Rat. (Bild: mab)

«Appenzeller Landesmutter»: Viele Besucher baten Wirtin Marlies Schoch um Rat. (Bild: mab)

HUNDWIL. Für Wanderer und Sinnsuchende ist die Hundwiler Höhe ein idealer Ort. Hier oben weitet sich der Blick und die Gedanken beginnen sich langsam zu ordnen. Und hier oben war Marlis Schoch während über 40 Jahren nicht einfach die Wirtin eines Bergrestaurants. Sie war für viele eine Vertraute, die man um Rat fragte. Nun ist sie nicht mehr, «die beste Wirtin der Schweiz», wie der «Tages-Anzeiger» sie einmal nannte. Am Samstag ist Marlies Schoch im Alter von 75 Jahren gestorben.

Beraterin in der Wirtsstube

Eine der Ratsuchenden war Margrit Müller-Schoch, Gemeindepräsidentin von Hundwil. «Ich habe mir bei ihr bis zuletzt politische Tips geholt», erinnert sie sich. Besonders intensiv seien ihre Diskussionen jeweils vor Wahlen gewesen. Schoch war während 20 Jahren Mitglied des Gemeinderats Hundwil und sass 12 Jahre lang im Kantonsparlament. Im Jahr 2011 trat Margrit Müller als Kantonsrätin in ihre Fussstapfen.

Zeitgenossen erinnern sich an Schochs soziale Ader und an ihre ruhige Art. Dabei konnte sie auch deutlich werden. «Sie hat immer ihre Meinung vertreten, wurde aber nie hitzig», sagt Margrit Müller. An diese Geradlinigkeit erinnert sich auch Regierungsrat Alfred Stricker. Er betreute zur selben Zeit wie Schoch als Gemeinderat das Ressort Soziales. Sie in Hundwil, er in Stein. Die politischen Geschäfte habe Schoch warmherzig, aber mit harter Hand geführt, so Stricker. «Im Sozialwesen gibt es keinen Luxus, aber Gerechtigkeit», pflegte sie zu sagen.

Eine weitere Episode ist Stricker gut in Erinnerung geblieben. Bei einem seiner Besuche auf der Hundwiler Höhi prophezeite Marlies Schoch ihm vor Jahren: «Du wirst einmal Regierungsrat.» Stricker wehrte ab und gab der erfahrenen Frau zu verstehen, dass sie sich in dieser Sache für einmal irrte. Sie sollte Recht behalten.

Während Jahren lud Marcel Steiner, der ehemalige Verleger der Appenzeller Zeitung, zu Gipfelgesprächen auf die Hundwiler Höhe ein. Dabei erlebte er Marlies Schoch als gute Geschichtenerzählerin. «Beeindruckt hat mich aber auch ihr respektvoller Umgang mit Menschen», so Steiner. Selbst wenn sie es nicht immer nur mit angenehmen Zeitgenossen zu tun hatte, so habe sie sich zwar kritisch, aber nie negativ über Menschen geäussert. Nicht zu vergessen sei ihr soziales Engagement. Schoch gab in ihrem Betrieb Menschen mit Migrationshintergrund oder geistiger Beeinträchtigung eine Chance.

Mit Bundesräten auf Augenhöhe

Im Verlauf der Jahre avancierte Marlies Schoch zu einem nationalen Medienstar. Sie war zu Gast im Radio und sass im Fernsehen bei Viktor Giacobbo und Mike Müller. Die «Weltwoche» nannte sie eine «Appenzeller Landesmutter» und für das «Migros Magazin» war sie «Marlies im Wunderland». Vor zwei Jahren war sie sogar Protagonistin in einem Dokumentarfilm des Schweizer Filmregisseurs Eric Bergkraut. Während der Dreharbeiten stolperte alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz in die Gaststube. Schoch wusste, dass Merz als Unternehmensberater häufig in Südamerika unterwegs war und überraschte ihn mit ihren Sprachkenntnissen. «Ich war erstaunt, dass jemand auf der Hundwiler Höhi Spanisch sprach», erinnert sich Merz. Auch mit Bundesräten und Professoren verkehrte Schoch auf Augenhöhe.

Marlies Schoch faszinierte durch ihre Präsenz. Bei einem Auftritt in der Fernsehsendung von Kurt Aeschbacher verwandelte sie das Fernsehstudio in ihre Gaststube. In sich ruhend sass sie da und sprach in einfachen Sätzen darüber, worauf es im Leben wirklich ankommt. Sie sei keine Rednerin, sondern eine Zuhörerin. «Die meisten Menschen wollen nur jemanden, der ihnen zuhört.»

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