HUNDERTJÄHRIG: «Jommere nützt nüt»

Am Pfingstmontag wird Benedikt Egger 100 Jahre alt. Der Jubilar wohnt im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil und findet, dass es ihm sehr gut gehe – er sei halt, sagt er verschmitzt, ein gesunder Typ.

Beatrice Bollhalder
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Benedikt Egger, der am 5. Juni 100 Jahre alt wird, liest täglich die Zeitung. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Benedikt Egger, der am 5. Juni 100 Jahre alt wird, liest täglich die Zeitung. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Beatrice Bollhalder

redaktion@toggenburgmedien.ch

Noch zweimal schlafen, dann kann Benedikt Egger seinen 100. Geburtstag feiern. Täglich die Zeitung lesen, sich immer noch ohne Hilfe anziehen und jeden Tag geniessen – so möchte doch jeder alt werden. Es gehe ihm sehr gut, vor allem wenn man das Alter berücksichtige. Klar, das Gehör habe etwas nachgelassen. Und auch die Augen seien etwas schwächer geworden. Die habe er einmal operieren müssen. «Aber i möcht nöd jommere, jommere nützt nüt. Ich habe es hier so gut. Im ‹Solino› wird man sehr gut betreut. Es ist schön, hier leben zu dürfen.» Er sei nie krank gewesen, und auch heute tue ihm gar nichts weh. Er habe einen guten, tiefen Schlaf, das sei wichtig, findet er. «Ich bin halt ein gesunder Typ», lacht der rüstige Jubilar. «Viele sagen, ich sehe jünger aus.» Er glaubt, dass das geheuchelt ist, aber jeder, der sich mit dem ehemaligen Bäckermeister unterhält, wird das feststellen.

Im Zweiten Weltkrieg Aktivdienst geleistet

Aber was ist das Geheimnis, dass Benedikt Egger es geschafft hat, so gesund hundert Jahre alt zu werden? «Ich habe nie geraucht. Aber ich möchte damit nicht sagen, dass es nicht auch mit diesem Laster möglich wäre, alt zu werden», hält der Pensionär lächelnd fest. Was ist es dann? Das tägliche Glas Rotwein? Oder seine Herkunft? Er ist vor fast einem Jahrhundert als Bauernbub im St. Galler Oberland auf die Welt gekommen. Auf einem Hof in Flums ist er zusammen mit seinen sechs Geschwistern aufgewachsen. Obwohl er der älteste war, ist er der einzige seiner Familie, der noch lebt. Nach der Schulzeit ging es ins ferne St. Gallen, um sich als Bäcker-Konditor ausbilden zu lassen. Zum Glück sei er noch ledig gewesen, als er während des zweiten Weltkrieges zum Aktivdienst eingezogen worden sei, erinnert er sich.

40 Jahre mit der Frau eine Bäckerei geführt

Im St. Galler Café Hersberger, in dem Benedikt Egger während elf Jahren als Chef der Bäckerei arbeitete, ist ihm Luisa, eine junge Frau aus Bütschwil, die in der Küche arbeitete, aufgefallen. Mit ihr an seiner Seite – eine erstklassige Frau, wie er mehrmals betont – hat er schliesslich während vier Jahrzehnten ein eigenes Geschäft, die Bäckerei Egger an der Oberstrasse im St. Galler Otmar-Quartier, geführt.

Seine Frau sei eine engagierte Geschäftsfrau mit einem guten Herzen gewesen. Leider sei sie vor zwei Jahren verstorben. «Sie fehlt mir immer noch. Ich sehe mir dann das Foto auf dem Tisch an und rede mit ihr … Aber sie gibt keine Antwort», sinniert der Jubilar. Aber gleich strahlen seine Augen wieder, denn er erinnert sich gern an die gemeinsame Zeit – und die dauerte lange, immerhin waren die beiden 68 Jahre lang verheiratet. Vier Kinder sind ihnen geschenkt worden, von denen das älteste schon bald seinen 70. Geburtstag feiern kann. Das jüngste, die einzige Tochter, wohnt in Bütschwil. In der Nähe des Solino. Und dort ist das Ehepaar Egger vor fünf Jahren hingezogen, nachdem sie zuvor noch während 25 Jahren in Engelburg gewohnt hatten.

An Skirennen, Tennis und Fussball interessiert

Sein Hobby, das Jassen, hat Benedikt Egger vor ein paar Jahren aufgeben müssen. Sportlich habe er sich als Flumser natürlich in der Jugend gern auf den Skiern fortbewegt, in der Stadt fehlte es dann aber, leider, an Möglichkeiten und an der Zeit. Heute sieht er sich die Skirennen im Fernsehen an. Aber auch Tennis interessiert ihn. Und wen wundert’s, er ist ein grosser Fan des FC St. Gallen und verfolgt jedes seiner Spiele.

Mit der Technik, die sich in den letzten 100 Jahren rasend schnell entwickelt hat, kann der Jubilar aus dem «Solino» nicht viel anfangen. Er benötigt lediglich einen Fernseher, um sich sportlich zu informieren. Und er braucht Musik. Marschmusik hört er sehr gern. Deshalb freut er sich auch besonders auf seinen Geburtstag. Am Pfingstmontag, 5. Juni, wird nämlich die Musikgesellschaft Bütschwil für ihn und seine Familie aufspielen.