Hundert Jahre und bald fusioniert

WATTWIL/EBNAT-KAPPEL. In der Wattwiler Markthalle feierte die Raiffeisenbank Ebnat-Kappel ihren 100. Geburtstag mit einer Unterhaltungsgala. Die Generalversammlung hatte zuvor mit 509 Ja zu 22 Nein der Fusion mit der Raiffeisenbank Wattwil zugestimmt.

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Bankführung schneidet Hochzeitstorte: links Bankleiter Urban Koller, rechts Verwaltungsratspräsident Urs Scheuber. (Bilder: cbu)

Bankführung schneidet Hochzeitstorte: links Bankleiter Urban Koller, rechts Verwaltungsratspräsident Urs Scheuber. (Bilder: cbu)

Die Genossenschafter der Raiffeisenbank Ebnat-Kappel entschieden sich deutlich für den Namen «Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg» und somit zur Fusion mit der Raiffeisenbank Wattwil. Am Samstagabend kamen 559 Genossenschafter zur Jubiläums-Generalversammlung. Bankleiter ad interim Urban Koller präsentierte solide Zahlen: Die Raiffeisenbank Ebnat-Kappel ist mit ihren 100 Jahren sehr gut in Form, ja man kann sogar sagen, sie sei fitter denn je.

Enormer Mitgliederzuwachs

«Im vergangenen Jahr war bei uns Konsolidierung gross geschrieben», so Urban Koller. «Das bedeutete, geringe Risiken einzugehen. Und doch verzeichnen wir enormen Zugang bei den Mitgliedern und wir haben 2 Millionen Franken mehr Spargelder erwirtschaftet.» Wie in der Jahresrechnung ersichtlich, beträgt der Personalaufwand 1,68 Millionen Franken. «Unsere Mitarbeiter sind für uns das höchste Gut – daher investieren wir in sie, so dass sich unsere Genossenschafter jederzeit in guten Händen wissen.» Der Jahresgewinn für das Jahr 2010 ist mit 475 000 Franken beziffert.

«Ver-rücktes» Geschäftsjahr

In seinem Bericht über das vergangene Geschäftsjahr hielt Verwaltungsratspräsident Hans-Ruedi Schweizer vieles für «ver-rückt»: Die Bankenwelt sei in den vergangenen Jahren <ver-rückt> worden. Zwar habe sich die Situation vieler Banken wieder beruhigt. Doch auf der ganzen Welt werde versucht die Regeln für das Bankengeschäft zu verschärfen.

Aber die Raiffeisen sei nur am Rande betroffen. Hans-Ruedi Schweizer: «Unser Geschäftsmodell hat sich bewährt.» Es herrsche jedoch ein sehr tiefes Zinsniveau, der Kampf um jeden einzelnen Kunden gehe weiter und entsprechend gerieten die Margen unter Druck. Die Fusion mit der Raiffeisenbank Wattwil sei das ideale Mittel, um in diesem «ver-rückten» Wettbewerb standzuhalten. «Zwei starke, gesunde Banken gehen mit dieser <Heirat> zusammen in die Zukunft.»

Erstes funktionierendes Projekt

«Die <Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg> ist das erste gemeinsame Projekt nach den Busbetrieben BLWE, das zwischen den Gemeinden Lichtensteig, Wattwil und Ebnat-Kappel funktioniert», freute sich Hans-Ruedi Schweizer über die Zusage der Genossenschafter. Ja sagten diese auch zu den drei vorgeschlagenen Vertretern Larissa Egli Gamma, Elsbeth Hänni und Ulrich Hartmann. Sie wurden einstimmig in den Verwaltungsrat der «Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg» gewählt.

Hochzeitstorte zur Fusion

Feinste «Toggeburger Choscht» serviert auf sechs Tonnen Geschirr und jede Menge Unterhaltung: So gestaltete sich der zweite Teil der Jubiläums-GV der Raiffeisenbank Ebnat-Kappel. Genossenschafter und Gäste liessen es sich gut gehen. Nach dem ersten, administrativen Teil der Generalversammlung wurde die Stimmung in der Markthalle zunehmend entspannter. Es wurde geplaudert und einander zugeprostet, man kennt sich. Doch mit einem Male wurde es ruhig. Von draussen drangen Schellenklänge zur Festgesellschaft: Die «Ischellner Churfirsten» läuteten den gemütlichen Teil des Abends ein. «Wir sind beständig», erhob Hans-Ruedi Schweizer das Wort, «und die Ischellner sind ein Sinnbild dafür.» Zudem biete die Raiffeisenbank bedingungslose Qualität. Und als Moderator Marco Fritsche Hans-Ruedi Schweizer nach den berühmten drei Wünschen fragte, schmunzelte dieser: «Nun, das ist einfach: Ich wünsche der <Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg> ein Messer – damit kann sie messerscharf kalkulieren. Dann eine Gabel. Diese braucht es, damit man dort zustechen kann, wo das beste Stück ist. Und nicht zuletzt einen Löffel. Mit diesem kann man abrahmen.»

Vom Lehrling zum Regierungsrat

Nicht abgerahmt, sondern sich in den 1970er-Jahren in der Raiffeisenbank Ebnat-Kappel ausbilden lassen hatte sich der heutige Obwaldner Regierungsrat Niklaus Bleiker. Wie damals seine Ausbildungszeit war, wollte Fritsche in seinem breiten Appenzeller Dialekt wissen. «Nun, im Sommer helfen beim Rasenmähen. Das gehörte dazu. Allerdings durfte ich nur <scherlen> und der Chef hat den Rasenmäher bedient.» Aber er hätte sich keinen besseren Lehrmeister als Ernst Dobler vorstellen können. Es gab aber nicht nur viele Lacher in der «Raiffeisen-Elefantenrunde». Vielmehr setzte die Veranstalterin auf Ausgewogenheit, und das nicht nur in der Menu-Abfolge, sondern auch in den Darbietungen. Die Akrobaten von «Triangle» versetzten das Publikum mit ihrem Können so sehr in Erstaunen, dass sich dieses nach dem kunstvollen Auftritt gerne mit der Vorspeise stärkte. Passend zur Fusion wurde vor dem Hauptgang die «Hochzeitssuppe» serviert.

Mehrere Zugaben

Doch vor dem eigentlichen Höhepunkt des Abends – dem Anschneiden der Hochzeitstorte – heizten die «Swing Kids» der Raiffeisen-Familie so richtig ein. Die Musiker, allesamt im Alter zwischen 9 und 17 Jahren, spielten so brillant, dass das Publikum mehrere Zugaben forderte. Bei der letzten kamen schliesslich die zu Versammlungsbeginn abgegebenen Taschenlampen zum Einsatz: Die Gäste standen auf und hielten ihre Lampen in die Höhe. Ein Lichtermeer erhellte die Markthalle. (cbu)

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