Hundeführer und Hunde im Training

REGION. Trifft ein Alarm bei einem Lawinenhundeführer ein, muss schnell und überlegt gehandelt werden. Oft wird das Rettungshunde-Team mit einem Helikopter ins Unfallgebiet geflogen. Am Samstag hatten Hundeführer aus dem Gebiet der Alpin Rettung Ostschweiz Gelegenheit zum Üben.

Christiana Sutter
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Hanspeter Schaller und sein Border Collie Lucky.

Hanspeter Schaller und sein Border Collie Lucky.

Woran muss gedacht werden, wenn man sich einem Helikopter nähert? Wie verhält sich ein Hund, wenn er in einen Helikopter einsteigen muss? Kann mit dem Piloten und dem Flughelfer während des Fluges gesprochen werden? Damit diese und viele weitere Fragen beantwortet werden konnten, organisierte der Lawinenhundeführer Hanspeter Schaller aus Wildhaus am Samstagmorgen eine realistische Übung für Lawinenhundeführer und ihre Suchhunde aus der Ostschweiz sowie vier Gäste der Hundestaffel Allgäu.

Für diese Übung stellte ihnen die Rega während zwei Stunden einen Rettungshelikopter zusammen mit dem Rettungsteam der Basis Gossau zur Verfügung. Solche Übungen seien aufwendig und kostspielig, sagte Hanspeter Schaller. «Die letzte Übung mit dem Helikopter liegt sicher schon zehn Jahre zurück.» Mit dieser Übungsmöglichkeit soll der Hundeführer Handgriffe am Helikopter üben können und die Verhaltensweise seines Hundes kennen lernen. Bevor der Helikopter am Samstagmorgen in der Hägis oberhalb des Schwendisees in Wildhaus eintraf, instruierte Hanspeter Schaller seine Kollegen, wie die Übung abläuft. Gleichzeitig war auf dem späteren Übungsfeld in den Schlachtböden, zwischen Chäserrugg und Gamserrugg, Übungsleiter Peter Diener aus Wildhaus mit seinen Helfern im Einsatz, Such-objekte und Figuranten zu vergraben.

Inzwischen breitete sich in der Hägis unter den Hunden Nervosität aus, denn diese merkten, dass da etwas Spezielles geschah. Bevor der Helikopter eintraf, gab Schaller den Hundeführern Anweisungen, in welchem Bereich des Helikopters man sich aufhalten darf, denn wenn die Rotoren des Helikopters in Bewegung sind, funktionieren sie wie Sägeblätter. Dann endlich war es so weit, schon von weitem hörte man den Helikopter. Hanspeter Schaller wies den Helikopter ein.

Langsam ist schneller

In einer ersten Phase erklärten Pilot Andreas Flütsch und Rettungssanitäter Ruedi Güttinger die Ausstattung des Helikopters. Als erstes fiel auf, dass der Innenraum nicht gerade viel Platz aufweist. Da ist die Liege für den Verletzten, zwei schmale Sitze in Flugrichtung und ein Sitz mit dem Rücken zum Cockpit. Der anwesende Notarzt wies auf die medizinischen Instrumente hin. Dieser war bei der Übung dabei, weil die Da Vinci und das Rettungsteam an diesem Tag auch Pikett hatten. Wäre ein Alarm eingetroffen, hätte die Übung sofort abgebrochen werden müssen.

Pilot Andreas Flütsch informierte die Retter, dass sie sich nie hinter der Schiebetüre aufhalten dürfen. «Dort habe ich euch nicht im Sichtfeld.» Dann zeigte der Pilot den Anwesenden, wie in den Helikopter eingestiegen werden muss. Mit den Worten «langsam ist manchmal etwas schneller» erklärte er auch, warum das so ist. «Schnelle hektische Bewegungen können den Heli ins Kippen bringen.» Vor dem Einsteigen sollte man auch die Steigeisen ausziehen. Denn wenn man auf den Tritt steigt und etwas zu hastig ist, könnten die Spitzen der Eisen Löcher in den Helikopter schlagen. «Das wäre für das Flugverhalten des Heils sehr schlecht», sagte der Pilot schmunzelnd. Der Rettungssanitäter zeigte den Hundeführern, wie die Türe geöffnet werden muss. «Das scheint banal, ist aber eine Handhabung, die man üben sollte.» Denn jede Tür eines Helikopters lässt sich anders bedienen. Anschliessend startete der Pilot den Heli. Dies war der Moment für Hundeführer und Hunde, sich dem Helikopter in einer geduckten Haltung zu nähern, in das Innere des Helikopters zu steigen, sich kurz zu setzen, Kopfhörer an- und auszuziehen und den Helikopter wieder zu verlassen. Es schien, dass die Hunde Freude an dieser Übung hatten. «Es gibt Hunde, die Helikopterfliegen lieben und während dem Flug interessiert aus dem Fenster schauen», sagte Hanspeter Schaller. Ein Grund könne auch sein, dass der Hund spüre, dass es jetzt an die Arbeit gehe. In einer Vorführsequenz demonstrierte Hanspeter Schaller mit seinem Border Collie Lucky einen Rettungseinsatz mit Seilwinde. Dafür zog Schaller Lucky ein «Fluggschtältli» an, fixierte ihn mit einem Karabiner an seinem «Gschtältli» – und schon zog der Heli die beiden an der Winde hinauf.

Helikopterflug ins Gebiet

Die letzte Übungsphase war der Helikopterflug von der Hägis hinauf ins Übungsgelände. In zehn Rotationen wurden Hundeführer und Suchhunde ins Gebiet geflogen. Beim ersten Flug dabei der Appenzeller Sepp Manser mit seiner Schäferhündin Diva. Beim Anflug ins Gebiet bat er den Piloten über Funk, zuerst über das fiktive Lawinenfeld zu fliegen. «Der erste Retter vor Ort muss sich zuerst ein Bild der Unfallstelle aus der Luft verschaffen.» Dann setzte die Da Vinci langsam auf. Der Helfer am Boden wies den Heli ein, nahm das Material des Hundeführers entgegen und half Retter und Hund den Heli zu verlassen. Manser bekam erste Anweisungen von Peter Diener. Dann übernahm der Hundeführer bis zum Eintreffen des nächsten Hunde-Rettungs-Teams das Kommando. Jedes ankommende Team verständigte sich zuerst per Funk und nahm Anweisungen entgegen. Nach rund einer halben Stunde waren alle 18 Hunde-Rettungs-Teams mit dem Heli ins Gebiet Schlachtböden geflogen worden. Der Rega-Heli flog anschliessend zurück in die Basis nach Gossau.

Belohnung für den Hund

Am Boden begaben sich die Teams sofort auf die Suche nach Verschütteten (eingegrabenen Figuranten) oder Suchobjekten. Man konnte beobachten, dass Suchhunde, wenn sie Fährte aufnehmen, kaum mehr zu halten sind, sofort Laut geben und mit den Vorderpfoten zu graben beginnen. Anschliessend half der Hundeführer dem Hund mit der Schaufel nach. Welche Freude und welch ein Gebell, wenn ein Verschütteter gefunden wurde. Der Figurant im Schneeloch gab dem Hund für seinen erfolgreichen Fund eine Belohnung. Die Hauptübung der Alpin Rettung Ostschweiz war damit aber noch nicht beendet. Die Verantwortlichen nutzten die Gelegenheit, auch am Samstagnachmittag und Sonntag mit ihren Hunden für den Ernstfall zu trainieren.

www.alpinerettung.ch

Hanspeter Schaller und Lucky demonstrierten den Einsatz an der Seilwinde.

Hanspeter Schaller und Lucky demonstrierten den Einsatz an der Seilwinde.

Der Flughelfer am Boden nimmt das Material des Retters entgegen und hilft beim Ausstieg aus dem Helikopter.

Der Flughelfer am Boden nimmt das Material des Retters entgegen und hilft beim Ausstieg aus dem Helikopter.

Die Suchhündin Diva hat den Verschütteten gefunden. Der Hundeführer und ein weiterer Retter waren dann mit den Schaufeln gefragt. (Bilder: Christiana Sutter)

Die Suchhündin Diva hat den Verschütteten gefunden. Der Hundeführer und ein weiterer Retter waren dann mit den Schaufeln gefragt. (Bilder: Christiana Sutter)