Hühnergegacker zum Auftakt

Mit dem Auftritt des Engel-Chörlis starteten am Mittwochabend die Kirchberger Kulturtage. In Anbetracht des grossen Zuschaueraufmarschs darf man von einem gelungenen Auftakt sprechen.

Michael Hug
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Mal traditionell, mal slapstickartig: Das Appenzeller Engel-Chörli stiess auf grosse Begeisterung. (Bild: Michael Hug)

Mal traditionell, mal slapstickartig: Das Appenzeller Engel-Chörli stiess auf grosse Begeisterung. (Bild: Michael Hug)

KIRCHBERG. Für Überraschungen ist das Appenzeller Engel-Chörli immer gut, und mit Engeln hat ihr Auftritt aber auch gar nichts zu tun. Die acht Engel-Männer haben es vielmehr faustdick hinter den Ohren. Das Oktett beginnt, wie man es von einem Jodelchörli erwarten kann: Mit traditionellen Jodelliedern und Naturjodelstücken. Dazwischen lockert der musikalische Leiter, Emil Koller, mit lockeren Sprüchen die Stimmung auf: «Wir sind heute sehr froh um alle, die keinen Grill daheim haben!» Er meinte auch, dass man eigentlich das Programm für den Herbst aufführen wollte, doch da es immer noch Sommer sei, lasse man den Plan fallen und improvisiere. Natürlich, einem Appenzeller – erst recht, wenn er auf den Stockzähnen grinst – darf man nie alles abnehmen. Da ist immer viel Schalk dabei, und manches nicht ganz ernst gemeint.

Grosse Herausforderung

Nicht nur Koller und seine Engel hatten eine Riesenfreude, dass dermassen viel Publikum den Auftakt der Kulturtage sehen wollten. Das OK des Kulturvereins Open Ohr sah sich vor eine grosse Herausforderung gestellt: Wie bringt man über hundert Personen ins Depot, noch dazu, wenn alle sitzen wollen? Nächste Frage: Wie halten sie es eineinhalb Stunden darin aus bei dieser Hitze? Das erste Problem löste man, indem man den Vorverkauf ein paar Tage zuvor abbrach – «Ausverkauft» hiess der Bescheid, der manchen betrübt haben dürfte. Doch gegen die Hitze des Abends – es herrschten um halb acht immer noch 29 Grad im Freien – half wenig. Das kleine Fensterchen im Saal öffnen, die Tür etwas offen lassen, mehr ging nicht.

Bitte nicht bewegen

«Es freut uns natürlich sehr, wenn wir Applaus bekommen», meinte Sänger Koller nach einer Viertelstunde, «aber bitte bewegt euch dabei nicht allzu sehr, sonst kommt die ganze Wärme auf die Bühne!» Nach der Pause präsentierte sich das Engel-Chörli von einer ganz anderen Seite. Weg mit Traditionellem, weg mit den Brusttüchern. Und es gab noch eine Lockerung für die Männer, Koller: «Ich erlaube euch etwas Tenueerleichterung: Ihr müsst nicht mehr zwingend die Hände in den Hosensäcken lassen!» Dann hoben die Appenzeller Engel zu neu arrangierten Pop-songs an, zu Liedern aus der goldenen Swing-Ära, zu einem Rocksong à la Status Quo und zu einem «Lumpenliedli» mit viel Hühnergegacker. Ausserdem sprach das Jodel-Oktett singend das Problem der «Hosenladen» an ihren Sennenhosen an – doch wie man sie denn nun wirklich öffnet, verrieten sie nicht.

Kulturtage eingeläutet

Damit sind die Kulturtage auf dem Tellplatz eingeläutet. Der Aufmarsch der Besuchenden war beeindruckend. Nicht nur die Fans des Engel-Chörlis stellten sich ein, während des Auftritts füllten sich auch die originell dekorierte Palettenbar und die Palounge. Es gab Appenzeller Siedwürste und Appenzeller Biber. «Alles paletti» sozusagen, getreu dem Motto des viertägigen Kleinkulturfestivals.

Das OK lässt verlauten, dass der Zutritt zum Festgelände (ausser am Samstagabend) keinen Eintritt kostet. Nur für die Auftritte im Depot werden Tickets verkauft, die im übrigen noch nicht ausverkauft sind.