«Heruntergekommene Absteige», «Ungeziefer und Legionellen»: Deutscher Tourist teilt gegen Hotel Park in Heiden aus – Betreiber empört über Kritik

Ein unzufriedener Gast bemängelt Zimmer und Sauberkeit des Heidler Beherbergungsbetriebs. Die Betreiber fühlen sich verunglimpft.

Karin Erni
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Das Hotel Park wird nicht nur von Übernachtungsgästen, sondern auch durch einen Heidler Kindergarten genutzt.

Das Hotel Park wird nicht nur von Übernachtungsgästen, sondern auch durch einen Heidler Kindergarten genutzt.

Bild: Karin Erni

«Es ist die mit Abstand heruntergekommenste, ungepflegteste und verwahrloseste Absteige, in der wir jemals übernachtet haben», schreibt ein gewisser Christian Preiser aus Frankfurt am Main in einem E-Mail, das neben vielen anderen Empfängern auch die Tagblatt-Medien erreicht hat. Der Deutsche war am 3. Januar für eine Nacht im Hotel Park in Heiden abgestiegen. 130 Franken habe er für ein Doppelzimmer bezahlt. Den Preis bezeichnet er als «tolldreiste Unverschämtheit, die an Betrug grenzt». Für die viel gerühmte Schweizer Hotellerie sei das «Park» eine Schande, so der Schreiber. Und fügt an:

«Das Hotel Park ist für die Unterbringung von Gästen keinesfalls geeignet.»

Auf seiner Internetseite empfiehlt sich das Hotel Park für Gruppen- und Vereinsreisen. Gemanagt wird es vom benachbarten Hotel Heiden. Der dortige Gastgeber Erich Dasen ist entrüstet über die Vorwürfe. Er habe nach der Reklamation umgehend mit der Gouvernante die Zimmer besichtigt. Alles sei in Ordnung gewesen. «Hier putzt dasselbe Personal wie bei uns.» Er räumt aber ein, dass durch die Absperrgitter vor dem Haus und die fehlende Beleuchtung ein ungünstiger Eindruck bei den Gästen entstehen könne, wenn sie nachts anreisen würden.

Lange Leidensgeschichte

Mario Rossatti führte das Hotel Park über 30 Jahre lang. Im Jahr 2010 verkaufte er den Betrieb an die mit dem Hotel Heiden eng zusammenarbeitende Hotel Park Heiden AG. Teilhaber sind der ehemalige Ausserrhoder Regierungsrat Hanswalter Schmid, der gleichzeitig Verwaltungsratspräsident des Hotels Heiden ist, und Paul Preisig vom gleichnamigen Baugeschäft. Sie wollten mit dem Kauf einen Konkurrenzbau für das benachbarte Hotel Heiden verhindern. 2012 wurde entschieden, das Hotel Park abzureissen, um auf dem bisherigen und einem angrenzenden Grundstück ein neues Hotel mit 50 Doppelzimmern zu bauen. Dieses sollte durch das Hotel Heiden betrieben werden. Vorgesehen war zudem, eine Tiefgarage mit mindestens 60 Parkplätzen für die beiden Betriebe zu realisieren. Es wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt. 2013 wurde ein konkretes Vorprojekt vorgestellt. 2015 musste sich der Verwaltungsrat der Hotel Heiden AG als Bauherr für eine oberirdische Parkierungsanlage entscheiden, da der Bau einer Tiefgarage aus topografischen und finanziellen Gründen nicht in Frage kam. Er beabsichtigte deshalb, 53 bis 58 Parkplätze im «Lindenpärkli» zu erstellen. Diese wurden jedoch nicht bewilligt. 2016 beschloss der Verwaltungsrat, das Projekt Park auf Eis zu legen und statt dessen die Erneuerung des Hotels Heiden voranzutreiben. (ker)

Die genannten Absperrgitter sind vor dem Haus platziert, weil die Schule Heiden die ehemaligen Restauranträumlichkeiten im Parterre während des Umbaus für einige Monate als Provisorium nutzt. Die Gitter sollen die Schüler vor dem Strassenverkehr schützen. Für Gemeindepräsident Gallus Pfister ist die Zwischennutzung eine gute Situation:

«Wir haben Freude, dass wir die Räume nutzen dürfen, und haben sie in Eigenregie in Schuss gebracht und eingerichtet.»

Sie genügten den schulischen Anforderungen der Basisstufe, und auch der Sicherheit der Kinder werde genügend Rechnung getragen.

Gesundheitsgefährdung durch Schimmel und Keime

In seinem Rundumschlag warnt der unzufriedene Gast die Gemeindebehörden vor Ungeziefer, Schimmelsporen und Legionellen, die schädlich für die Kinder sein könnten. Bei einem persönlichen Augenschein vor Ort ist von den von Christian Preiser genannten Zuständen indes wenig bis nichts zu sehen. Durch den Schulbetrieb herrscht wohl eine gewisse Unordnung im Hauseingang und Kinder flitzen immer wieder durch die Räume. Der Teppichboden im Gang ist zwar alt, sieht aber sauber aus. Auch von Schimmelpilz in den Duschen ist absolut nichts zu sehen. Eine Lehrerin sagt, sie hätte am Anfang befürchtet, dass es im Haus kalt sein könnte, doch dem sei nicht so. Auch die von Preiser heraufbeschworenen Legionellen in den Leitungen dürften gemäss Erich Dasen keine Chance haben.

«Die Heizung erwärmt das Wasser regelmässig auf 70 Grad, um allfällige Keime abzutöten.»

Auch die vom Gast bemängelten Elektroinstallationen seien vor zwei Jahren von Amtes wegen überprüft und für sicher befunden worden.

Das Hotel Heiden war zu dem Gast zu teuer

Die Hotelzimmer im «Park» sind zwar alt, aber relativ grosszügig und haben teilweise Fernseher. Am Preis von 130 Franken für ein Doppelzimmer mit Dusche verdienten sie eigentlich nichts, sagt Erich Dasen. Der Zimmerpreis decke lediglich die Kosten für die Bereitstellung, Reinigung, Miete und Heizung. Die Gäste könnten zudem das reichhaltige Frühstücksbuffet im Hotel Heiden nutzen.

Der besagte Gast habe das Zimmer online gebucht, erklärt der Hoteldirektor weiter. «Auf der Website ist klar ersichtlich, dass es sich um eine eher einfache Unterkunft handelt. Meine Mitarbeiter haben dem unzufriedenen Gast an jenem Abend angeboten, dass er mit einem Rabatt im Hotel Heiden übernachten könne. Doch das war ihm zu teuer.»

Günstige Hotelzimmer sind gefragt

Christian Preiser moniert in seinem E-Mail weiter, dass durch diesen Hotelbetrieb die Attraktivität der touristischen Destination Heiden leiden könnte. Dem widerspricht Erich Dasen:

«Es wäre schade, ein funktionierendes Gebäude im Dorfzentrum jahrelang leer stehen zu lassen.»

Durch die Zwischennutzung könne man den Gästen in Heiden Zimmer in verschiedenen Preiskategorien anbieten. Die bescheidenen Einnahmen aus den Nutzungen werden gemäss Dasen vollumfänglich für den Unterhalt des Gebäudes eingesetzt. In den letzten Jahren seien Heizung, Böden und Duschen erneuert worden. Der grösste Teil der Gäste sei mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis des Hauses zufrieden, sagt Dasen. «Die Bewertungen im Internet sind in den letzten Jahren kontinuierlich besser geworden. Und nächste Woche sind beispielsweise alle Zimmer wieder besetzt.»