Hotel Mama – 5 Sterne all inclusive

Sozialtipp

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Wenn erwerbstätige Kinder mit ihnen unter einem Dach leben, dürfen die Eltern ein angemessenes Kostgeld und eine Entschädigung für ihren Arbeitsaufwand verlangen. (Bild: Luca Linder)

Wenn erwerbstätige Kinder mit ihnen unter einem Dach leben, dürfen die Eltern ein angemessenes Kostgeld und eine Entschädigung für ihren Arbeitsaufwand verlangen. (Bild: Luca Linder)

Jugendliche bleiben zunehmend länger im elterlichen Haushalt wohnen. Dieser Trend ist im Einzelfall nicht immer unproblematisch. Der Sohn (22 Jahre) beteiligt sich nicht an der Hausarbeit und bedient sich am Kühlschrank, ohne sich finanziell einzubringen. Die Tochter (19 Jahre) weigert sich, einen Betrag von ihrem Einkommen zu Hause abzugeben, geniesst jedoch regelmässig das frisch gekochte Abendessen von Mama und Papa. Müssen Eltern das so akzeptieren?

Die Antwort ist Nein. Eltern sind oft gehemmt, bei ihren Jungen ein angemessenes Kostgeld sowie eine Entschädigung für ihren Arbeitsaufwand einzufordern. Die Grundlage dafür bildet der Gesetzesartikel 323 Absatz 2 im ZGB mit folgendem Wortlaut: «Lebt das Kind mit den Eltern in häuslicher Gemeinschaft, so können sie verlangen, dass es einen angemessenen Beitrag an seinen Unterhalt leistet.» Nun stellt sich die Frage, was unter einem «angemessenen» Betrag zu verstehen ist. Die Budgetberatung Schweiz gibt dazu jährliche Kostgeldvorschläge für Jugendliche und Lernende ab.

Mit den Jugendlichen ein Budget erstellen

Die Sozialen Fachstellen Toggenburg empfehlen die Erstellung eines Budgets gemeinsam mit den Jugendlichen. Die Festlegung des Kostgeldes sollte verhältnismässig, das heisst den finanziellen Möglichkeiten der Jugendlichen individuell angepasst sein. Dabei ist zu berücksichtigen, ob die Jugendlichen sich an der Hausarbeit beteiligen oder den Rundumservice der Eltern geniessen. Ist der Sohn oder die Tochter nicht bereit, sich angemessen an der Hausarbeit zu beteiligen, können die Eltern zusätzlich zum Kostgeld als Entschädigung für ihren Aufwand bis zu 25 Franken pro Stunde verlangen. Dieser Betrag ist ebenfalls individuell davon abhängig, ob sich die Jugendlichen in der Erstausbildung befinden oder bereits ausgelernt sind – das heisst, wie hoch ihr Einkommen ist.

Die Sozialen Fachstellen Toggenburg empfehlen betroffenen Eltern, mutig und fair im Gespräch mit ihren Jugendlichen und konsequent in der Durchsetzung zu sein. Eltern sollten ihren Kindern klar aufzeigen, welche Bedingungen sie an das Zusammenleben knüpfen. Zudem müssen die Jugendlichen lernen, mit ihrem Einkommen zu haushalten und ihre Lebenshaltungskosten einzuschätzen.

Sandra Wessels und Ursina Gabathuler

Unter der Adresse www.budgetberatung.ch finden die betroffenen Eltern und Interessierte die Kostgeldvorschläge und Budgetvorlagen. Die Sozialen Fachstellen Toggenburg stehen Einwohnerinnen und Einwohnern der Gemeinden Ebnat-Kappel, Hemberg, Lichtensteig, Neckertal, Nesslau, Oberhelfenschwil und Wildhaus-Alt St. Johann bei Fragen gerne zur Verfügung.