Hotel Hirschen steht zum Verkauf

Nach nur eineinhalb Jahren steht das Hotel Hirschen in Alt St. Johann bereits wieder zum Verkauf. Wegen eines fehlenden Wirtepatents musste der Betrieb von Hotel und Restaurant schon Mitte März geschlossen werden.

Urs M. Hemm
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Rolf Züllig Gemeindepräsident Wildhaus-Alt St. Johann

Rolf Züllig Gemeindepräsident Wildhaus-Alt St. Johann

ALT ST. JOHANN. Im Sommer 2013 sah die Zukunft noch rosig aus. Helga und Ernst Taibinger, die 36 Jahre lang das Hotel Hirschen in Alt St. Johann geführt hatten, hatten nach langer Suche einen Käufer für den traditionsreichen Gastronomiebetrieb gefunden. Jetzt, eineinhalb Jahre nach der Wiedereröffnung, steht die Liegenschaft bereits wieder zum Verkauf, die Türen sind seit dem 12. März geschlossen. «Die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann hat uns keine Betriebsbewilligung mehr erteilt», sagt Peter Hofer, Technischer Leiter der Grimontana AG, die Besitzerin und Betreiberin der Liegenschaft ist. «Unter diesen Umständen», sagt Hofer, «bleibt uns keine andere Wahl, als den Betrieb zu verpachten oder zu verkaufen.» Als Verhandlungsbasis nennt Hofer einen Verkaufspreis von 1,5 Millionen Franken.

Ohne Patent – Schliessung

Grund für die Schliessung sei nicht eine nichterteilte Betriebsbewilligung, sondern die Tatsache, dass niemand über ein Patent verfüge, welches gemäss Lebensmittelgesetz für das Führen eines Gastronomiebetriebs nötig ist, sagt Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann. Verantwortlich für die Erteilung dieses Patents ist die Gemeinde. Jedoch: Seit dem Besitzerwechsel 2013 hat die Gemeinde bereits drei verschiedenen Personen das Patent für die Leitung des «Hirschen» erteilt, sagt Züllig. «Damit wir dieses erteilen können, müssen verschiedene Voraussetzungen, wie beispielsweise Kurse in Lebensmittelhygiene und Kenntnisse in Betriebswirtschaft, nachgewiesen werden können», erläutert er. Bei den vorhergehenden Betriebsleitern des Hotel Hirschen seien diese Voraussetzungen jeweils gerade noch erfüllt gewesen. Nun sei bereits wieder der nächste Wechsel in der Betriebsleitung angestanden. Doch jetzt habe es keinen Kandidaten für die Betriebsleitung gegeben, der die Anforderungen erfüllte, damit ihm ein Patent habe erteilt werden können. «Letztlich trägt die Gemeinde mit jedem erteilten Patent die Verantwortung für die Gäste einerseits, andererseits aber auch für die Lieferanten, damit diese zu ihrem Geld kommen.» Und solange niemand für die Leitung des Betriebs über ein Patent verfüge, müsse laut Gesetz der Betrieb geschlossen bleiben.

Unglücklich bei Personalwahl

«Es stimmt, dass wir bei der Auswahl unserer Geschäftsführer bisher keine glückliche Hand hatten», räumt Peter Hofer ein. Zwei hätten den Bettel nach nur wenigen Wochen hingeschmissen, weil sie mit der Aufgabe offenbar überfordert waren, eine andere habe Geld unterschlagen, erläutert er. Jedesmal aber sei er eingesprungen und habe den Betrieb wieder auf Kurs gebracht. Und der Erfolg sei nicht ausgeblieben. So sei beispielsweise der «Hirschen»-Saal von diversen Vereinen als Proben- oder als Sitzungsraum genutzt worden. «Auch das Restaurant – und vor allem im Sommer die Terrasse – war gut frequentiert, wie auch die Auslastung der Zimmer in Ordnung war», sagt Peter Hofer. Zumal es in bezug auf die Lage hier in Alt St. Johann für ein Hotel fast keinen besseren Standort geben könnte. Ein guter Standort alleine bringe jedoch keinen Erfolg. «Wer heute im Gastgewerbe arbeitet, muss bereit sein, sich voll und ganz für den Betrieb hinzugeben. Solche Leute sind aber kaum mehr zu finden», sagt Walter K. Lüde, Patron und CFO der Grimontana AG. So, wie es schwierig geworden sei, Leute zu finden, die entweder über die nötigen Qualifikationen verfügen oder denn dazu bereit sind, sich diese anzueignen. «Michel Rohrbach wäre dazu bereit, sich für den Betrieb einzusetzen und die nötigen Schulungen zu besuchen. Doch die Gemeinde möchte offenbar nicht so lange warten», sagt Lüde.

Betriebsbereiter Zustand

«In den letzten eineinhalb Jahren haben wir rund 350 000 Franken in das Haus investiert», sagt Walter K. Lüde. So wurde die Küche komplett erneuert, im Gastraum wurden eine neue Decke samt Beleuchtung eingezogen und die Teppichböden durch Laminat ersetzt. «Auch in den meisten Zimmern haben wir die Böden erneuert und teils Zimmer mit einer neuen Einrichtung versehen», fügt Hofer an. Würde ein Pächter gefunden oder das Hotel verkauft, könnte der Betrieb in wenigen Tagen wieder eröffnet werden.

Michel Rohrbach, Walter K. Lüde und Peter Hofer von der Grimontana AG, Klosters. (Bild: Urs M. Hemm)

Michel Rohrbach, Walter K. Lüde und Peter Hofer von der Grimontana AG, Klosters. (Bild: Urs M. Hemm)