Hose im Eimer

Meine Ohren haben unlängst ein für sie ganz neues Geräusch in Form eines seltsamen Zischens wahrgenommen. Entstanden ist es am Bügelbrett. Es war aber nicht jenes Zischen, wie es sich ergibt, wenn man beim Bügeleisen die Dampffunktion in Betrieb nimmt.

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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Meine Ohren haben unlängst ein für sie ganz neues Geräusch in Form eines seltsamen Zischens wahrgenommen. Entstanden ist es am Bügelbrett. Es war aber nicht jenes Zischen, wie es sich ergibt, wenn man beim Bügeleisen die Dampffunktion in Betrieb nimmt. Nein, das Geräusch hatte, wie mir schien, einen Zug ins Unangenehme. Ich war eben im Begriff, eine leichte, kurze Hose zu glätten, wie man sie in der wärmeren Jahreszeit gerne trägt. Jetzt, beim sich einstellenden Herbst, erachtete ich es als zeitgerecht, sie zu waschen und bis zum nächsten Frühling im Schrank zu versorgen – aber nicht ohne sie vorher noch gebügelt zu haben.

Nun, das Zischen bewirkte, dass ich das Bügeleisen reflexartig vom Bügelgut hochhob – und ordentlich erschrak: Am Eisen klebte ein Stück Stoff, das unzweifelhaft Bestandteil der Hose gewesen war. Nach Lage der Dinge stand fest, dass entweder ein bügeltechnisches Versehen oder eine textile Unzulänglichkeit vorliegen musste. Beim sofort einsetzenden Suchen nach Erklärungen für das Entstehen des klaffenden Lochs in der Hose schien mir die Vermutung am plausibelsten, dass es offenkundig zu einem ruinösen Kontakt des heissen Eisens mit einer synthetischen Faser gekommen war, dessen Folgen ich mir aber insofern nicht erklären konnte, als ich die Hose schon öfters und bis dahin stets zischfrei gebügelt hatte.

Wie auch immer. Jedenfalls befindet sich die Hose jetzt nicht im Schrank, sondern wortwörtlich im Eimer. Zwar hätte ich sie ohne weiteres wieder in Gebrauch nehmen können, ist man doch heutzutage absolut bei den Leuten, wenn man zerlöcherte Hosen trägt. Allerdings ist es in der Regel das lange Beinkleid, in dem all jene einherstolzieren, die glauben, jeder modischen Eselei aufsitzen zu müssen. So lasse ich denn die Hose im Eimer, eingedenk der Erkenntnis, dass man in meinem Alter ja weiss Gott nicht mehr jeder Torheit zu folgen braucht. Und schon gar nicht in kurzen Hosen.