Holzschutz als Gestaltungselement

HEIDEN. Wie sich unterschiedlich behandelte Holzbauten im Lauf der Zeit verändern, zeigte das Forum Appenzellerhaus an einem Dorfrundgang in Heiden. Fachleute gaben Auskunft, wie sich alte und neue Fassaden zweckmässig und stilgerecht schützen lassen.

Karin Erni
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Ueli Sonderegger erklärt, warum er die Fassade dieses Betriebs mit offenen Holzlamellen gestaltet hat. (Bild: ker)

Ueli Sonderegger erklärt, warum er die Fassade dieses Betriebs mit offenen Holzlamellen gestaltet hat. (Bild: ker)

Über 30 Interessierte begaben sich am Donnerstag auf einen Dorfrundgang der besonderen Art. Unter dem Motto «roh.beschichtet.attraktiv» lud das Forum Appenzellerhaus Baufachleute und Privatpersonen zur Besichtigung von alten und neuen Holzfassaden ein. Bei den insgesamt 16 Objekten erhielten die über 30 Teilnehmenden Informationen von Fachleuten zu den jeweiligen Behandlungsmethoden.

Die Auswahl der Objekte hatte Architekt Ueli Sonderegger aus Heiden vorgenommen. Als Fachleute agierten der Winterthurer Baubiologe Sebastian Nydegger, Malermeister Roman Bischof aus Speicher und der Ausserrhoder Denkmalpfleger Fredi Altherr.

Haus muss atmen können

Es gehe nicht darum, zu urteilen, ob etwas gut oder schlecht gemacht sei, sagte Architektin Vreni Härdi vom Forum Appenzellerhaus einleitend. Vielmehr wolle man die verschiedenen Möglichkeiten der Holzbehandlung anhand konkreter Beispiele aufzeigen.

«Eine Holzbehandlung sollte verträglich sein für das Haus, die Umwelt und das Portemonnaie», sagte Fredi Alther. Die Wahl der Behandlung einer Holzfassade sei immer auch eine Stilfrage. Früher habe man dafür Kalk- und später Ölfarbe verwendet. Heute stünden mit den verschiedenen Kunstharzen viele Möglichkeiten offen, was die Entscheidung nicht einfacher mache, so der Denkmalpfleger. Baubiologe Sebastian Nydegger erklärte den Teilnehmern die grundsätzliche Zusammensetzung von Farben. Diese bestünden aus vier Komponenten: Bindemittel, Lösemittel, Pigmente und Zusatzstoffe. Bei Holzfassaden sei es wichtig, dass die durch den Dampfdruck entstehende Feuchtigkeit bestmöglich von innen nach aussen dringen könne. Er plädierte insbesondere bei nicht hinterlüfteten Fassaden dafür, möglichst «offene» Anstriche wie Ölfarben zu verwenden oder gar gänzlich auf eine Behandlung zu verzichten.

Jede Farbe habe ihre ganz spezifischen Vor- und Nachteile, relativierte Malermeister Roman Bischof. Gerade die qualitativ hochwertigen Farben seien anspruchsvoll in der Verarbeitung, weil sie oft lange Trocknungszeiten hätten und mehr Pflege benötigten. «Da fehlt den Bauherren vielfach die Zeit und das Verständnis», so Bischof. Auch Fredi Altherr plädierte für ein Umdenken: «Jedes Auto geht einmal pro Jahr in den Service, nur bei einem Haus hat man das Gefühl, man müsse nie mehr etwas daran machen.»

Holz geht nicht immer

Auf dem zweieinhalb Stunden dauernden Rundgang besichtigte die Gruppe ganz verschiedene Bauten und Fassadengestaltungen. Von der ursprünglichen, unbehandelten Holztäferfassade über moderne, vorvergraute Schalungen bis hin zu alten, mit Acrylfarbe versiegelten Schindeln waren ganz unterschiedliche Lösungen zu sehen. Es liessen sich auch einige schlechte Beispiele ausmachen. So zeigten sich Dreischicht-Holzplatten trotz Bemalung nicht sehr widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse. Sie wellten und die Farbe blätterte ab. «Da wird man wohl bei einer Renovation auf Massivholz oder Eternit zurückgreifen müssen», stellte Ueli Sonderegger fest.

Tagung «Pinselstrich und Sonnenstrahl» im Zeughaus Teufen, 24. Oktober, 10 bis 15 Uhr; Anmeldung bis 20. September: info@appenzellerhaus-ar.ch oder Telefon 079 663 51 25