Holzbaupionier ehrt Künstlerin – Hermann Blumer beteiligt sich anlässlich des 300-Jahre-Dorfjubiläums am Waldstätter «Holzweg»

Mitte September feiert die Gemeinde Waldstatt ihr 300-jähriges Bestehen. Das Grossprojekt «Holzweg» soll die Holzbautradition und die Kultur und somit auch die beiden Waldstätter Persönlichkeiten Hermann Blumer und Emma Kunz verbinden.

Miguel Lo Bartolo
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Die Künstlerin lebte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Zeit lang in Waldstatt, wo sie eine Vielzahl ihrer bekannten Kunstwerke schuf.

Die Künstlerin lebte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Zeit lang in Waldstatt, wo sie eine Vielzahl ihrer bekannten Kunstwerke schuf.

PD

Bauprojekte mit einer hölzernen Komponente haben in Waldstatt Tradition. Zahlreiche lokale Unternehmen arbeiten mit der natürlichen Ressource. Nun soll die im April dieses Jahres unter dem Projektnamen «Holzweg» kommunizierte Erneuerung des Emma-Kunz-Pfades der Künstlerin alle Ehre machen. Die Eröffnung ist auf Mitte September, zum Zeitpunkt des 300-Jahr- Dorfjubiläums, geplant (unsere Zeitung berichtete).

Doch damit nicht genug: In Zusammenarbeit mit dem weltmännischen Holzbaupionier Hermann Blumer kündigt die Projektgruppe ein weiteres, dazugehöriges Bauvorhaben an – quasi als zusätzliche Hommage an die Forscherin, Naturheilerin und Künstlerin Emma Kunz, die ihren Lebensabend Mitte des 20. Jahrhunderts in der ausserrhodischen Gemeinde verbrachte (siehe Kasten).

Der «Emma-Kunz-Kulturpavillon» ist ein komplexer Holzbau, angelehnt an eines ihrer Bilder, das seine Wirkung in der Dreidimensionalität entfaltet. Die Projektgruppe spricht von einer Gelegenheit, Kultur und Holzbautradition – und damit auch die beiden Waldstätter Persönlichkeiten – zu verbinden. Als Standort man sich einen prominenten Platz beim Bad Säntisblick sichern können. Die Gespräche mit dem Grundeigentümer sind erfolgreich gewesen, wie Beat Müller, Präsident des Organisationskomitees der Jubiläumsfeierlichkeiten, auf Anfrage mitteilt.

Forscherin, Heilerin, Künstlerin

Die 1892 in Brittnau AG zur Welt gekommene Emma Kunz wird als vielinteressierte Querdenkerin beschrieben. In der Esoterik war sie besonders affin und soll ihre Begabungen für Telepathie, Prophetie und als Heilpraktikerin schon in jungen Jahren entdeckt haben. Den Spätherbst ihres Lebens verbrachte Kunz im ausserrhodischen Waldstatt. Von 1951 bis zu ihrem Ableben 1963 wohnte sie in einem Haus in der Schäfliwies. In der idyllischen Stille des Dorfes widmete sie sich wieder ihrer Forschung und praktizierte als Heilpraktikerin. In Waldstatt entstand ein Grossteil ihrer heute ausgestellten Kunstwerke. 2008 spannte die Gemeinde mit diversen Stiftungen zusammen und errichtete den Emma-Kunz-Pfad, der vom Dorfbrunnen bis zum Weiher beim Bad Säntisblick reicht. (mlb)

Mehr Geschichtliches finden Sie hier unter «Freizeitaktivitäten».

Finanzierung noch nicht ganz gewährleistet

Ernst Bischofberger, Mitglied der Projektgruppe.

Ernst Bischofberger, Mitglied der Projektgruppe.

PD

Müller drückte noch Anfang Woche seine Besorgnis aus, den finanziellen Rahmen für das Projekt noch nicht vollumfänglich gewährleisten zu können: «Wir müssen noch mal aktiv auf Sponsorensuche gehen», sagte er. Diverse Stiftungen, Sponsoren und private Gönner haben sich bereits beteiligt. Weitere sollen laut dem Waldstätter Ernst Bischofberger, der das Projekt begleitet, noch folgen. Einen Grossteil der 130'000 Franken habe man bereits sammeln können. Bischofberger ist zuversichtlich:

«Wir können auch noch den Restbetrag beschaffen.»

Alles, was mit Emma Kunz zu tun hat, sei momentan hoch im Kurs, lässt Bischofberger wissen.

Die Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell lädt aktuell zur Ausstellung «Emma Kunz und Gegenwartskunst» ein. «Der Kurator ist ein Freund», sagt Bischofberger. «Er meint, ‹Holzweg› und ‹Kulturpavillon› werden Leute aus der ganzen Schweiz anziehen.»

«Spezialarchitekten» als Hilfe beigezogen

Hermann Blumer, Holzbaupionier, Mitglied der Projektgruppe.

Hermann Blumer, Holzbaupionier, Mitglied der Projektgruppe.

Bild: Benjamin Manser

Geht es um die Planungsarbeiten am Pavillon, war der Holzpionier Hermann Blumer federführend. Als «äusserst aufwendiges» und «detailgenaues» Unterfangen beschreibt Blumer das Projekt. Er sagt:

«Ich habe Architekten, die auf solche Feinarbeiten spezialisiert sind, beigezogen.»

Die Einzelteile sind bereits zugeschnitten. Am Montag wird gemalt. Aufgebaut wird der Pavillon indes erst kurz vor der Jubiläumsfeier.

Darüber, ob die Wirkung der architektonischen Nachbildung jener des Originals – eine Zeichnung auf Millimeterpapier – gerecht wird, will Blumer nicht mutmassen. Er sei allerdings sehr gespannt darauf, es herauszufinden.