Hollywood in Schwellbrunn

Die Filmcrew um Regisseur und Schauspieler Carlos Iglesias dreht in Schwellbrunn Sequenzen für einen Spielfilm. Im Streifen arbeitet Iglesias seine eigene Geschichte auf – das Hinterländer Dorf spielt darin eine wesentliche Rolle.

Bruno Eisenhut
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Stimmung wie in den 1970er-Jahren: Einige Sequenzen für den Film «2 Franken, 40 Peseten» werden in Schwellbrunn gedreht. (Bild: bei)

Stimmung wie in den 1970er-Jahren: Einige Sequenzen für den Film «2 Franken, 40 Peseten» werden in Schwellbrunn gedreht. (Bild: bei)

SCHWELLBRUNN. Nicht dass Schwellbrunn stehengeblieben wäre, aber das Dorf im Appenzeller Hinterland eignet sich ideal als Drehort der Aufnahmen für den spanisch-schweizerischen Spielfilm «2 Francos, 40 Pesetas». Schliesslich entspricht das Ortsbild noch grossmehrheitlich demjenigen der 1960er- und 1970er- Jahre, als Regisseur Carlos Iglesias als Kind mit seiner Mutter nach Schwellbrunn zog, wo sein Vater Arbeit fand. Nach dem Streifen «1 Franken, 14 Peseten» produziert der spanische Regisseur und Schauspieler Carlos Iglesias die Fortsetzung der Geschichte seiner Familie. Dieser Tage werden im Dorfzentrum einige Sequenzen gedreht.

Spanisch dominiert

Die spanische Sprache dominiert am Filmset vor dem Restaurant Harmonie. Die Kameraleute, die Verantwortlichen für den Aufbau und auch die Zuständigen für Licht und Ton sprechen kaum deutsch. Die Aufnahmeleiterin – auf ihrem Mikrophon steht ihr Name geschrieben, Irene, – schreitet nervös die Dorfdurchfahrt auf und ab. Mit starken spanischem Akzent teilt sie den Unwissenden freundlich, aber bestimmt mit, dass «ir wird eine Film gedreht, sorry». Vor dem «Harmonie-Eingang» hat die Crew einen Kameraturm und ein Regiezelt aufgebaut. Ein weisses Tuch, gespannt über die Strasse, flattert im Wind und optimiert die Lichtverhältnisse.

Passage mehrmals wiederholt

Entlang der Ortsdurchfahrt durch Schwellbrunn scheint das Rad der Zeit zurückgedreht worden zu sein. Ein Bauer pflegt seinen Traktor, natürlich einer der Sorte Oldtimer, nebenan sind zwei alte Motorräder und ein rotes Cabrio abgestellt. Dem Dorfladen nähert sich eine Frau mit einem metallenen Milchkessel in der Hand. Auf Kommando des Regisseurs pedalt ein junger Mann auf seinem Dreigangvelo durch das Dorf, hält beim Eingang zur «Harmonie» an. Ein älterer Herr auf einem Velosolex fährt ihm entgegen; diese Passage wiederholt sich mehrmals. Währenddessen müssen sich die neuzeitlichen Verkehrsteilnehmer gedulden, nur sporadisch dürfen sie den Drehort passieren. Dann, wenn die Filmcrew zusammen mit den Schauspielern und den Statisten das Vorgehen bespricht und sich für nächste Sequenzen bereitmacht.

Harmoniesaal als Backstage

Als Backstage dient der Saal der «Harmonie». Dorthin können sich die Schauspieler zurückziehen. Der Raum ist aber auch Schminkatelier und Umkleidekabine gleichzeitig, wie in Hollywood halt.

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