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Holland ist die Heimat, die Schweiz das Zuhause

Wasser. Die Antwort auf die Frage, was Bart Dijkstra in der Schweiz am meisten von seinem Heimatland Holland vermisst, kommt wie aus der Pistole geschossen. Dies lässt vermuten, dass sein Heimatdorf am Meer liegt. «Nein», berichtigt er, «aber in Oosterwolde gibt es sehr viele Kanäle.

Wasser. Die Antwort auf die Frage, was Bart Dijkstra in der Schweiz am meisten von seinem Heimatland Holland vermisst, kommt wie aus der Pistole geschossen. Dies lässt vermuten, dass sein Heimatdorf am Meer liegt. «Nein», berichtigt er, «aber in Oosterwolde gibt es sehr viele Kanäle.» Sein Verlangen nach Wasser hat der Holländer gestillt, indem er in seinem Garten einen Weiher angelegt hat und das Haus in Neu St. Johann an der Luteren liegt. Und zudem seien der Walensee und der Zürichsee ja nahe gelegen, fügt er hinzu.

Weit weg von der Welt

Länger braucht Bart Dijkstra für die Erklärung, wie er als Holländer ins Toggenburg gekommen ist. «Für mich war eigentlich immer klar, dass ich im Ausland leben wollte», sagt er. Eine solche Erfahrung würden eher die offenen Menschen machen, glaubt er. Und ein offener Mensch ist Bart Dijkstra gewiss. Seine erste Station nach dem Gymnasium führte ihn aber in die nordholländische Stadt Groningen. Dort hat er Physiotherapie studiert – und nebenbei seine Frau Wilma Demmer kennen gelernt. «Mitte der 1980er-Jahre hatten wir unser Studium beendet. Holland war damals führend im Bereich Physiotherapie, doch es gab sehr viele Physiotherapeuten», blickt Bart Dijkstra zurück.

Als logischer Schritt beschloss das Paar, sich im Ausland eine Arbeit zu suchen. «Deutschland wäre das Naheliegendste gewesen, denn ich hatte in der Schule Deutsch gelernt. Aber wir landeten in Schweden», erzählt er. Sollefte hiess der Ort, etwa 500 Kilometer nördlich von Stockholm, total auf dem Land gelegen. Dort arbeiteten die beiden als Physiotherapeuten in einem Spital. Die neue Sprache zu lernen, bereitete Bart Dijkstra keine Probleme. «Nebst Holländisch, Deutsch und Englisch verstehe ich auch Friesisch, denn mein Vater spricht diese Sprache. Diese Sprachkenntnisse haben mir sehr geholfen», sagt er. Dazu sei ein dreiwöchiger «Dampfkurs» gekommen. Und durch den täglichen Kontakt mit den Patienten kamen immer wieder neue Wörter hinzu. Die Landschaft sei wunderschön und die Menschen sehr nett, aber sie hätten weit weg von der Welt gewohnt, meint er heute. «Der Sommer war wunderbar, aber der Winter dauerte acht Monate», erzählt er. Dies sei der Grund gewesen, warum Bart Dijkstra und Wilma Demmer nach zweieinhalb Jahren nach Holland zurückkehrten.

Total unbekannte Schweiz

Es war ihnen aber klar, dass dies nicht von Dauer sein würde. «In der Schweiz gab es damals einen Mangel an Physiotherapeuten. Mit unserer guten Ausbildung waren wir gesucht», sagt Bart Dijkstra. Also suchten sie etwas in der Schweiz, aber nicht unbedingt am gleichen Arbeitsplatz. Er fand eine Stelle bei Doktor Schwarzenbach in Wattwil, sie bei Doktor Strub in Lichtensteig. 1990 zogen sie ins Toggenburg, obwohl sie die Schweiz absolut nicht kannten. Dass sie Skifahren konnten, war Grund genug. «Wir wussten nicht einmal, dass in der Schweiz nicht dasselbe Deutsch gesprochen wird wie in Deutschland», erzählt Bart Dijkstra. Drei Jahre haben sie in dieser Konstellation gearbeitet, dann haben sie sich selbständig gemacht. «Heute arbeiten wir also wieder am selben Ort», lacht er.

Sprache des Herzens

Den Dialekt hat Bart Dijkstra schnell gelernt. Mit seiner Frau und den drei Kindern spricht er aber nach wie vor Holländisch. «Das bleibt die Sprache des Herzens», sagt er. Die Kinder würden aber in Deutsch denken und lesen auch lieber auf Deutsch. Er vermutet, dass sich seine Kinder eher als Schweizer denn als Holländer fühlen. Dies zeige sich beispielsweise, wenn die Schweizer Nati Fussball spiele. Für wen die Kinder aber die Daumen drücken würden bei einem Spiel Schweiz gegen Holland, weiss Bart Dijkstra nicht. «Ich hoffe für Holland», sagt er lachend. Er könnte sich auch vorstellen, dass die Kinder einmal den Schweizer Pass beantragen würden. Er würde sich sofort einbürgern lassen, aber dann würde er die holländische Staatsbürgerschaft verlieren. «Sie kennen keine Doppelbürgerschaft», begründet Bart Dijkstra. Zwei Ausnahmen gibt es: ein Schweizer Ehepartner oder Holländer, die in der Schweiz geboren sind, können Doppelbürger sein.

Holländer haben guten Ruf

Die Unterschiede in der Mentalität der Holländer und der Schweizer seien klein, glaubt Bart Dijkstra. «Wenn du offen und fröhlich bist, nehmen dich die Toggenburger sehr gut auf.» Erfahren hat er dies im Turnverein. Und hat dabei doch einen Unterschied bemerkt. «Wenn wir nach dem Turnen zusammen noch etwas getrunken haben, haben wir über viele Themen diskutiert», erzählt er. Die Holländer würden auch einkehren, dabei gehe es aber in erster Linie um Gemütlichkeit, die Gespräche bleiben oberflächlicher. In der Schweiz geniessen die Holländer aber einen guten Ruf. Während der EM 2008 hätte er dies besonders bemerkt, sagt Bart Dijkstra. In seiner neuen Heimat stört ihn jedoch, dass der Humor nicht so direkt ist. «In Holland ist es fast eine Ehre, wenn ein Komiker Witze über dich macht. In der Schweiz fühlt man sich sofort angegriffen», führt er aus. Und noch einen Unterschied hat er festgestellt. «In Holland sprechen sich die Menschen viel schneller mit Du an. Hier macht man ja oft erst dann Duzis, wenn man zusammensitzt und ein Glas Bier oder Wein trinkt, obwohl man sich schon lange kennt», sagt Bart Dijkstra.

Nach Hause ins Toggenburg

Mit Holland verbinden ihn noch seine Eltern und einige gute Freunde. «Wenn ich mit ihnen spreche, ist das noch genauso wie vor 25 Jahren», sagt er. Das Land bleibe seine «gefühlte Heimat», doch wenn er «nach Hause» sagt, meint er damit sein Haus in Neu St. Johann. Bart Djikstra vergleicht sein Gefühl mit den Vatergefühlen. «Ich liebe meine drei Kinder gleich, genauso liebe ich die drei Länder, in denen ich gelebt habe.»

Bart Dijkstra fühlt sich sehr wohl im Toggenburg. Ausser dem Wasser vermisst er nichts. Zu Beginn hätten seine Freunde Spezialitäten wie Brotaufstrich, Erdnussbutter oder Lakritze mitbringen müssen. Doch heute arrangiert er sich mit dem, was es in der Schweiz gibt. «Alte Wurzeln sterben langsam ab, dafür bilden sich neue», sagt er. Nur in einem ist Bart Dijkstra durch und durch ein Holländer geblieben: Er fährt mit dem Velo zur Arbeit. Dabei hat er sich aber der hügeligen Schweiz angepasst, denn er besitzt ein Mountainbike. Nicht ein schwarzes, altmodisch aussehendes «Fiets» mit nur einem Gang.

Sabine Schmid

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