Hohes «Wirtschaftssterben»

Das Kulturobjekt Gemsli in Zelg Wolfhalden ist seit zehn Jahren kein Wirtshaus mehr. In den vergangenen 14 Jahren sind in der Gemeinde sechs Gasthäuser verschwunden, teils an aussichtsreicher Lage.

Peter Eggenberger
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Eine der ehemaligen Wirtschaften in Wolfhalden: Vor zehn Jahren wurde das «Gemsli» im Ortsteil Zelg geschlossen. (Bild: pe)

Eine der ehemaligen Wirtschaften in Wolfhalden: Vor zehn Jahren wurde das «Gemsli» im Ortsteil Zelg geschlossen. (Bild: pe)

WOLFHALDEN. In Wolfhalden liegt das Restaurantsterben über dem Durchschnitt, haben doch seit dem Jahr 2000 sechs Wirtschaften ihren Betrieb eingestellt, so auch das «Gemsli» im Ortsteil Zelg. Mit seinen vier Stuben gehörte es zu den schönsten Wirtschaften weit herum. So wird das unter Schutz stehende Gebäude im Buch «Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden» gewürdigt.

Textilgewerbe und Rebberg

Das 1768 als Fabrikantenhaus von Hans Keller erstellte Gebäude diente ursprünglich dem Textilgewerbe und wurde später in eine Wirtschaft umgewandelt. Zum langjährig von Familie Lutz geführten Betrieb gehörte eine Landwirtschaft samt kleinem Rebberg mit hauseigenem Tropfen, dem «Gemsliwein». 1974 erwarb Familie Hanny die Liegenschaft, in deren Eigentum sie sich noch immer befindet.

Verwaiste Aussichtsrestaurants

Mit der «Fernsicht» und der «Linde» – später «Lila-Linde» und zuletzt «Bella Vista» genannt – stehen zwei einst viel frequentierte Restaurants an Aussichtslage leer. Die an der Strasse Zelg–Walzenhausen gelegene «Fernsicht», Besitzer ist Frank Hammes, Horn, mit Bäckerei und Gästezimmern wurde einst von Familie Rüesch geführt. Letzte Wirtsleute waren Marlene und Werner Huber-Zeller, die von 1985 bis 2000 Gäste willkommen hiessen. Seither ist das Haus unbewohnt. In der «Linde» an der Strasse Richtung Rheineck, Eigentümer ist Hansjörg Egli, Thal, wurde bis 2011 eine Pizzeria betrieben. Bei beiden Objekten war von Bauvorhaben die Rede, die nicht realisiert worden sind.

Wohnungen statt Gaststuben

Gastliches Zentrum im Weiler Mühltobel war der «Schweizerbund» (früher mit Bäckerei), von 1958 bis 2003 von Agi Krüsi-Gübeli geführt. Nach dem Abbruch des Saales erfolgte die Umgestaltung in mehrere Wohnungen. Ebenfalls Wohnzwecken dient heute der kurz vor Heiden gelegene «Bären», der zuletzt bis Ende 2012 unter dem Namen «Gadebar» betrieben wurde.

Musik, Tanz und Feriengäste

Weit über die Gemeindegrenzen von Wolfhalden hinaus ein Begriff war das an der Sonderstrasse gelegene «Kreuz», Hub. Ferien- und Tagesgäste schätzten hier die Unterhaltung mit Tanzmöglichkeit, die von der musizierenden Wirtefamilie Güntensperger geboten wurde. Zum «Kreuz» gehörte langjährig ein Kolonialwarenladen. Zu den «Kreuz»-Wirtinnen in jüngerer Zeit gehörten unter anderem Ida Buschor-Kellenberger (heute «Ochsen», Wolfhalden), Irene Bosshart (heute «Reutegg», Oberegg) und zuletzt Erika Signer (heute «Alte Post», Rehetobel). Im Jahr 2009 erfolgte der Abbruch des «Kreuz» und der Neubau eines Wohnhauses.