Hoher Anspruch an die gute Form

Nach Bern und Zürich hat Regula Gahler ihre Porzellanmanufaktur vor einem Jahr in den Ebnat-Kappler Bendel gezügelt. Dort entwirft sie Gebrauchsgegenstände und stellt sie in Handarbeit selbst her. Ihre Produkte zeichnen sich nicht durch Farbe, dafür umso mehr durch ihre Form aus.

Barbara Anderegg
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Ebnat-Kappel. In der Scheune ihres Hauses im Bendel sitzt Regula Gahler an der Drehscheibe, die Hände und die Schürze voller weisser Masse. Eine Töpferwerkstatt, das sieht man auf den ersten Blick. Aber: Die 35-Jährige ist keine Hobby-Töpferin, sondern betreibt eine professionelle Porzellanmanufaktur, in der sie selbst designte Kaffeeservices, Vasen und vieles mehr herstellt. «Es war ein langer Weg zum eigenen Atelier», sagt die in St. Gallen aufgewachsene junge Frau. Dieser führte sie von Buchs über Berlin, Bern, Zürich und vor einem Jahr nach Ebnat-Kappel.

Am ganzen Prozess beteiligt

Als 20jährige hat Regula Gahler mit der Lehre als Töpferin begonnen. Sie wollte letztlich einen Beruf im Bereich Gestaltungstherapie ergreifen. Dafür brauchte sie zuerst eine handwerkliche Grundausbildung. «Das Faszinierende am Töpferhandwerk fand ich, dass ich am ganzen Entstehungsprozess beteiligt bin, vom rohen Ton bis zum fertigen Produkt», sagt sie. In Buchs erhielt sie eine der wenigen Lehrstellen. In ihrem Lehrbetrieb reproduzierte sie vorgegebene Formen und Designs, hauptsächlich klassische Töpferwaren, wie man sie im Heimatwerk oder auf dem Töpfermarkt kaufen kann. «Die Arbeit mit Keramik hat mich so begeistert, dass mein ursprünglicher Wunsch, etwas im Bereich Gestaltungstherapie zu machen, in den Hintergrund trat», sagt Regula Gahler.

Wunsch selbst zu designen

Nach dem Lehrabschluss ging die junge Frau nach Berlin, wo sie eine Anstellung in Porzellanmanufaktur Hering fand. Auch dort reproduzierte sie vorgegebene Formen und Designs. Aber während sie in der Lehre mit dem klassischen Ton gearbeitet hatte, verarbeitete sie in Berlin Porzellan. «Dort kam ich in Berührung mit dem deutschen Design, das klassisch und zeitlos ist», erinnert sich Regula Gahler. Nach und nach sei bei ihr der Wunsch entstanden, nicht mehr nur vorgegebene Designs zu kopieren, sondern selbst solche zu entwerfen. Daher brach sie 2002 ihre Zelte in Berlin ab und zog nach Bern, um dort an der Schule für Gestaltung die Keramikfachklasse zu absolvieren.

Während ihrer Ausbildung arbeitete Regula Gahler oft experimentell. Nach der Ausbildung musste auch der wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt werden. Daher war für Regula Gahler schnell klar, dass sie im Gemeinschaftsatelier, das sie zusammen mit einer Kollegin in Bern eröffnete, vor allem Gebrauchsgegenstände herstellen wollte. Auch dass sie diese aus Porzellan herstellen wollte, wusste sie nach kurzer Zeit. «Porzellan hat ein Eigenleben, hat seine Tücken, es ist eben kein totes Material», begründet sie. Bei der Einrichtung des Ateliers halfen ihr die Preisgelder, welche sie noch während der Ausbildung für verschiedene Arbeiten erhalten hatte. «In Bern hat Keramik Tradition und wird daher grosszügig gefördert», erklärt die junge Frau.

Nach Zürich für die Liebe

Während fünf Jahren blieb sie in Bern, dann zog sie nach Zürich. «Der Liebe wegen», erzählt Regula Gahler lachend. Dort betrieb sie ebenfalls ein eigenes Atelier und fand im Laufe der Zeit immer mehr zu ihrem eigenen Stil. Ihr Design ist geradlinig, hat nichts Verspieltes. «Die klare Form steht für mich im Vordergrund», sagt die Kunsthandwerkerin. Die Form erhalten ihre Produkte entweder auf der Drehscheibe oder durch das Giessen des Porzellans in Formen. Die meisten Produkte sind weiss, höchstens mit kleinen farbigen Elementen verziert. Klassische Porzellanmalerei kommt bei Regula Gahler nicht zum Einsatz. Farbe bringt sie bei einigen Produkten durch verschiedene Drucktechniken ins Spiel, mit Siebdruck beispielsweise. «Mein Ziel ist es, Tradition und Moderne zu verknüpfen. Das Design soll zeitgemäss, aber dennoch zeitlos sein, so dass die Produkte Generationen überdauern», sagt die Keramikdesignerin. Wichtig für die selbständige Kunsthandwerkerin ist es selbstverständlich, dass sich ihre Produkte verkaufen. Den Lebensunterhalt konnte sie bisher noch nie gänzlich durch den Verkauf ihrer Produkte bestreiten. «Ich habe immer zusätzlich noch 30 bis 40 Prozent als Angestellte gearbeitet, zum Beispiel in einem Kino», sagt sie. Der Markt sei harzig, die Produkte im Hochpreissegment angesiedelt. Allerdings sei die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen, da das Thema Nachhaltigkeit bei vielen einen grösseren Stellenwert hat. Immer mehr Kunden würden sich lieber weniger leisten, dafür Hochwertiges. Die Kunden seien letztlich meist gerne bereit, diesen zu bezahlen. Zum einen erkennen sie die Arbeit, die dahinter steckt. Zum anderen schätzen es die Kunden, wenn sie der Person, welche die Produkte gefertigt hat, persönlich gegenüberstehen. Dies ist vor allem auf Messen der Fall, auf denen Regula Gahler regelmässig ausstellt. Dort kaufen auch Detailhändler ein, die dann ihr Porzellan in ihren Geschäften weiterverkaufen. Aber auch direkt in ihrer Werkstatt verkauft Regula Gahler ihre Produkte. Sie fertigt nicht nur ihre bestehenden Serien an, sondern macht auch Auftragsarbeiten. So kann man sich bei ihr zum Beispiel sein ganz persönliches Kaffeeservice herstellen lassen.

Andere Prioritäten

Früher habe sie alles in ihre Arbeit investiert. Je nach Auftragslage habe sie sieben Tage die Woche gearbeitet, oft habe sie auch die Nächte im Atelier verbracht. Heute sei das anders. Als Mutter eines zweijährigen Sohnes hat sie die Prioritäten anders gesetzt. Ihr Kind ist auch der Grund für den Umzug nach Ebnat-Kappel. «Mein Partner und ich wollten schon immer mal aufs Land ziehen. Als wir dann Eltern wurden, war der Zeitpunkt gekommen», sagt sie. Ausschlaggebend für den Kauf des Hauses im Bendel war zum einen die Landschaft im Toggenburg, die es den beiden angetan hat. Zum anderen verfügt es über zwei gleichwertige Räume zum Arbeiten. Im Obergeschoss der Scheune hat ihr Partner Gregor Schneider sein Grafikatelier eingerichtet, im unteren befindet sich das Keramikatelier. Mindestens zwei Tage pro Woche arbeitet Regula Gahler dort an ihren Produkten: «Weniger geht nicht. Ich betreibe das nicht als Hobby, es ist mein Beruf. Das heisst, dass ich einen höheren Eigenanspruch habe und auch Kundenansprüche erfüllen muss.»

www.gahler-keramik.ch; Werkstattverkauf immer am ersten Samstag im Monat von 11 bis 17 Uhr. Tage der offenen Tür am 26. und 27. März.

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