HOFLADENWETTBEWERB
Alles ist Handarbeit: Manuela Mock hat einen der schönsten Hofläden der Schweiz

Zum zweiten Mal wurde das «Appezöller Hoflädeli» in Steinegg ausgezeichnet. Bäuerin Manuela Mock sprudelt vor neuen Ideen.

Selina Schmid
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Seit sieben Jahren verkauft Manuela Mock ihre selbstgemachten Produkte erfolgreich in ihrem Hofladen.

Seit sieben Jahren verkauft Manuela Mock ihre selbstgemachten Produkte erfolgreich in ihrem Hofladen.

Bild: Selina Schmid

Man erzählt sich, das beste Brot im Appenzellerland gebe es bei Manuela Mock. Das Holzhäuschen an der Brülisauerstrasse in Steinegg ist ihr Reich. Hier im «Appezöller Hoflädeli» verkauft Manuela Mock Urdinkelbrot, Merengues, Glace oder Eingemachtes. Das Häuschen – ein Geschenk ihres Mannes zum 30. Geburtstag – wurde vor kurzem zum viertschönsten Hofladen der Schweiz gekürt.

Der Wettbewerb wurde durch den Schweizer Obstverband und das Magazin «Landfreund» veranstaltet. Ein Grund ist laut einer Medienmitteilung des Schweizer Obstverbands die «starksteigende Anzahl an Bauernbetrieben, die Produkte direkt ab Hof verkaufen». Das zeigt sich etwa darin, wie der Wettbewerb gewachsen ist. 2019 nahmen 46 Hofläden teil, 2021 waren es 100.

Ein Dank für ihre Arbeit

Für Manuela Mock-Dörig ist es die zweite Auszeichnung, 2019 wurde sie Fünfte. «Ich wollte damals wissen, wie Auswärtige den Hofladen finden und was wir verbessern können.» Mit einer so guten Platzierung hatte sie nicht gerechnet. Sie sagt: «Kein Hofladen ist gleich, aber alle machen das freiwillig und mit vollem Herzblut.» Die Auszeichnung dieses Jahr sei ein Dank an die Arbeit ihres Teams.

Manuela Mock-Dörig ist in Steinegg aufgewachsen, hat Bäcker-Konditorin gelernt und einige Jahre in der Bäckerei/Konditorfachschule in Luzern gearbeitet. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter war für sie klar: «Ich will bei meiner Familie arbeiten.» Wie ihr Mann sich um die Kühe kümmern, wollte sie nicht, viel lieber verarbeitete sie die Milch zu Glace, Eierkirsch oder Butterzöpfen.

Es ist bereits die zweite Auszeichnung für das «Appezöller Hoflädeli».

Es ist bereits die zweite Auszeichnung für das «Appezöller Hoflädeli».

Bild: Selina Schmid

Am Markt in Herisau kamen die Produkte aus ihrer Bäckerstube so gut an, dass sie bald den Hofladen gegenüber des Elternhauses eröffnete. Besonders das Brot, ein reines Urdinkel-Produkt, war von Anfang an beliebt. Mock legte sich einige Backstuben-Maschinen zu, von lokalen Bäckern, die in den Ruhestand gingen. Vier Steinbacköfen kaufte sie neu. Mock beliefert inzwischen Läden in der Umgebung, darunter die Landi Appenzell. Da sei ihr Zopf unter den 20 bestverkauften Produkten.

Die meisten Kunden sind aus der Nähe, doch im «Appezöller Hoflädeli» finden sich Stammkunden aus der ganzen Deutschschweiz: Wenn die vorbeikommen, werde säckeweise eingekauft, sagt Mock.

Hofladen wächst stetig

Im Hofladen stammen bis auf sieben Produkte alle aus der Hand von Manuela Mock. Sie sagt: «Ich möchte das nicht abgeben, weil ich wissen will, was im Produkt drin ist und wie es gemacht wurde.» Ihre Kunden schätzen, dass sie genau Auskunft geben kann. Der Speck und die Pantli kommen von Bauerskollegen, die Bionorm-Eier von einer befreundeten Bäuerin.

Nur sieben Produkte im Hofladen sind nicht aus Monika Mocks Produktion.

Nur sieben Produkte im Hofladen sind nicht aus Monika Mocks Produktion.

Bild: Selina Schmid

Mock wollte das Projekt Hofladen eigentlich nur so lange vorantreiben, wie sie es allein schaffte. Doch es ist immer mehr und immer gut gewachsen. Inzwischen hilft ihre Mutter im Laden und im Büro, eine Bäckerin unterstützt die Produktion und die Nachbarin verpackt die Produkte. Manuela Mock sprudelt derweil vor neuen Ideen für den Hofladen. Sie sagt, die Auszeichnung durch den «Landfreund» habe sie noch mehr motiviert.

Nur Manuela Mocks Ehemann Kuno hat nichts mit dem Hofladen zu tun. Doch das ist eine bewusste Entscheidung. «Wir pushen uns gegenseitig.» Sie ginge nicht in den Stall, ihr Mann verstehe nichts vom Backen. Die gegenseitige Unterstützung findet in Form von Ideen statt, die beide für den anderen aushecken.

Saisonalität macht Abwechslung

Silvia Amaudruz ist Vorstandsmitglied der Schweizerischen Bäuerinnenverbands und war Jurymitglied beim Wettbewerb. Im «Landfreund» sagt sie: «Direktvermarktung heisst nicht Stillstand, sondern steht für Dynamik, von Saison zu Saison entwickelt sich das Sortiment weiter oder entstehen neue Absatzwege.»

Manuela Mock sagt: «Das Schönste am Hofladen ist das wechselnde Sortiment und den freudigen Kundenkontakt.» Im «Appezöller Hoflädeli» gibt es im Frühling von Hand gegossene Osterhasen, Bärlauchpesto, Holunderbalsamico oder frischgesammelten Tannenschössli, der zu schmackhaften Honig verarbeitet wird. Den Sommer durch verkauft Mock frisches Gemüse, Früchte, Beeren und im Herbst wird eingemacht. Im Winter gibt es Chrömli, Weihnachtsglacetorten – und ab Januar Berliner und Schenkeli. Das ganze Jahr bleibt aber eines gleich: In Manuela Mocks Hofladen ist alles Handarbeit.

Der Hofladen ist durch die gute Wegweisung leicht zu finden.

Der Hofladen ist durch die gute Wegweisung leicht zu finden.

Bild: Selina Schmid

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