Hoffnungsgeschichten aus Afrika

Vortrags- und Lesegesellschaft im Toggenburg

Hans Jörg Fehle
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Nach dem Anlass mit Patrik Wülser und Emel Topçu, den VLT-Referenten dieser Woche in der Beiz. (Bild: PD)

Nach dem Anlass mit Patrik Wülser und Emel Topçu, den VLT-Referenten dieser Woche in der Beiz. (Bild: PD)

Kürzlich war Patrik Wülser, der Afrika-Korrespondent des Schweizer Radios, im BWZT zu Gast. Er brachte auf Einladung der Vortrags- und Lesegesellschaft im Toggenburg VLT «Hoffnungsgeschichten aus Afrika» mit.

Krisen und Katastrophen stehen oft im Vordergrund

In seiner Einleitung erinnerte VLT-Präsident Hans Jörg Fehle an eine Einsicht aus dem Proseminar in Publizistik. Im internationalen Nachrichtengeschehen ist Afrika der Kontinent für Krisen, Katastrophen und Absonderliches. Hoffnungsgeschichten von diesem Kontinent haben es schwer bei den Schaltstellen von Presse-Agenturen und Redaktionen. Da hat es den VLT-Vorstand interessiert, ob Patrik Wülser doch solche mitbringen würde. In sechs Jahren, die er inzwischen aus dem Afrika südlich der Sahara berichtet, müssten sich doch auch Hoffnungsgeschichten angesammelt haben.

Korrespondent hat 30 Länder bereist

So nahm Patrik Wülser die rund 50 Interessierten in der BWZT-Aula mit auf eine Reise. Von ­Nairobi aus war er als einziger ständiger Schweizer Afrika-Korrespondent – neben dem NZZ-Journalisten David Signer – für ­ 49 Länder zuständig, in denen rund eine Milliarde Menschen leben, die x-verschiedene Sprachen sprechen. 30 dieser Länder hat Patrik Wülser selbst besucht. Und er ist dabei auf die bekannten «Krankheitsgeschichten» gestossen: auf Bürgerkrieg und marodierende Milizen, auf Kinderarbeit und sklavenähnliche Lebensbedingungen; auf Despoten, die sich an die Macht klammern, und Eliten, die sich bereichern, während Staaten implodieren; auf Hungersnot und Elend vieler Menschen. Was kann unter solchen Bedingungen überhaupt Glück oder Hoffnung sein? – Ein gut verbrachter Tag. Privates kleines Glück für einige Zeit. Monate ohne Gewalt. Ein friedlicher ­Regierungswechsel. Genug und nicht zu viel Regen. Infrastruktur, die die Chinesen bauen, als Gegengeschäft für Rohstoffe. Mikrokredite für kleines Business; oft an Frauen vergeben, weil sie verlässlicher sind und für ihre Kinder sorgen. Dann gibt es auch ein Land wie Botswana: auch es hat Diamantenvorkommen; aber die Verabredung mit dem grossen Händler de Beers sorgt dafür, dass viele Mittel in Schulen, Spitäler und Verkehrsinfrastruktur fliessen. Schliesslich gibt es eine wachsende Zahl von gut ausgebildeten Afrikanerinnen und Afrikanern, die sich nicht mehr für Stämme oder Clans einspannen lassen und für ihre Länder und den ganzen Kontinent echte Entwicklung einfordern. In drei bis vier Generationen, so Patrik ­Wülser, könnten sie sich durchsetzen.

Rückkehr auf Herbst geplant

Im Spätherbst 2017 wird Patrik Wülser mit seiner Familie in die Schweiz zurückkehren. Er übernimmt die Leitung der Auslandredaktion von Radio SRF. Was ihm da am meisten fehlen wird? Möglicherweise die journalistische Feldarbeit, die in Afrika zwar anstrengend, aber auch sehr anregend ist. Auch die Ausflüge mit dem Sohn zu den Massai ins Great Rift Valley. Und vermutlich auch das Lachen, das manchmal aufbricht, weil etwas einfach zu absurd ist, um wahr zu sein – oder das Leben plötzlich einfach schön.

Hans Jörg Fehle