Hoffentlich kein Wolf im Schafspelz

SPEERSPITZ Endlich haben wir Gewissheit. Es lebt ein Wolf im Toggenburg. Könnte zwar auch sein, dass er schon weitergezogen ist. So oder so, die Angst bei den Bauern ist gross. Sie fürchten um das Leben ihrer Schafe.

Martina.signer
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Bild: martina.signer

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SPEERSPITZ

Endlich haben wir Gewissheit. Es lebt ein Wolf im Toggenburg. Könnte zwar auch sein, dass er schon weitergezogen ist. So oder so, die Angst bei den Bauern ist gross. Sie fürchten um das Leben ihrer Schafe. Alle hoffen, dass aus dem Raubtier kein Wolf im Schafspelz wird, der sich nachts mitten in die Herden schleicht und Opfer aussucht. Fast schon bin ich froh, dass mein Vater die liebgewonnene Schafherde vor einigen Jahren verkauft hat. Sonst hätte auch ich Sorgenfalten auf der Stirn. Bleibt nur zu hoffen, dass sie in ihrem neuen Zuhause im St. Pelagiberg sicher sind. Hatte ich vor dem Verkauf der Herde noch nie etwas von St. Pelagiberg gehört, horche ich nun jedes Mal auf, wenn der Name dieses Ortes fällt. Und ich erinnere mich an Maya, Meret und Mary – meine Lieblingsschafe. Ich weiss noch, wie die Geburt von Maya war. Ich darf wohl mit Stolz von mir behaupten, dass ich eine gute Geburtshelferin war. Wenn die Lämmchen auf der Welt waren und nach der ersten Milch verlangten, kam meine Aufgabe. Schon in der Schulzeit war ich die Geduldigste, wenn es darum ging, den Lämmchen den Weg zur Zitze der Mutter zu zeigen. Und Geduld ist in dieser Situation erforderlich. Denn der erste Schluck Milch ist für die kleinen Wollknäuel überlebenswichtig. Danach kommt ihr Körper erst richtig in Schwung. Doch da liegt auch der Hund – nicht der Wolf – begraben. Wenn die Lämmchen sich noch kaum auf den Beinen halten können und immer wieder die Zitze verfehlen, kann das Prozedere ganz schön an den Nerven nagen. Doch unter meiner Anleitung haben es alle geschafft. Auch Maya, Meret und Mary. Hoffentlich sind sie im Thurgau wirklich sicher. Ich gehe sie bald wieder besuchen. Staunend ob ihrer Intelligenz. Sie kannten mich nämlich beim letzten Besuch, wie ich verblüfft feststellte, noch immer. Genüsslich schlossen sie die Augen, als ich sie zwischen Augen und Ohren kraulte. Dort haben sie es nämlich am liebsten.

@toggenburgmedien.ch