Hochverdienter Appenzeller
Zum 150. Geburtstag von Humanist Jakob Künzler

Am 8. März 1871 wurde der von Walzenhausen gebürtige Jakob Künzler geboren. Tausende in der Türkei verfolgter Armenier haben ihre Rettung dem mutigen Appenzeller zu verdanken, an den Gedenkstätten in Walzenhausen und Hundwil erinnern.

Peter Eggenberger
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Auf dem Kirchplatz von Walzenhausen erinnert ein Gedenkstein an den Appenzeller Humanisten Jakob Künzler. Eine weitere Gedenkstätte befindet sich in der Kirche Hundwil.

Auf dem Kirchplatz von Walzenhausen erinnert ein Gedenkstein an den Appenzeller Humanisten Jakob Künzler. Eine weitere Gedenkstätte befindet sich in der Kirche Hundwil.

Peter Eggenberger

In Hundwil in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, absolvierte Jakob eine Lehre als Zimmermann. Er aber wollte Missionar werden, und 1893 trat er ins Basler Diakoniehaus in der Aeschenvorstadt ein. Hier wurde er zum Krankenpfleger ausgebildet, und im Bürgerspital Basel unterstützte er Chirurgen bei verschiedensten Operationen. 1899 folgte er dem Ruf der Orient-Missionsgesellschaft, übersiedelte in die Südtürkei und trat in den Dienst des Spitals in Urfa. Hier waren 1895 bereits 8000 Armenier auf brutale Art umgebracht worden, und Künzler stellte sich nun kompromisslos auf die Seite der Verfolgten.

Ein Arzt für alle

Jakob Künzler wurde vor 150 Jahren geboren.

Jakob Künzler wurde vor 150 Jahren geboren.

Bild: PE

Gemeinsam mit dem Schweizer Arzt Hermann Christ führte Künzler das Spital, wobei Türken, Kurden und Armenier gleichermassen Aufnahme fanden und betreut wurden. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs richtete sich der Hass der Türken erneut gegen die Armenier. Für Urfa war der 19. August 1915 ein besonders schrecklicher Tag, floss doch das Blut Unschuldiger in Strömen. Künzler operierte und pflegte pausenlos. Ausserhalb der Stadt besass er einen Weinberg, wo seine junge Frau Elisabeth – die Tochter eines Missionars – eine grosse Schar Armenier versteckte. Als Landesverräter wurde er zum Tode verurteilt. Zur Vollstreckung des Urteils kam es aber nicht, weil das amtliche Vollziehungsdokument auf unerklärliche Weise verschwunden war.

8000 Waisenkinder in den Libanon geführt

Auch nach Kriegsende wurden die verbliebenen armenischen Christen unterdrückt. 1922 zog Künzler mit seiner Familie und rund 8000 armenischen Waisenkindern von der Südtürkei über das Taurusgebirge in den damals sicheren Libanon. In Ghazir wurde dem Ehepaar Künzler ein grosses Kinderheim anvertraut. Schulen und Werkstätten wurden eingerichtet. In den folgenden Jahren setzte sich der mit dem Ehrentitel «Vater der Armenier» ausgezeichnete Appenzeller unermüdlich für seine Schützlinge ein. In Libanons Hauptstadt Beirut führte er später ein riesiges Lager für 20'000 armenische Flüchtlinge. Seine unermesslichen Verdienste ehrte die Universität Basel im Jahre 1947 mit dem Titel «Doktor der Medizin ehrenhalber». Künzler starb am 15. Januar 1949 und wurde auf dem evangelischen Friedhof in Beirut beigesetzt.