Hochstimmung am Dorffest vor dem Rennen

HEMBERG. «Sie hatte nur noch Schuhe an», singt Micky Krause aus den Lautsprechern. Was junge Männer sonst verlegen macht, nimmt im Barwagen auf dem Schulhausplatz keiner mehr wirklich wahr. Es herrscht Hochstimmung.

Michael Hug
Merken
Drucken
Teilen
Einen Drink nur trinken geht anders: Showmixer an der Arbeit.

Einen Drink nur trinken geht anders: Showmixer an der Arbeit.

HEMBERG. «Sie hatte nur noch Schuhe an», singt Micky Krause aus den Lautsprechern. Was junge Männer sonst verlegen macht, nimmt im Barwagen auf dem Schulhausplatz keiner mehr wirklich wahr. Es herrscht Hochstimmung. Swizzleys gehen über die Bartheke, eine Cola da und dort und jede Menge Bier, es wird gelacht und gesungen, geschwitzt und getrunken. Man hat es lustig, es ist Dorffest, es ist Bergrennen, es herrscht Ausnahmezustand in Hemberg. Nebenan in der Raclettestube in der Turnhalle geht es weit gemütlicher zu. Auf der Bühne sitzen Forrer-Dütschler und spielen Ländler. Es ist um einiges heller hier und man muss sich nicht schier anschreien wie draussen im lauten Barwagen. Es gibt leckeres Raclette und Weisswein, serviert von den Frauen und Männern der Trachtengruppe.

«Wir sind parat!»

Im Foyer sitzen Andrea Raschle und Simone Santoro: «Wir sind parat, alles klappt und die Leute kommen!» Sie haben mit ihren Helferinnen und Helfern das Dorffest auf die Beine gestellt. Der Abend vor dem Bergrennen gehört dem Dorf, das ist seit Wiederaufnahme des Rennens vor drei Jahren zur Tradition geworden. Etliche Vereine helfen mit, bauen auf, bedienen die Gäste und räumen spät nachts oder gar frühmorgens wieder auf. Viel brauchen Hembergerinnen und Hemberger, die Fahrer des Rennens und ihr Anhang sowie ein paar Auswärtige nicht für ein Fest. Ein paar Bierstände, etwas Musik, und schon geht es ab, vor allem bei den Jungen, aber auch bei den Älteren.

Rom oder Nizza

Vor dem Gemeindehaus stehen sie im schummrigen Licht der Strassenlampen vor einer mobilen Bar, prosten sich zu und reden von ihren Ferienplänen. Weiter unten vor der «Krone» dasselbe Bild: Man wähnt sich in Rom oder Nizza, die Nacht ist temperiert, das Bier kühl, die Leute in Stimmung. «Chomm, hock zo üüs», rufen sie beim Bierwagen, wo es noch Sitzgelegenheiten hat, in der «Racing Bar» über der Kreuzung hat es das nicht. Im neuen Hotspot direkt neben der Kirche, hoch über der Dorfkreuzung, wahrscheinlich höher als die Kanzel in der Kirche daneben, staunt man heuer über die Künste der beiden Showmixer aus Deutschland. Sie lassen Flaschen durch die Luft wirbeln, zu zweit und einigermassen synchron, man staunt und kommt gar nicht nach mit Schauen und es geht nichts zu Bruch.

Barmixer als Feuerschlucker

Dann zündet einer der Showmixer den Korken einer Flasche an und macht eine gekonnte Jonglage, als wär es im Zirkus. Als der brennende Korken erlischt, stellt der Artist-Mixer die Flasche hin, nimmt einen zünftigen Schluck Alkohol in den Mund und rennt aus der Bar hinunter auf die Strasse. Dort zündet er seinen Mundinhalt an und speit das Zeugs in die Luft. Ein Feuerschlucker, wie er im Buche steht und man ihn selten noch sieht, aber eben, Hemberg ist im Ausnahmezustand, da ist solches möglich.

Zurück im Barwagen auf dem Schulhausplatz dröhnt dort jetzt «Enter Sandman» von Metallica aus den Boxen, knallhart und donnernd laut, man(n) zupft an der Luftgitarre, es ist bald Mitternacht und Hochstimmung. Drinnen in der Halle werden die Raclettekalorien mit Forrer-Dütschler weggetanzt, auch hier, etwas gemässigter: Hochstimmung. Und noch immer stehen und sitzen auf der Dreiegglistrasse noch Menschen plaudernd und trinkend beisammen. Es gibt halt viel zu besprechen vor so einem Bergrennen. Auch vor dem «Rössli» im Bächli höckeln sie noch lange in dieser lauen Nacht, derweil drunten in St. Peterzell längst die Lichter ausgegangen sind.

Hemberg war wie Nizza: Partygänger am Freitagabend. (Bilder: Michael Hug)

Hemberg war wie Nizza: Partygänger am Freitagabend. (Bilder: Michael Hug)