Kommentar
Nationalratswahlkampf in Innerrhoden: Hochkarätiges Kandidatenfeld ohne klaren Favoriten

Mit Antonia Fässler, Thomas Rechsteiner, Ruedi Eberle und Martin Pfister kämpfen gleich vier Persönlichkeiten um den einzigen Innerrhoder Nationalratssitz. Ist die Zeit reif für die erste Appenzeller Bundesparlamentarierin?

Jesko Calderara
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Jesko Calderara, Redaktor Appenzeller Zeitung

Jesko Calderara, Redaktor Appenzeller Zeitung

Die Innerrhoder Wähler sind zu beneiden. Während in Ausserrhoden noch immer unklar ist, wer Nationalrat David Zuberbühler (SVP) herausfordern wird, gibt es im Nachbarkanton für den einzigen Sitz in der grossen Kammer gleich vier Interessenten. Nach den bereits bekannten Namen Ruedi Eberle (SVP) und Martin Pfister (SP) ist nun klar, dass für die CVP Antonia Fässler sowie Thomas Rechsteiner ins Rennen steigen wollen. Mit zwei Mitgliedern der Standeskommission und einem ehemaligen Säckelmeister ist das Bewerberfeld hochkarätig besetzt. Der chancenlose SP-Präsident Martin Pfister vertritt darin das linke politische Spektrum.

Spannend wird die parteiinterne Ausmarchung bei der CVP. Um die Stimmen nicht zu zersplittern, wird sich die dominierende Partei im Kanton für eine Einerkandidatur entscheiden müssen. Dabei dürften die Vorteile bei Rechsteiner liegen. Dieser hat als Säckelmeister gute Arbeit geleistet, zudem verfügt der 47-Jährige über ein gewinnendes Auftreten. Einen Makel aber hat er dennoch. Die Frage ist, ob ihm sein Slalomlauf bei den Ständeratswahlen im Frühling geschadet hat. Damals verzichtete Rechsteiner zuerst auf eine Kandidatur, änderte seine Haltung dann aber, als ihn ein anonymes Bürgerkomitee per Zeitungsinserat ins Spiel brachte.

Demgegenüber konnte sich Antonia Fässler beim wichtigsten politischen Geschäft der letzten Zeit, dem Spitalneubau, profilieren. Dank guten Dossierkenntnissen und einer sachlichen Art überzeugte sie eine Mehrheit vom umstrittenen Projekt. Beim Kampf um das Nationalratsmandat kann Fässler zudem vom Frauenbonus profitieren, denn die Zeit wäre reif für die erste Innerrhoder Bundesparlamentarierin. Ihre Schwäche ist die Kommunikation, bei welcher sie nicht nur im Vergleich zu Rechsteiner abfällt. Nicht unterschätzt werden sollte der SVP-Kandidat Eberle. Spätestens seit seiner Wahl als Säckelmeister ist der gebürtige St. Galler Oberländer im Kanton angekommen. Abgesehen davon kann er wie Fässler einen Trumpf ausspielen: Die Kombination Standeskommission und Bundespolitik hat in Innerrhoden Tradition, was zu Eberles Chance werden könnte.