HITZEWELLE: Alles sucht nach Abkühlung

Gross und Klein ächzt und stöhnt wegen des heissen Wetters. Noch ist die Lage nicht prekär. Dies könnte sich in der Landwirtschaft in den kommenden Wochen ändern.

Alessia Pagani
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Das Wasserspiel wurde am Kinderfest extra auf dem Ebnet Herisau platziert, um für Abkühlung zu sorgen. (Bild: Alessia Pagani)

Das Wasserspiel wurde am Kinderfest extra auf dem Ebnet Herisau platziert, um für Abkühlung zu sorgen. (Bild: Alessia Pagani)

Alessia Pagani

alessia.pagani@appenzellerzeitung.ch

«Schwarze T-Shirts, die armen Kinder.» Solche und ähnliche Sätze hörte man am Dienstag während des Kinderfestumzuges in Herisau immer wieder. Obwohl erst gestern der kalendarische Sommerbeginn war, zeigten sich die vergangenen Tage und Wochen von ihrer schönsten Seite. Warme Temperaturen und Trockenheit prägten die Wetterlage. Den Kindern in Herisau wurde für ihren grossen Tag ein Trinkfläschli Wasser am Morgen und eines zum Zvieri verteilt. Denn trinken ist dieser Tage besonders wichtig (siehe links). Zudem erhielt ­jedes eine «Tächli­chappe». «Natürlich war das Wasserspiel auf dem Ebnet ein Riesenhit», so Nadja Rechsteiner, Präsidentin der Kinderfestkommission. Man habe als Organisatoren gemacht, was man konnte, um einer Überhitzung der Gäste und Kinder vorzubeugen. «Zum Beispiel haben wir auf dem Ebnet zusätzliche Sonnenschirme aufgestellt, um so viele Schattenplätze wie möglich bereitzustellen.» Vorfälle wegen der Überhitzung gab es am Fest keine.

Kühe bleiben im Stall

Über Schattenplätze beziehungsweise Plätze in den Ställen sind auch die Kühe momentan dankbar. «Dort ist es kühler und daher angenehmer als draussen», sagt der Präsident des Ausserrhoder Bauernverbandes, Ernst Graf. «Kühe haben mit den Temperaturen im Sommer grundsätzlich mehr Mühe als mit den Temperaturen im Winter.» Durch die momentane Wetterlage hätten sich zudem Insekten – allen voran die Rossbremse – in diesem Jahr stark und etwa einen Monat früher als sonst vermehrt. «Viele lassen das Vieh wegen der Insekten und Temperaturen nur noch in der Nacht auf die Weide», so Graf. Für eine bessere Luftzirkulation stellen vereinzelte Bauern Ventilatoren in die Ställe. Die Wetterlage sei für die Landwirschaft in Appenzell Ausserrhoden allerdings im Moment noch sehr positiv. «Für uns ist es gut, wenn es während einiger Zeit trocken und warm ist.» Wenn es noch lange so weitergehe, könnte es für die Pflanzen und die Wasserversorgung allerdings problematisch werden. Graf: «Viele unserer Höfe haben keinen Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung und sind auf eigenes Quellwasser angewiesen. Dieses könnte irgendwann versiegen.» Bei dieser Wetterlage sieht Graf in etwa zwei Wochen die Grenze von problemlos zu problematisch. «Ein bis zwei Gewitter pro Woche reicht, und die Lage bleibt gut für uns», so Graf. Die herrschenden Temperaturen sind auch in den Alters- und Pflegeheimen ein Thema – allerdings nicht ein durchweg negatives, wie Andreas Spitz, Geschäftsführer der Stiftung Altersbetreuung Herisau, sagt: «Bei uns ist die Stimmung gut, und die Bewohner freuen sich über das schöne Wetter.» Die Mitarbeiter seien alle sensibilisiert und würden die Bewohner immer wieder darauf aufmerksam machen zu trinken oder sie stellen für die Bewohner Ventilatoren zur Verfügung. Aber es sei wie mit allem: «Die Bewohner geben selber auf sich acht. Es ist schliesslich nicht die erste Hitzewelle die sie durchmachen. Sie haben Lebenserfahrung.»